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 Die Kaiserin und die Postreform

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Cophila
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BeitragThema: Die Kaiserin und die Postreform   Sa Sep 06, 2008 2:10 pm

Nach dem Tode Karls VI. übernahm seine Tochter Maria Theresia die Regierung der Erbländer. Die als ebenso warmherzig wie klug bekannte Regentin widmete allen dem Volks- und Staatswohl zugedachten Einrichtungen größte Aufmerksamkeit, hatte aber insofern vielfach gebundene Hände, als die durch Kriege beanspruchten Staatskassen zumeist leer waren.

1743 legte Maria Theresia die Rechte des Hofpostmeisters neu fest; dabei verlor dieser Würdenträger praktisch alle Privilegien, die sich aus dem ausübenden Postdienst ergaben. Es war ihm beispielweise u. a. auch nicht mehr gestattet, Postmeister anzustellen, zu beeiden, zu bestrafen oder vom Dienst zu entheben. Mit Ungnade hatte diese grundlegende Reform nichts zu tun. Maria Theresia betonte vielmehr, daß lediglich das öffentliche Interesse für ihre Maßnahmen ausschlaggend war.

Eine neue Postordnung erging 1748, die allerdings mit dem Inhalt jener von 1662 und 1695 zum Teil übereinstimmte. Gewisse Modifikationen betrafen insbesondere das Stationswesen und den Reisedienst, wobei sich für die Postmeister etliche Privilegien ergaben. Neu war die Beförderung der Reisenden zu Wagen mit Pferdewechsel auf Poststrecken für Rechnung der Postmeister (Extrapost).

Im Sinne der genannten Postordnung führte Freiherr von Lilien 1749 die ersten "Postwagen" in Wien ein, mit denen Reisende und Fahrpostsendungen aller Art regelmäßig befördert werden konnten.

Die erste dieser "Diligencen" wurde am 1. Juni 1749 von Wien nach St. Pölten abgefertigt. Bald darauf befuhren sie die Routen nach Brünn und Olmütz bzw. Iglau, Prag und die über Linz nach Regensburg führende alte Poststraße.

Als schon ein Jahr später eine stattliche Anzahl von Diligencen auf Reisen war, richtete man für diesen neuen Dienst eine besondere Fahrpostanstalt ein, die "k. k. Hauptwagenexpedition"; ihr waren in wichtigen anderen Ortschaften "Postwagen-Expeditionen" unterstellt.
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Cophila
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BeitragThema: Zur Beschleunigung des   Sa Sep 06, 2008 2:29 pm

in- und ausländischen Briefwechsels wurden zwischen Wien einerseits und den Hauptorten der Erbländer andererseits täglich "reitende Posten" (Jounalieren) eingeführt. Im Jahr 1750 kursierten solche Posten schon zwischen Wien und Graz, Prag, Brünn, Ölmütz, Znaim und Preßburg. In Städten und Märkten, in denen sich keine Poststelle befand, besorgten eigens aufgenommene Briefeinsammler den Annahmedienst.
(Verfügung über Postpferde von 1750):
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Cophila
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BeitragThema: Maria Theresia dehnte   Sa Sep 06, 2008 2:35 pm

das Postmonopol übrigens auch auf die Fahrpost aus und beseitigte damit den vor Verwendung von Wagen bestehenden Zustand, daß Pakete von der Postbeförderung überhaupt ausgeschlossen waren. Der Neuregelung zufolge mußten Geldsendungen und Frachtstücke bis einschließlich 20 Pfund überall dort, wo Postkurse existierten, diesen Kursen zur Beförderung übergeben werden.

