Hallo,
ich will den Zeilen von HELVETICUS noch ein paar Sätze hinzufügen.
Die meisten Menschen, die mit dem Briefmarkensammeln beginnen, nehmen erst einmal alles, was sie so bekommen können. Darüber hinaus besteht zumeist ein vorrangiges Interesse daran, Marken des Landes zu sammeln, in dem man lebt, denn so besteht die größte Wahrscheinlichkeit, immer wieder neues Material für die Sammlung zu finden.
Da du Deutscher bist wäre es naheliegend, sich erst einmal vorrangig mit den Marken Deutschlands zu beschäftigen. Damit das Ganze übersichtlich und strukturiert wird, ist es notwendig, sich einen Briefmarkenkatalog für Deutschland zuzulegen. Am naheliegendsten ist da die Anschaffung eines Michel-Deutschlandkataloges. Es muss ja nicht der Neueste sein, denn das wäre schon eine spürbare Anschaffung (solch einen Katalog bekommt man neu im Buch- oder Briefmarkenhandel, wegen der Buchpreisbindung kostet er überall das selbe), ein gebrauchter Katalog, vielleicht drei bis fünf Jahre alt, tut es zunächst auch. Gebrauchte Kataloge hat der Briefmarkenhandel oder Internetfirmen wie Ebay, delcampe, hood oder andere mehr.
Wenn du dich das erste Mal mit so einem Briefmarkenkatalog beschäftigst wirst du staunen, was es da in der Deutschlandphilatelie alles so zu entdecken gibt. Das ist ein unglaublich großes Sammelgebiet, und wenn man nach einiger Zeit etwas mehr Marken eines bestimmten Bereiches hat, wird man sich vielleicht spezialisieren wollen, da helfen dann die Kataloginformationen weiter.
Wenn man regelmäßig im Ausland Urlaub macht und immer wieder in dieselben Länder fährt, besteht bei manchen die Neigung, sich auch eine Ländersammlung des Urlaubslandes zuzulegen, denn da kann man oft leichter an Marken oder Briefe/Karten mit Urlaubsgrüßen herankommen.
Grundsätzlich sollte man immer mit einer Ländersammlung beginnen, denn in der Beschäftigung mit den Marken, ihrer Geschichte und Entstehung kann man besonders viel Fachwissen im Rahmen der Philatelie erwerben. Dabei helfen Kataloge, Fach- und philatelistische Handbücher, zum Teil auch gedruckte Auktionskataloge niedergelassener Briefmarken-Auktionshäuser (davon gibt es viele in Deutschland) sowie das Fachwissen von Händlern und Sammlerkolleg/inn/en, die man beim Tausch, Kauf, Verkauf, bei Vereinstreffen oder auf Sammlerbörsen oder notfalls auch im Internet befragen kann.
Wer das möchte, kann sich zusätzlich eine oder mehrere Motivsammlungen zulegen. Da du in deinem Avatar ein Motorrad zeigst, wäre das doch ein nettes Motivthema für eine Sammlung. Mir fallen da sofort ein paar Marken ein, die Abbildungen von Motorrädern zeigen. Auch jedes andere Motiv ist denkbar, ich persönlich finde es jedoch langweilig, genau das zu sammeln, was alle anderen auch interessiert. Viel spannender ist es da doch, sich mit einem anderen, nicht so geläufigen Thema zu beschäftigen.
Die Frage, ob postfrisch (mit unbeschädigtem Originalgummi), ungebraucht (mit kleinem Klebefalz auf der Rückseite, so wurde teilweise bis etwa 1945 gesammelt) oder gebraucht gesammelt werden soll, ist eine individuell zu beantwortende Frage, eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht. Ich habe in meinem frühen Sammlerleben auch allerlei postfrische Sammlungen geführt, mit zunehmender Dauer der Sammeltätigkeit ist mein Interesse aber fast ausschließlich nur noch auf die (sauber) gestempelte Erhaltung gerichtet, denn Briefmarken sollen mir nicht nur als hübsches Bildchen erscheinen, sondern sind schließlich für einen bestimmten postalischen Beförderungszweck hergestellt worden, und den will ich dann auch auf oder an der Marke per Stempel dokumentiert sehen. Aber, wie gesagt, jede/r soll da den eigenen Neigungen folgen.
Man sollte sich angewöhnen, Briefmarken grundsätzlich nie mit den bloßen Fingern anzufassen, sondern dazu spezielle Briefmarkenpinzetten zu benutzen. Diese haben - im Gegensatz zu haushaltsüblichen Pinzetten - abgerundete Kanten, um das Papier der Marken nicht zu beschädigen. Beim Erwerb sollte man auch darauf achten, Pinzetten zu wählen, die vorne, da, wo sie das Papier greifen sollen, etwas breiter ausgeformt sind, man kann damit besser als mit schmalen Exemplaren zugreifen. Solche Pinzetten bekommt man im Briefmarkenfachhandel (Branchenbuch).
Zunächst reicht eine einfache Handlupe. Später, wenn man sich intensiver mit Marken beschäftigt, kann auch eine Lupenlampe sehr nützlich sein. Das ist so etwas wie eine Schreibtischlampe, aber mit eingebautem Lupenglas und Beleuchtung außen herum; wir haben hier mehrere solcher Lampen, die alle so um die 50 Euro herum kosten.
Zum Schluss noch ein paar Hinweise zu Begrifflichkeiten.
Helveticus hat eine Ganzsache gezeigt (nicht: Ganztagssache !). Es gibt da einen ganz wesentlichen Unterschied zu einem Ganzbeleg oder Ganzstück.
Bei einer losen Briefmarke hat man nicht nur das Bild zu betrachten, sondern auch, ob und welche Zähnung anzutreffen ist, ob sie unbeschädigt ist, ob das Papier ein Wasserzeichen trägt, wie die Markenrückseite erhalten ist oder z.B. auf welcher Art von Papier die Marke gedruckt worden ist.
Wird diese lose Marke auf ein Briefstück geklebt, meist auf Briefumschlag oder Karte, dann nennt man das Ganze = Ganzstück oder Ganzbeleg.
Eine Ganzsache ist etwas ganz anderes. Eine Ganzsache wird von der Post oder mit ihrer Genehmigung als "Gesamtkunstwerk" mit bereits eingedrucktem Wertzeichen hergestellt. Bei erforderlicher Portoergänzung kann es zwar sein, dass da Briefmarken zugeklebt werden, das ändert aber nichts daran, dass nur dann von einer Ganzsache gesprochen werden darf, wenn die Portogebühr bereits mit dem Verkauf von z.B. Brief oder Karte abgegolten ist. Es gibt sehr viele Arten von Ganzsachen, nicht nur die zwei von Helveticus genannten, am geläufigsten dürften dir da vielleicht die aktuell erhältlichen Plus-Briefe sein. Ganzsachen gibt es jedoch schon seit 1849 und parallel zu irgendwelchen Briefmarkenausgaben sind auch immer wieder Ganzsachen erschienen. Diese müssen nicht unbedingt Abbildungen bereits erschienener Briefmarken tragen, es gibt da auch allerlei andere Variationen. Dazu gibt es ebenfalls Kataloge, von Michel und anderen Herausgebern.
Den Schwachsinn allerdings, der einem in den einschlägigen Internetauktionen von der Begrifflichkeit her angeboten wird, sollte man sich auf gar keinen Fall zu eigen machen. Die exakte amtliche Definition einer Ganzsache kannst du auch im Forum unter der Überschrift "Ganzsachen" nachlesen.
Beste Grüße und einen guten Start ins Sammlerleben.
Cantus
