Asiatische Marienkäfer fallen in Schwärmen über Siedlungen, Obstfelder und Wein her
Minden (jas). Geburtstagskarten, Briefmarken, Geschenkpapier - wem man Glück wünscht, dem schenkt man Marienkäfer. Wenn die niedlichen Tierchen aber in Scharen in die Wohnungen kommen, dann macht das die Anwohner kaum glücklich.
"Das kalte Wetter der vergangenen Tage treibt die Tiere in die Wohnungen. Das ist zu dieser Jahreszeit aber normal", berichtet Dirk Esplör, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station Minden-Lübbecke. Einzelne Tiere seien keine Besonderheit und ungefährlich. Das Auftreten in Schwärmen lasse aber vermuten, dass sich auch bei uns eine asiatische Marienkäferart ausbreitet. Diese Tiere können im Gegensatz zu den heimischen eine große Bedrohung sein.
Die asiatischen Marienkäfer verstecken sich zum Beispiel gerne in reifen Trauben. Werden auch nur wenige Käfer bei der Weinlese eingesammelt, schmeckt der Wein bitter. "Dies könnte letztendlich sogar zu wirtschaftlichen Schäden führen", weiß Esplör. Da Minden keine Weinanbauregion ist, droht diese Zukunft hier glücklicherweise nicht.
Außerdem sind die kleinen Asiaten gefräßig. So ein Tier kann das Fünffache an Blattläusen verputzen, das seine einheimischen Kollegen zu sich nehmen. Sind die Blattläuse weg, scheuen sich die eingebürgerten Flugtierchen nicht, Larven oder auch andere Marienkäfer zu vertilgen. Ursprünglich zur Schädlingsbekämpfung eingeführt, sind sie nun selbst zu Schädlingen geworden.
"Insektizide sind allerdings keine Lösung, wenn man die Tiere loswerden will", erklärt Esplör. "Das Gift schadet den Menschen und den heimischen Arten, die schon genug gefährdet sind." Die beste Lösung sei es, die Fenster zu schließen, um die Tiere fernzuhalten.
Auch ein organisiertes Ausrotten der fremden Art ist mittlerweile kaum noch zu bewältigen. Wenn die Tiere sich verbreiten, dann entwickelt sich eine Eigendynamik, die nicht mehr aufzuhalten ist. Auch der wissenschaftliche Mitarbeiter meint: "Jeder Versuch die asiatische Art zu vertreiben, würde auch die heimische vernichten." Er warnt generell vor der Einfuhr gebietsfremder Tiere. "Es ist immer ein Risiko. Niemand weiß, wie die Tiere auf die neue Umgebung reagieren. Es kann sein, dass sie zur Plage werden." Wenn der Mensch in die Natur eingreift, passiert es, dass auch niedliche Glücksbringer lästig werden.
Aber auch dieses Problem werde die Natur wieder regulieren. Unbegrenzt können sich auch die asiatischen Marienkäfer nicht vermehren. Wenn sie keine Nahrung mehr finden, wird die Plage nicht größer. Die Natur und auch der Mensch werden lernen mit den kleinen Krabbeltieren zu leben.
Der asiatische Marienkäfer
ähnelt den heimischen Arten, hat aber eine besondere Markierung vor den Flügeln
sondert eine bittere, stinkende Flüssigkeit zum Schutz ab
heißt auch Harlekin-Marienkäfer
wurde 1982 aus China zum Schutz des belgischen Hopfens vor Läusen importiert
breitete sich 2001 erstmals frei in Europa aus
überwintert in Winterstarre in frostgeschützten, trockenen, kühlen Räumen
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