(Maria Theresia (1717-1780), hier im Alter von elf Jahren.)
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Cophila
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BeitragThema: Die "Kleine Post" in Wien   Sa Sep 06, 2008 8:16 pm

1772 bewilligte Maria Theresia die Errichtung einer Postanstalt für Wien, der sogenannten "Kleinen Post". Das Privilegium dafür erhielt zuerst Josef Hardy auf die Dauer von zehn Jahren. Damit ging er die Verpflichtung ein, in der Stadtmitte ein Hauptpostamt und an geeigneten Stellen eine Anzahl Unterämter einzurichten und für die regelmäßige Postbeförderung vorzusorgen.

Wenn man bedenkt, das die Kaiserin 16 Kinder gebahr, dann ist das schon eine bemerkenswerte Leistung.
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BeitragThema: Im Volksmund wurde   Sa Sep 06, 2008 8:22 pm

dieses Unternehmen bald "Klapperpost" genannt, weil sich die Briefboten mittels einer Holzklapper bei der Bevölkerung bemerkbar machten.
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BeitragThema: Diese besonders privilegierte   Sa Sep 06, 2008 10:11 pm

Anstalt bestand bis 1785, dann ging sie bis 1830 in die Verwaltung des Obersten Hofpostamtes über. Hinterher erhielt Wien eine eigene amtliche Stadtpost.
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BeitragThema: Eine der Wiener "Kleinen Post" ähnliche Institution etablierte sich 1795 (Ende 1849) auch in Graz;   So Sep 07, 2008 11:33 am

einige Jahre vorher mußte ein analoges Unternehmen in Prag (1782 - 1788) liquidiert werden.

Innerhalb der Verwaltungsreformen ließ Maria Theresia in Wien eine besondere Kontrollbehörde für Postangelegenheiten schaffen, die "Post-Hof-Buchhaltung". Sie hatte das Expeditions- und Rechnungswesen neu zu regeln.

Nachstehend: Die räumliche Entwicklung Österreichs als Großmacht:
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BeitragThema: Bedeutende Veränderungen   So Sep 07, 2008 7:50 pm

auf höchster Verwaltungsebene brachte die sogenannte Haugwitz'sche Verwaltungsreform. Ihr zufolge oblag die Leitung des Postwesens nunmehr dem "Directorium in publicis et cameralibus", allerdings mit Ausnahme der Staats- und geheimen Angelegenheiten, in welchen das Oberste Hofpostamt und die übrigen Poststellen weiterhin dem Geheimen Hof- und Staatskanzler unterstellt waren.

links: Finanz- und Verwaltungsfachmann Graf Haugwitz
rechts: Diplomat und Staatskanzler Fürst Kaunitz
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BeitragThema: Die Leitung des Directoriums   So Sep 07, 2008 7:58 pm

lag in Händen des Grafen Wilhelm von Haugwitz; die eigentliche Postverwaltung führte jedoch die "Subdelegierte k. k. Oberpostkommission" (späterer Namen: in Postsachen subdeligierte Hofkommission), die aus dem Obersten Hof- und Erblandpostmeister, also dem Grafen von Paar, als Vorsitzenden und sechs Beamten bestand. Die Kommission hatte alle Anträge und Beschlüsse zu Protokoll zu bringen und dieses dem Directorium zuzuleiten, das sodann wichtige Sachen der Kaiserin zur Kenntnis brachte.
(Threadtext in Anlehnung an Heft 1/79, Archiv für deutsche Postgeschichte. Bilder Eigenbesitz. - Frei - )


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BeitragThema: Auf der Briefmarke   Di Sep 09, 2008 4:11 pm

ganz links, hinter seiner Mutter, ist Joseph II. (später Römischer König) zu erkennen.

Joseph war noch nicht zehn Jahre alt, als man in Europa begann, auf seine Hand zu spekulieren. Auch seine Eltern spekulierten mit ihr.

