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 Transitpostverhältnisse Österreichs zu Bayern 1850 - 75

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bayern klassisch
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BeitragThema: Transitpostverhältnisse Österreichs zu Bayern 1850 - 75   Mo Sep 15, 2008 8:19 am

Wenn man als Sammler in ein Alter kommt, in dem man schon den Führerschein haben sollte, und auch die eigene Sammlung nicht erst seit gestern im Regal steht, dann kommt man, gerade wenn man in die klassische Zeit verliebt ist, auch an den Transiten nicht vorbei.

Weil es immer wieder Sammler gibt, denen der Begriff Transit in der Auslegung Probleme bereitet, hier eine kurze Definition:

Laufweg eines Poststücks von Postgebiet A über ein fremdes Postgebiet C nach Postgebiet B.

Setzen wir jetzt für A = Austria, für B = Bayern und für C = die Schweiz beispielhaft ein, so erkennen wir, dass Transite immer 3 oder mehr Postgebiete tangieren. Hieraus ergibt sich bei Altdeutschland (inklusive Österreich) die Problematik, dass man als nur Austria, nur Bayern oder nur XYZ - Sammler mit seinem Wissen über sein Sammelgebiet nicht weit kommt, denn die dazwischen liegenden Postverwaltungen komplizieren die Beschreibung jedes Poststücks.

Den Zeitrahmen spanne ich von 1850, genau vom 1.7.1850, als Austria und Bayern als Gründungsmitglieder des Deutsch - Österreichischen - Postvereins den Altvertrag vom 1.10.1842 hinter sich ließen.

Das Ende mit dem 31.12.1875 fällt mit dem Ende der alten Kreuzerwährung in Bayern zusammen, womit eine einheitliche Taxierung und Frankierung von Bayern während der gesamten, zu besprechenden Epoche, gewährleistet ist, während Austria bis 31.10.1858 in Conventionskreuzer rechnete, und ab dem 1.11.1858 in Neukreuzer konvertierte.

Zu unterscheiden ist bei Inlandsbriefen der rheinische Kreuzer der süddeutschen Staaten gegen den höherwertigen Kreuzer CM nicht. Bei Auslandsbriefen wird das schon anders aussehen, wie die in den nächsten Wochen folgenden ca. 30 Briefe zeigen werden. Halten wir also fest, dass das postalische Verhältnis beider Währungen untereinander 1 : 1 war. Wie ich in meinem vorherigen Thread der Postverhältnisse Bayerns zu Österreich in der Markenzeit gezeigt habe, kostete daher ein Brief von München nach Wien regelmässig 9 Kr. rheinisch, wie er umgekehrt 9 Kr. CM kostete.
Bei Portobriefen waren es jeweils 12 Kr..

Nachdem Austria den 20 Guldenfuß nicht mehr aufrecht erhalten konnte (1 Gulden = 60 Kr. CM), wurde am 1.11.1858 die Umstellung auf den 45 Guldenfuß notwendig (1 Gulden = 100 Neukreuzer).
Dies hatte zur Folge, dass innere wie äußere Abrechnungsmodalitäten novelliert werden mussten, so dass nun

3 Kr. rheinisch = 5 Nkr., 6 Kr. rheinisch = 10 Nkr, 9 Kr. rheinisch = 15 Nkr. und 12 Kr. rheinisch = 20 Nkr. im inneren Verkehr gerechnet wurden.

Aber auch hier war die tatsächliche Währungsparität eine andere, z. B. waren 15 Nkr. tatsächlich 11 Kr. rheinisch, was aber nur bei Auslandsbriefen eine Rolle spielen konnte.

Damit ist das Grundgerüst der Währungen zwischen beiden Ländern geschildert, und die ersten Briefe kommen bald.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
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bayern klassisch
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BeitragThema: Fremde Vertragsstempel   Mo Sep 15, 2008 10:37 am

Da prinzipiell die Postverträge (PVe) der einzelnen altdeutschen Staaten (AD) auch für die anderen Postverwaltungen der anderen AD - Staaten galten, waren die vertraglichen Modalitäten der vertragsschließenden Teile auch für Bayern und Österreich wichtig.

