Hallo zusammen,
nachdem ich nun schon so viele Monate in diesem Forum aktiv bin, wird es Zeit, dass ich ein wenig von dem zeige, was mich als Sammler bei Österreich besonders interessiert. Ganz obenan steht, neben Privatganzsachen und Textzudrucken auf Ganzsachenpostkarten, die Frachtpost in allen ihren Facetten. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der Versendung von Fracht und Paketen mit dem Fuhrmann, der Frachttransport per Schiff und dem per Eisenbahn. Da es zu allen diesen Teilbereichen recht unterschiedliches, zum Teil auch recht umfangreiches Material gibt, macht es sicher Sinn, Belege zu den einzelnen Frachtarten unter ebenso unterschiedlichen Überschriften hier im Forum zu zeigen.
Auf Grund des Gebührengesetzes vom 13. Dezember 1862 unterlagen ab 1.1.1863 Frachtbriefe und Duplikate derselben, "wenn sie außer dem Verzeichnisse der versendeten Güter und dem mit dem Fuhrmanne, Frachtführer oder Schiffer geschlossenen Lohn- oder Mietvertrag und der Versicherung" keine Bestimmungen enthielten, für die andere Gebühren vorgeschrieben waren, "dem Stämpel von 5 Kreuzer per Stück".
Das P.u.T.Vbl. Nr. 50/1862 enthält dazu folgende ergänzende Verfügungen:
"Dieser Stämpel hat auch bei Sendungen durch die k.k.Postanstalt, welche im Inlande aufgegeben werden, in Anwendung zu kommen. In der Regel soll die Stämpelmarke von Seite der aufgebenden Partei überschrieben sein. Kämen jedoch Frachtbriefe vor, auf welchen dies nicht geschehen wäre, so sind sie, resp. die Sendungen deshalb nicht zurückzuweisen. In jedem Falle aber ist die Marke von dem Postamte gleich bei der Aufnahme der Sendung zu öbliterieren."
Aus dieser Zeit bis längstens 1880 gibt es daher handgeschriebene, mit einer 5-Kreuzer-Stempelmarke frankierte Paket-Begleitbriefe in Form von Frachtbriefen. Die Formulare würden überwiegend in privatem Auftrag hergestellt; sofern solche Vordrucke von Gewerbetreibenden, Fabrikanten usw. häufiger gebraucht wurden, um damit den Warenverkehr zu händeln, wurden auch oftmals solche Frachtbriefformulare mit dem Zusatzvermerk "Nachnahme ....." gedruckt.
In allen diesen Fällen handelt es sich um Vorläufer der einige Jahre später aufgelegten amtlichen Formulare. Die amtlichen Formulare waren von postalischer Seite mit einer Stempelmarke versehen worden, worauf sich die Fußnote bezieht: "Die Frachtbrief-Blanquette sind bei allen Postämtern und Briefmarkenverschleißern gegen Erlag von 6 Neukreuzern zu beziehen." Sechs Neukreuzer, weil ein Neukreuzer für die Herstellungskosten angerechnet worden war.
Am 15.12.1871 sind die Frachtbriefe mit fiskalischem Werteindruck eingeführt worden, die im Jahr 1878 durch die Post-Begleitadressen abgelöst wurden. Auch wenn der Werteindruck fiskalisch war, so handelt es sich hierbei dennoch um Ganzsachen. Ich werde daher dieses Thema zu einem späteren Zeitpunkt am passenden Ort ausführlich mit Bildmaterial dokumentieren.
Falls es hier im Forum Teilnehmer gibt, die derartiges Material abzugeben haben, bin ich immer ein dankbarer Abnehmer.
Doch nun möchte ich mit den ersten drei Frachtbriefen beginnen. Die Qualität ist nicht immer zum Besten, wenn man aber das Alter, ihren sinngemäßen Gebrauch und auch ihre relative Seltenheit bedenkt, sind alle gezeigten Stücke durchaus reizvolle Belege zur Dokumentation der damals gebräuchlichen Art, Pakete und sonstige Fracht zu versenden.
Beste Grüße
Cantus



Frachtbrief vom 20.Mai 1868, aufgegeben in Abertham, einer kleinen Gemeinde im zentralen Erzgebirge, und nach Freiberg in Sachsen adressiert. Abertham war bekannt für die Fabrikation von Handschuhen, und so enthielt auch das beförderte Frachtgut derartige Ware: Glacéhandschuhe.

Am 13.1.1869 wurde an der Poststation Brünn-Bahnhof ein Paket mit Tuchmustern aufgegeben; es war an Herrn Prinoth in Meran gerichtet.

Am 7.Mai 1871 wurde in Arad ein Paket mit "Wollstoff in Blusette" aufgegeben; die Sendung lief über Wien und Salzburg nach Meran.
In Wikipedia wird Arad u.a. wie folgt beschrieben:
Durch eine neue Festung (erbaut zwischen 1763 und 1783) wurde Arad Garnisonsstadt und neben Temeswar wichtigster Militärstützpunkt im südöstlichen Teil von Österreich-Ungarn. 1834 erhielt sie in Anwesenheit von Kaiser Franz I. den Titel einer „königlichen Freistadt“.