Man war mit den bourbonischen Höfen verbündet, so lag es nahe, eine bourbonische Prinzessin ins Auge zu fassen. Zuerst dachte man an eine Spanierin. Habsburg hatte sich damit abgefunden, daß sich in Italien zwei bourbonische Nebenlinien spanischer Herkunft installiert hatten, die eine in Neapel, die andere in Parma. Warum sollte man nicht versuchen, sich mittels Heirat neuen Einfluß auf der Apenninenhalbinsel zu verschaffen? Also verhandelte man mit Karl III. von Spanien (ehedem von Neapel-Sizilien). Er hatte eine Tochter Josepha. Sie war drei Jahre jünger als der eigene Thronfolger Joseph. Das mochte doch passen? Auch Prinzen gab es da, einen Karl, einen Ferdinand. Wie, man dem einen oder anderen eine oder die andere junge Erzherzogin anverlobte? Karl III. stimmte begeistert zu. Er sprach schon von einer Doppel-, Dreifach-, ja Vierfach-Hochzeit fraglich . So überbot er das Angebot und bot damit zuviel. In Wien wurde man bedenklich. Soviel Begeisterung war verdächtig. Vielleicht hatte man auch schon etwas davon läuten gehört, daß diese für Joseph in Betracht gezogene Josepha nicht gerade eine Schönheit, daß sie im Gegenteil eine abscheuliche kleine Trine war. Sollte man den schönen jungen kostbaren Sohn an eine solche verschwenden? nein Man zögerte also, und bald zeigte sich auch noch eine andere Konstellation ar .
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BeitragThema: Da lebte noch eine Fürstin   Mi Sep 10, 2008 8:40 pm

in Parma, Lieblingstocher Ludwigs XV., eine ehrgeizige Dame, die keinen heißeren Wunsch hegte, als eine ihrer Töchter mit dem Erbprinzen von Habsburg zu vermählen. Sie wollte Kaiserin-Mutter werden. Ludwig XV. hatte ein offenes Ohr für die Wünsche seiner Tochter, so kam deren Älteste, Isabella von Parma, ins Spiel. Ein Vertrauensmann der Kaiserin, Botschafter Mercy, verfügte sich nach Parma, um die Prinzessin in Augenschein zu nehmen. Er konnte nur das Beste melden: ein herrliches Mädchen. queen
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BeitragThema: Fortsetzung der romantischen Geschichte:   Do Sep 11, 2008 9:20 pm

Joseph sah ihr Bildnis und stand in Flammen. la

Er bestürmte Vater und Mutter: Diese wolle er und sonst keine. Die Eltern waren etwas bestürzt über diese unvermutet aufflammende Leidenschaft. Sie hatten selbst aus Liebe geheiratet und wünschten innig, ihr Sohn möge glücklich werden. Doch war einer Liebe zu trauen, die sich nur an einem Bild entzündet hatte? Und, was würde der König von Spanien king dazu sagen, wenn man nun so plötzlich das Bäumchen wechselte confused
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BeitragThema: Re: Die Kaiserin und die Postreform   Do Sep 25, 2008 3:18 pm

WIEN, Maria Theresien-Denkmal. PK um 1900:
"Natürlich war der brave König von Spanien  king  erzürnt. Doch schließlich gab Josephs Liebe den Ausschlag - oder waren es doch politischen Gründe, die eine Verschwägerung mit Versailles anziehender machten als mit Madrid? Schließlich stand man seit Jahren mit den Franzosen Schulter an Schulter im Kampf gegen diesen "Teufel" Friedrich (gemeint ist "der Große von Preußen". Trotz Kunersdorf, Maxen und Landeshut war kein Ende der Misere abzusehen. Man war auf Ludwigs Heere angewiesen, das mochte einen halben Wortbruch schon entschuldbar machen; mit gewundenen Erklärungen zog man sich aus der spanischen Schlinge und beschloß die Brautwerbung um Isabella  queen . (Die Mutter atmete auf: ihrem geliebten Joseph entgegenzuhandeln war ihr damals noch fast unmöglich.)"
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Cophila
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BeitragThema: Re: Die Kaiserin und die Postreform   Fr Sep 26, 2008 1:55 pm