Hierbei bestand der Grundsatz, dass die erste vereinsländische Poststelle, Grenzeingangspost genannt, das gesamte Franko bzw. Porto für die anderen Postvereinsstaaten kassierte.

An den folgenden zwei Beispielen werde ich erläutern, worin die Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen Bayern und Österreich bestanden.

Als erstes zeige ich einen Brief aus London vom 15.3.1853 über Belgien und Preußen nach Wien. Obwohl Österreich keinen Postvertrag mit Belgien oder Großbritannien (GB) abgeschlossen hatte, kam es als Postvereinsland in den Genuss der Vorteile des preußisch - belgisch - britischen Postvertrages vom 1.8.1852.

Teil dieses Vertrages war die Stempelung von unfreien Briefen, also Portobriefen, in London mit dem Stempel 3 1/2 Groschen. Diese 3 1/2 Groschen waren die vertraglich von Preußen zugesagte Vergütung an die britische Post für einfache Briefe bis 1 Loth, der einzige "deutschsprachige" Stempel GB überhaupt. Aus diesen 3 1/2 Groschen musste GB Belgien für seinen Transit mit 2 Pence abfinden.

Da der Brief in Aachen am 16.3. erstmalig Postvereinsterritorium berührte, gebührte nun Preußen der gesamte Anteil am Vereinsporto von 3 1/2 Groschen. Da der Brief in GB in einem Paket verschlossen durch Belgien lief, spricht man auch von einem geschlossenen Transit, für den es natürlich keine siegelseitigen Stempel geben kann.

In Aachen wurde er auch in blauer Tinte mit 21 Kr. CM für die Abgabepost in Wien taxiert, die bei der Auslieferung am 19.3. einkassiert und Preußen rückvergütet werden mussten. Reduzierte man diese 21 Kr. CM in die rheinische Währung, ergab dies 26 Kr.. In dem nachfolgenden Beitrag werden wir sehen, warum das nicht unerheblich war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

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BeitragThema: Re: Transitpostverhältnisse Österreichs zu Bayern 1850 - 75   Mo Sep 15, 2008 10:43 am

Die bayerische Variante spielt dieser Brief aus London vom 15.11.1854, bei dem sich bis Aachen alles wie bei dem vorherigen Brief verhielt.

Nur in Aachen notierte man 23 Kr. rheinisch für Bayern, strich diese aus unerfindlichen Gründen durch, um dann fest zu stellen, dass 23 Kr. rh. doch korrekt waren.

Wie ich zuvor erläutert habe, galten die Postvereinstaxen gleich. Also hätte man postalisch eigentlich nicht die 3 1/2 Groschen Preußens in zwei verschiedene Größen umrechnen dürfen, die noch dazu andere Endwerte ergaben.

Hier war es Österreich aber sehr recht, denn, wie ich gleich zeigen werde, die Alternative über Frankreich war wesentlich teurer.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

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bayern klassisch
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BeitragThema: GB - Österreich um den Postverein herum   Mo Sep 15, 2008 10:50 am

Am 13.8.1852 sante man einen Brief bis 7,5g (nicht mal ein halbes Loth!) aus London Lombard Street über Frankreich (Calais, 14.8.) und Paris nach Gröden in Tirol.

Da der Absender keinen Leitweg vorgab (also nicht über Ostende vermerkte), leitete man ihn schnellstens weiter, und das war der Paketschluß nach Calais. Die franz. Post leitete ihn nun über die Schweiz im geschlossenen Transit nach Feldkirch, wo er am 16.8. siegelseitig eingangsgestempelt wurde. Über Innsbruck (18.8.) und Klaussen (19.8.) wurde er seinem Empfänger für 31 Kr. CM endlich zugestellt.

Die Laufzeit dieser Briefe betrug so zwischen 6 und 7 Tagen, während diejenige über Belgien und Preußen in der Regel 4 bis 5 Tage betrug. Auch der Unterschied von 10 Kr. CM mehr, bei gleichzeitiger Verringerung der Gewichtsstufen von 7,5g, statt eines Zolloths, ließen diese Sendungen übersichtlich bleiben.

