Johann Peter Hebel (* 10. Mai 1760 in Basel; † 22. September 1826 in Schwetzingen) war ein deutschsprachiger Dichter aus dem alemannischen Sprachraum Südbadens, evangelischer Theologe und Pädagoge. Er gilt gemeinhin als der bedeutendste alemannische Mundartdichter. Bekannt wurde er vor allem durch seine Veröffentlichung „Allemannische Gedichte“ und durch zahlreiche Kalendergeschichten.

Heute soll es ja sogar schon promovierte Germanisten geben, denen man erklären muss, wer Johann Peter Hebel war und warum man ihn eigentlich noch lesen sollte. Zwei Biografien wollen den Lesern und Leserinnen nun auf die Sprünge helfen.
Zugegeben, Titel wie "Alemannische Gedichte", "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" oder "Biblische Geschichten" klingen nicht gerade aufregend, aber mehr als diese drei Bücher hat Hebel nun einmal nicht geschrieben. Schriftsteller war er ja quasi nur nebenbei. Im Hauptberuf war er Lehrer, Professor für Theologie und Hebräisch und am Ende gar als erster Prälat der oberste Repräsentant der Evangelischen Landeskirche Badens. Aber, auch wenn sich das einige der heutigen Berufsschriftsteller gar nicht mehr vorstellen können, es kommt ja nicht auf die Zahl der Bücher an, die jemand schreibt, sondern darauf, dass sie gut und unverwechselbar sind.
Die ersten Dialektgedichte
Hebels "Alemannische Gedichte" waren eine Sensation: der erste erfolgreiche Versuch im deutschen Sprachraum, einen Dialekt poetisch zu nutzen. Jean Paul, Goethe und viele andere waren voll des Lobes. Und gegen den wohlmeinenden Rat, die Gedichte ins Hochdeutsche zu übersetzen, wehrte sich Hebel. Er konnte und wollte nicht, wie manche Vertreter des Austro-Pop, zwei Versionen herstellen. Wer Hebels Gedichte lesen will, muss sich um das Alemannische bemühen - so wie ja auch H. C. Artmanns Gedichtband "med ana schwoazzn dintn" nicht ohne das Wienerische zu haben ist.
Jenes Buch, das Hebel berühmt machte, das "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes", hat eine spezifische Entstehungsgeschichte: Das Gymnasium in Karlsruhe, an dem er Professor war, gab einen Kalender heraus, der veraltet war und mit Absatzschwierigkeiten kämpfte. Hebel wurde 1807 als alleiniger Redakteur mit der Reform beauftragt und schrieb dann bis 1814 seine bis heute berühmten Geschichten, darunter "Kannitverstan" und "Unverhofftes Wiedersehen". Sie fanden so viel Anklang, dass ihm der Verleger Cotta das Angebot machte, eine Auswahl als eigenes Buch herauszubringen, das "Schatzkästlein" eben.
Franz Kafka, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Heinrich Böll, Elias Canetti und in jüngster Zeit Arnold Stadler haben diese äußerst verknappten, stilistisch so individuellen wie präzisen und oft doppelbödigen Geschichten kommentiert, gelobt und sich darauf bezogen. Und natürlich wären die Kalendergeschichten von Oskar Maria Graf und von Bertolt Brecht nicht denkbar ohne Hebel - er war ja der erste, der aus dieser Gattung bedeutende Literatur gemacht hat.