Auf der verausgabten Edition (Österreich vom 13.05.1980) Mi.-Nr. 1638-1640 findet man nachstehende Titelseite des Gedenkblattes:

Fortsetzung der romantischen Geschichte: "Als Brautwerber schickte man den reichsten Paladin, Wenzel Fürst Liechtenstein, nach Parma. Nur er konnte würdig auftreten und den Glanz entfalten, den das durch den Krieg erschöpfte, an den Rand des Bankrotts gedrängte Kaiserhaus aus eigener Kasse nicht mehr berappen konnte. Erst neulich wieder war eine große Schlacht - die bei Liegnitz - gegen Friedrich (den Großen von Preußen) verlorengegangen. Aber was verschlug's? Die Hochzeit des Thronfolgers sollte trotzdem mit allem Aufwand gefeiert werden" (So steht es seit über 200 Jahren "geschrieben").
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sammler
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BeitragThema: Re: Die Kaiserin und die Postreform   Fr Sep 26, 2008 3:59 pm

ganz großes Kompliment deine Einträge sind wirklich immer extrem nützlich und lehrreich
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Cophila
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BeitragThema: Re: Die Kaiserin und die Postreform   Sa Sep 27, 2008 2:06 pm

Danke für das Kompliment @sammler. Zwinkern

Schreibe halt gerne mituntermal was zum Thema, welches ja hierbei sehr geschichtsträchtig ist.

In dieser Gedenkkarte gibt es auf Seite 2 eine farbige Abbildung der damaligen territorialen Verhältnisse (schwarz-weiß-Landkarte siehe im Thread vorher):

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Cophila
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BeitragThema: Re: Die Kaiserin und die Postreform   So Sep 28, 2008 11:54 am

Seite 3 der Gedenkkarte zeigt die 3 Briefmarken nebst dem Sonderstempel. Auf Seite 4 die Geschichte zum Thema "Maria Theresia und ihre Zeit".
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Ottakring
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BeitragThema: Brief mit frühem Stempel   Mi Dez 14, 2011 5:21 pm

Ich bin neu in diesem Forum und sehe mir nach und nach die Beiträge an.
Die Ausführungen zu Maria Theresia und dem Beginn eines geordneten Postwesens sind sehr interessant. Auch wenn der letzte Eintrag nun schon 3 Jahre alt ist, möchte ich einiges hinzufügen.
Zuerst ein Brief von 1752 mit dem ersten bekannten Stempel V:WIENN. Da die Brieftaxe (heute das Porto) entfernungsabhängig war, wurde also der Aufgabsort auf der Briefvorderseite vermerkt. Außerdem die Taxe (bei dem Brief 4 Kreuzer), die der Bote bei der Abgabe zu erhalten hatte. Damit der Brief auch zugestellt wurde, wurde erst bei der Zustellung bezahlt!

Interessant ist auch die Schreibweise von Wien, wir finden sie heute noch im Englischen oder Französischem (Vienna) und im Dialekt heißt es phonetisch ja „Wean“
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Ottakring
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BeitragThema: Sog. Kleine Post (Klapperpost in Wien)   Mi Dez 14, 2011 5:31 pm

Zu der Stadtpost (Klapperpost) in Wien möchte ich einen Brief mit dem Stempel des Klapperboten Nr. 13 (KP 13) zeigen.
Übrigens: auf dem Bild des Boten ist auf der Klapper seine Nummer 3 zu sehen!
Interessant ist, dass - wie schon erwähnt - auch in Prag und Graz sog. Kleine Posten (im Gegensatz zur „großen“ Staatspost) eingerichtet wurden. Auch in Ofen (ungarisch Buda, dem Stadtteil von Budapest) gab es eine Kleine Post. Aber nur die Grazer Kleine Post erlangte eine gewisse Bedeutung und war über längere Zeit als Privatanstalt tätig.

Hat noch jemand Interesse an dem Thema?????
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Die Kaiserin und die Postreform

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