Beste Grüsse von bayern klassisch

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bayern klassisch
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BeitragThema: Kartierungsfehler der Aufgabepost   Mo Sep 15, 2008 7:38 pm

Unter Transiten versteht man die willentliche Versendung über ein oder mehrere Länder. Die Versendung eines Poststücks aus Gründen fehlerhafter "Manipulation" bei der Aufgabe- oder Kartierungspost über ein Transitland sollte hier eigentlich nicht behandelt werden.

Um eventuellen Anfragen aber stand zu halten, zeige ich einmal einen solchen (sehr seltenen) Fall.

In Augsburg schrieb man am 11.6.1870 einen einfachen Brief nach Egg bei Bregenz. Augsburg, Bayerns schludrigste Postexpedition, kartierte ihn aber nicht nach Österreich, sondern nach Zürich, wo es auch ein Egg gab.

Dank der vorhandenen Lesebereitschaft der Schweizer Kollegen auf der Bahnroute Zürich - St. Gallen am 12.6. stellte man fest, noch ehe man ihn nach Egg selbst übermachte, dass er nach Österreich sollte und kartierte ihn kurzerhand um.

Eine 3 Kr. Rate von Augsburg in die Schweiz gab es nicht; nach ganz Österreich kosteten einfache Briefe aber immer 3 Kr.. Allein daran hätte man in Augsburg merken müssen, dass die CH nicht das Zielland sein konnte (7 Kr. - Rate in alle Orte der CH).

Nun könnte man auf den nicht dummen Gedanken kommen, dass die Schweiz, da sie ja Transit leistete, hierfür auch etwas haben wollte. Dies wäre aber nicht vertraglich gerechtfertigt gewesen, denn in allen Postverträgen stand das gleiche, nämlich dass der Empfänger einer Postsendung für eine Fehlleitung der Post nicht mit höheren Gebühren in Anspruch genommen werden durfte. Daher blieb der Brief auch ohne Nachtaxe bei seiner Auslieferung (wäre ja auch noch schöner gewesen, erst einen Tag verloren, und dann dafür noch Geld kassieren wollen ...)

Auf einen zweiten in entgegen gesetzter Route warte ich schon über 15 Jahre ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch

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Mozart
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BeitragThema: Re: Transitpostverhältnisse Österreichs zu Bayern 1850 - 75   Mo Sep 15, 2008 7:49 pm

Da sitzt er nun sabbernd la und staunend er der Mozart!

Mein lieber bayern klassisch, ich hab einen neuen Lieblingsthread hier in diesem Forum!

Danke für´s zeigen sagt
Mozart, der auch solche Briefe braucht! ja
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Cophila
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BeitragThema: Wirklich speziell   Di Sep 16, 2008 10:17 am

sowie ausgezeichnet und fachmännisch erläutert.

Ein wirklich interessantes Sammelgebiet aus dieser "guten alten Zeit".

Freundliche Grüße!
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bayern klassisch
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BeitragThema: Bayern - Österreich - Sardinien   Di Sep 16, 2008 7:34 pm

... na, dann möchte ich mal meine Fans bei Laune halten Zwinkern

Nach der Gründung des deutsch - österreichischen Postvereins (DÖPV) zum 1.7.1850 waren Altverträge nicht automatisch obsolet geworden, sondern behielten ihre Rechtsstellung zwischen den Ländern. Für die Poststücke aus Bayern über Österreich et vice versa galt jedoch der eigene Postvertrag zwischen Bayern und Österreich selbigen Datums, der auf Wunsch später hier vorgestellt werden kann, da mir die bayerische Bekanntgabe im Verordnungsblatt vollständig vorliegt.

Ein einfacher Portobrief aus Wemding vom 5.12.1850 zeigt aber nun, dass aufgrund der DÖPV - Bestimmungen doch Änderungen zu vorherigen Abrechnungsverfahren innerhalb der Postverwaltungen griffen.

Vor dem 1.7.1850 wäre solch ein Brief anders abgerechnet worden (das soll uns aber erst in der zukünftig zu zeigenden Vormarkenzeit kümmern), da jetzt Bayern der Bezug des Franko, oder wie hier des Porto, bis zur österreichisch - sardischen Grenze zustand. Österreichs Postvertrag mit Sardinien vom 14.3.1844 verlangte die Abstempelung "T. A." für "Transito Austriaco" oder "Transit Autrichienne" in Mailand, dem Auswechselungsbüro. Zuerst wurde jedoch T. A. 2 für die 2. Entfernungsstufe gestempelt, was nicht korrekt war. Als Korrektiv stempelte man einfach T. A. 3 für den 3. Entfernungsrayon daneben, ohne den falschen Stempel zu streichen.

