Briefmarken-Weltausstellung IBRA, nationale Postwertzeichen-Ausstellung NAPOSTA und 19. Internationale Briefmarkenmesse finden gleichzeitig von Mittwoch, 6. Mai, bis Sonntag, 10. Mai, in der Messe statt. Ein Festtag für alle Philatelisten - und hier lesen Sie, wen Sie wo finden.
Der Sensationslustige: Er will nur Weltraritäten, Ausgefallenes und Besonderes sehen. Ein Stapel hübscher Briefmarkenalben sind ihm ein Graus. Wir finden ihn vor dem radioaktiv strahlenden Hiroshima-Brief, vor dem Bordeaux-Brief mit der blauen und roten Mauritius und im Raritätenkabinett.
Eine ältere Sondermarke Frankreichs ist dem Kunsthandwerk "Handschuhmacher" gewidmet. Foto: ber Der Jugendliche: Freut sich über den freien Eintritt, die Jugendhalle in Halle 9 mit Kinderpost und „Schule und Philatelie”, hat sich für zwei Euro einen Messepass besorgt und geht bei den ausländischen Postverwaltungen auf Stempeljagd. Die „Eins” in Erdkunde dürfte damit am Schuljahresende sicher sein, denn nicht mal sein Geo-Lehrer weiß viel über Aland und San Marino.
Der Neugierige: Er wollte immer schon mal eine Sammlung von Weltrang sehen, wie es sie in Deutschland sonst nicht zu betrachten gibt. In aller Ruhe schaut er sich die Exponate auf der Weltausstellung IBRA an.
Der im Verein organisierte Philatelist: Er hat selbst eine hübsche kleine mühsam zusammengetragene Sammlung zu Hause von der Sorte „Die Philatelie im nordjemenitischen Bürgerkrieg 1962 - 1973 unter besonderer Berücksichtigung der royalistischen Handstempelprovisorien” (falls Sie sich fragen sollten, wie sich ein Journalist so etwas ausdenken kann: Ich sammele das. Wirklich.). Er stellt die Sammlung gelegentlich aus und interessiert sich dafür, wie andere, die auch nichts Besseres haben, an Gold, Silber und Bronze kommen. Das tut er auf der nationalen Ausstellung NAPOSTA.
Der Gelegenheitssammler: Er nimmt ein bisschen hiervon und sammelt ein bisschen davon. Deshalb geht er von einem Händlerstand zum anderen, angetrieben von dem Gedanken: „Mal schauen, was der da hinten so alles hat.”
Die Ehefrau: Toleriert die seltsame Neigung ihres Mannes, stundenlang kleine bunt bedruckte Zettelchen in große dicke Alben einzusortieren - schon allein deswegen, weil er in dieser Zeit keinen Unfug anstellen kann und garantiert nicht raucht. Versucht stickum, ihn von den Ständen der Händler mit Marilyn-Monroe-Motiven weg zu den Ständen mit Elvis-Marken zu ziehen.
Der Spezialist: Bis auf drei, vier Marken ist seine Sammlung komplett. Es fehlen nur noch die seltenen Rastertiefdruck-Varianten mit kopfstehendem Wasserzeichen und abweichender Linienzähnung. Ganz klar - so etwas findet man am besten bei den vertretenen Auktionshäusern.
Der Politische: Ist auf der Suche nach dem Ausrichter der Dreierveranstaltung, um ihn zu fragen, wie es ihm gelungen ist, die Postverwaltungen von Hongkong und VR China einerseits und Taiwan andererseits friedlich in eine Halle zu bekommen.
Der Abenteurer: Doch, selbstverständlich gibt es so etwas unter Briefmarkensammlern (was dachten Sie denn?). Wenn Sie es nicht glauben: Gehen Sie mal an die Stände der Postverwaltungen von Grönland, der französischen Antarktis-Gebiete oder des neuseeländischen Ross Dependency vom Südpol. Da steht er und träumt von Expeditionen durchs ewige Eis.
Der Fromme: Zielstrebig eilt er auf den Stand der Postverwaltung des kleinsten Staates der Welt zu und sieht nach, welche vatikanischen Briefmarken mit dem Bildnis von Papst Benedikt XVI. ihm noch fehlen. Sollte er allerdings evangelisch sein, ist er bei der Deutschen Post zu finden, wo er die neue Sondermarke „Luthergedenkstätten” (Bild oben) gleich bogenweise erwerben kann.
Der Lokalpatriot: Fängt weltweit an, nämlich bei der Post der Vereinten Nationen, um lokal anzukommen, nämlich bei deren Kleinbogen zur Zeche Zollverein. Davon gibt es in Essen nur 1000 Stück, und wenn eines klar ist, dann das: Vor Sonntag werden sie alle ausverkauft sein.
Und ich? Ich habe mir zwei Tage frei genommen, um das alles in Ruhe genießen zu können. Werde den Weltkongress der Philatelie-Journalisten am Freitag im Blumenhof besuchen (ich bin Träger der silbernen Ehrennadel, das sollten Sie ruhig auch mal wissen. Ach, Sie dachten sich schon so was?), ein paar Einkäufe an den Ständen der britischen und französischen Post machen, mir die österreichische 3-D-Briefmarke besorgen, an Wühltischen stöbern und meinen Lieblingshändler (nein, keine Schleichwerbung) besuchen. Vielleicht treffen wir uns irgendwo?
Quelle ( Text von www.derwesten.de)