Von vielen klassischen Gebieten gibt es Neudrucke und Fälschungen. Alt-Österreich ist davon besonders betroffen. Einige der häufig vorkommenden Neudrucke lassen jedoch bereits an schlechten Fotos oder Scans, sicher erkennen.
Einer dieser gut erkennbaren Neudrucke ist der "Rote Merkur", die Michel-Nummer 9 aus dem Jahr 1856. Wie alle Zeitungsmarken von 1851 und 1856 wurde diese in insgesamt 8 weiteren Auflagen neu gedruckt. Die Marken werden einzeln ungefähr zwischen 10,- und 120,- Euro für postfrisch und vollrandig, gehandelt. Der erste Neudruck, von 1866, war eher dazu gedacht, den Bestand an Tauschmarken zu erhöhen und wurde in einer Auflage von nur 500 Stück gedruckt. Diese Neudrucke haben den höchsten Handelswert. Weiter unten, werden die restlichen Auflagen erwähnt.
Betrachten wir aber zunächst nur den "Roten Merkur". Die Originale bei dieser Marke sind alle Type II. Alle Neudrucke sind Type I. Die Typen sind in Katalogen abgebildet, aber auch in Worten schnell erklärt. Noch ein Wort zu dem Namen "Roter Merkur". Besserwisser weisen darauf hin, dass die Farbe zinnober ist oder nennen gar die Marke "Zinnober Merkur". Zinnober ist ein in weiterem Sinne roter Farbton. Die Originale kommen auch in Nuancen vor und auch die gelben Merkure sind nicht wirklich gelb.
Bei Type I hat das "G" keinen Querstrich, bzw. geht kein Querstrich nach links. Rechts kann es einen kleinen Ansatz geben. Das S unten sieht nicht rund, sondern waagrecht aus. Die Rosette oben links, zeigt vier sauber gedruckte Blätter. Alle Neudrucke sind in Type I, also auch die anderen Farben!
Bei Type II hat das "G" einen deutlichen Querstrich nach rechts und links. Das S in ZEITUNGS ist unten rund und zeigt deutliche Serifen (Abschlußstriche). Die Rosette oben links, zeigt ein verkümmertes Blatt oben links. Hier nun drei verschiedene Neudrucke. Alle haben oben links die saubere Rosette, die "G"s haben keine Querstriche.
Mit einem Neudruck der Nr. 9 sollten Sie mit diesem Wissen, nicht hinters Licht geführt werden können. Generell sollten Sie bedenken, eine Nr. 7 wird um 10.000 Euro notiert und Nr. 8 und 9 kosten noch mehr. Jedes Angebot dieser Marken ohne Attest, ist unseriös. Es gibt keine Chance darauf, das jemand unerkannt ein Original anbietet. Selbst die besseren Neudrucke, werden sicher eher als solche korrekt beschrieben werden. Es gibt also nur die Chance auf die billigsten Neudrucke.
Die anderen Merkure - Michel Nr. 6-7-8- sind nicht so einfach, nur an den Typen zu unterscheiden. Eine verständliche Erklärung würde die Möglichkeiten des Ratgeberformates sprengen. Trotzdem hier einige typische Neudrucke der anderen Marken:
Haben Sie also eine Marke und sehen das verkümmerte "U", wird es ziemlich sicher ein Neudruck sein. Originale haben andere Farbtöne.
Nun zu den Neudruckauflagen der Nr. 9 zurück. Die gute erste Neudruckauflage zeigt immer, wie alle Neudrucke dieser Merkurköpfe, nur die Type I, siehe oben, "U", "G" und die Rosette links oben. Nun nach Farben, bzw. Michelnummern:
Neudruck I (Auflage je 500 Stück):
Blauer Merkur: hellblau
Gelber Merkur: lebhafthellgelb
Rosa Merkur: hellrosa
Roter Merkur: lebhaftkarminzinnober
Neudruck II (Auflage je 10.000):
Blauer Merkur: dunkelultramarin
Gelber Merkur: dunkelgelb
Rosa Merkur: dunkelrosa
Roter Merkur: zinnoberrot
Neudruck III (Auflage je 1.000):
Blauer Merkur: grünlichblau
Gelber Merkur: zitronengelb
Rosa Merkur: schmutzigrosa
Roter Merkur: dunkelzinnober
Neudruck IV (Auflage 2.000):
sogenannte Fellner Neudrucke auf schlechtem, faserigem und weichem Papier, sogenanntes Abfallpapier, gedruckt.
Neudruck V (Auflage je 2.000):
Blauer Merkur: schieferblau
Gelber Merkur: hellgelb
Rosa Merkur: dunkelviolettrosa
Roter Merkur: karminzinnober
Neudruck VI (Auflage je 10.000):
Blauer Merkur: dunkelschieferblau
Gelber Merkur: dunkelgelb
Rosa Merkur: hellviolettrosa
Roter Merkur: dunkelzinnober
Neudruck VII (Auflage je 11.300):
Blauer Merkur: hellschieferblau
Gelber Merkur: goldgelb
Rosa Merkur: hellviolettrosa
Roter Merkur: hellzinnober
Neudruck VIII (Auflage je 20.000):
Blauer Merkur: hellschieferblau
Gelber Merkur: goldgelb
Rosa Merkur: hellviolettrosa
Roter Merkur: hellzinnober
Die Auflagen der verschiedenen Michelnummern sind teils gering abweichend, die Zahlen für die Nr. 9 genannt.