Das Königreich Sardinien zahlte 4 Lire für je 30g Briefe an Österreich pauschal. Der Empfänger zahlte hier 10 Decimi oder 1 Lira als Gesamtporto.

Der Leitvermerk von der Hand des Absenders "per Milano Torino" machte durchaus Sinn, denn eine Leitung über die Schweiz oder Frankreich wäre auch möglich gewesen.

Dergleichen Briefe sind nicht häufig - es gibt sie auch mit geteilter Frankoabgeltung, zu der ich später mehr sagen (und etwas zeigen) werde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

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bayern klassisch
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BeitragThema: Nachfragen   Di Sep 16, 2008 7:43 pm

Weil ich es zu schreiben vergaß - Nachfragen sind nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht. Ich werde mit meinem dürftigen Wissen versuchen, sie selbst zu beantworten, andernfalls befreundete Sammler um Klärung da bitten, wo ich diese nicht leisten kann.

Fragen sind bekanntlich kaum einmal dumm - nur die Antworten können es sein. Also werden hier keinem Anfänger grobe Antworten gegeben, sondern versucht, die Aussagen dem Fragenden begreiflicher zu machen.

Dieser Thread soll keineswegs ein Monolog werden, sondern helfen, die teils recht komplizierten Verhältnisse mit den ihnen zu Grunde liegenden Briefen (besser) zu verstehen, um mit dem so gewonnenen Wissen, dem Ansporn und der hoffentlich vermittelten Einsicht die Qualität und das Niveau gleichgelagerter Sammlungen zu heben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
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Mozart
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BeitragThema: Re: Transitpostverhältnisse Österreichs zu Bayern 1850 - 75   Di Sep 16, 2008 7:51 pm

Lieber bayern klassisch

Ich bin noch bei Brief Nr.1! Langsam lesen und danach vestehen lautet meine Devise!
Aber keine Sorge, du wirst meinen Fragenkatalog noch bearbeiten dürfen!

Beste Grüße vom Mozart, dem du es bitte nicht übel nimmst, dass er ständig deine Bilder verkleinert! Zwinkern
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bayern klassisch
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BeitragThema: Re: Transitpostverhältnisse Österreichs zu Bayern 1850 - 75   Mi Sep 17, 2008 7:45 am

Lieber Mozart,

das geflügelte Wort "gut Ding braucht Weile" gibt es ja nicht zu Unrecht!

Lass dir also Zeit mit dem Lesen und stelle mir deine Fragen, wann immer du welche hast.

Das mit dem Verkleinern ist in Ordnung - ich kann halt nur 3 Knöpfe bei meinem Scanner bedienen ...

Mehr als 3 oder 4 Briefe werde ich je Woche nicht einstellen - dann hat jeder die notwendige Zeit der Verdauung dafür. ja

Liebe Grüsse von bayern klassisch
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bayern klassisch
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BeitragThema: Kirchenstaat im Transit durch Österreich nach Bayern   Mi Sep 17, 2008 7:04 pm

Das Patrimonium Petri, also der Kirchenstaat, war im 19. Jahrhundert ein Relikt vergangener Größe. Das ohne französische Begünstigung längst vor 150 Jahren von der Landkarte verschwundene Zentralstück des italienischen Stiefels konnte sich aber nur bis 1870, wenngleich in geringerem territorialem Umfang als zuvor, in Anbetracht des Abzugs der dort kasernierten französischen Schutztruppen, halten. Danach fiel es an das Königreich Italien.

Zuerst zeige ich einen Brief mit einer Teilfrankatur aus Bologna nach München vom 27.1.1852. Da die Ganzfrankatur mittels Marken erst zum 1.4.1854 bilateral zugelassen wurde, war bis dahin beim Frankierungswunsch des Absenders der Leitweg über Frankreich zu wählen. Dies war jedoch teuerer und nicht schneller (mit Schiffen ab Civitavecchia über Marseille und Strasbourg). Außerdem galt über Frankreich das einfache Gewicht mit 7,5g, wohin gegen Briefe über Österreich bis 1 Loth wiegen durften. So lag ein Brief vom Kirchenstaat über Frankreich nach Bayern mit 15,2g in der 3. Gewichtsstufe, während er über Österreich noch einfach war.

Über Österreich konnte man demnach damals nur "unfrankiert", oder wie hier, teilfrankiert versenden. Hier klebte der Absender eine 5 Bajocchi Marke auf, die das Franko von Bologna bis Ferrara abdeckte. Ferrara war gegenüber Österreich das Austauschpostamt. In Österreich wurde er mit 9 Kr. taxiert, was für den Laien kaum so zu erkennen ist. Am 31.1. wurde er in München für 9 Kr., zahlbar an den Ortsbriefträger, zugestellt.

Teilfrankaturen (nicht solche, von denen es die Auktionsbeschreibung nur vorgibt, ohne es zu sein) sind äußerst selten, egal welche Richtung man zu sammeln anstrebt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

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bayern klassisch
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BeitragThema: Kirchenstaat - Österreich - Bayern unfrankiert   Fr Sep 19, 2008 4:19 pm

Eine Besonderheit des Kirchenstaates war die "Impostazione", also die Gebühr für die erhöhte Mühewaltung bei der Aufgabe eines unfrankierten Briefes.

Dieser hier aus Rom vom 17.5.1852 wurde mit 10 Bajocchi siegelseitig in rot gestempelt, die der Absender zu entrichten hatte. Einer Frankatur kamen sie aber nicht gleich, so dass dieser Brief kein teilfrankierter war.

Ab Ferrara wurde er mit der österreichischen Postverwaltung ausgetauscht, die 9 Kr. für die Abgabepost in Würzburg notierte. Am 21.5. erfolgte die Zustellung gegen 9 Kr. rheinisch dort, die Österreich rücküberwiesen wurden.

Derartige Briefe sind keine Massenware, jedoch nicht mit den teilfrankierten (Marken-) Briefen zu vergleichen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

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Cophila
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BeitragThema: Übersicht der Extrapoststraßen von 1829   Fr Sep 19, 2008 11:25 pm

Kartenausschnitt (Original im Bundespostmuseum Frankfurt am Main.)
Grün markiert: Die von @bayern klassisch bezeichnete Grenzstadt "Ferrara" im Kirchenstaat.
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bayern klassisch
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BeitragThema: Schöne Karte   Sa Sep 20, 2008 8:45 am

Danke Cophila für die Abbildung von Ferrara - jetzt kann man die Geographie sicher besser einordnen. Eine schöne Karte.

Es folgt ein weiterer einfacher Brief bis 1 Loth aus dem Kirchenstaat vom 25.9.1858 aus Rom nach München. Ab dem 1.4.1854 konnten die Korrespondenzen über Österreich auch ganz frankiert werden. Von den beiden Marken zu 5 und 8 Bajocchi deckte die 5 Bajocchi - Marke die Gebühr für den Kirchenstaat bis Ferrara, und die 8 Bajocchi - Marke die Strecke bis München ab. Die als Weiterfranko für Österreich verklebten 8 Bajocchi wurden siegelseitig notiert. Bayern erhielt nichts.

Als internationales Zeichen der völligen Frankatur (= entweder gänzliche Bezahlung aller Gebühren, oder nicht vorhandene Zahlbarkeit eventueller Gebühren, hier ersteres) brachte man in Rom ein liegendes großes X an. Am 1.10. wurde er daher ohne Portobelastung in München zugestellt.

Nicht vergessen möchte ich in diesem Zusammenhang, dass schon ab dem 1.10.1852 eine Versendung von der bayerischen Pfalz in den Kirchenstaat über Österreich nicht möglich war, da Bayern mit Baden ein Abkommen dahingehend abgeschlossen hatte, derlei Briefe über die Schweiz zu leiten. Auch nach 30 Jahren bayer. Postgeschichte ist es mir noch nicht gelungen, einen Brief aus der Pfalz in den Kirchenstaat et vice versa zu sehen, der dies belegen könnte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

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