Der Philatelist aus Leidenschaft ist seit 1982 Chef der Briefmarkenfreunde

Wilhelm Wern ist Briefmarkensammler aus Leidenschaft. Foto: Seibt
Usingen. Wilhelm Werns (79) liebstes Wort ist «komplett». Dann spürt er große Freude und Zufriedenheit, wie sie nur ein Sammler empfinden kann, wenn er ein wichtiges, fehlendes Teil zu einem großen Ganzen zusammen gefügt hat. In der Tat ist der gebürtige Meringhausener ein Sammler und zwar von Bildern.
Rund 50 000 hat er seit seinem 14. Lebensjahr immer wieder zusammengetragen, überwiegend aus den Zeiten der Bundesrepublik und der DDR. Zwar sind auch andere Motive dabei, aber das sind eher die Ausnahmen. Doch sie hängen an keiner Wand und sind auch nur einem ausgesuchten Publikum vorbehalten, und das sind überwiegend Menschen, die sein Hobby teilen.
Wilhelm Wern ist nämlich Philatelist aus Leidenschaft. Das erste Album bekam er mit 14 Jahren geschenkt, damals aus einfachem Packpapier gefertigt, in das er die Marken einklebte.
Heute weiß er natürlich, dass das ein kapitaler Fehler war, denn das machte die Marken wertlos. Doch die Sammelleidenschaft war in ihm geweckt, und zu welchen Treffen auch immer er geht, macht er sich auf die Suche nach Briefmarken.
Wertanlagen
«Ich habe eigentlich immer gesammelt, besonders, als die Feldpost kam, haben mich diese Briefmarken immer fasziniert», sagt er. Gerade auf Briefen erzählen sie Geschichten, sind Zeitzeugen und Erinnerungsstücke.
In Briefmarken zu investieren, das sei eine Wertanlage, «wenn man es richtig macht und nicht so wie ich», sagt Wern mit einem Lächeln. Seit 1960 wohnt Wern in Usingen und fand schnell auch andere, die seine Liebe zum Funk und vor allem zu den Briefmarken teilen. 1972 trat er dem Verein der Briefmarkenfreunde bei und übernahm zehn Jahre später das Amt des Vorsitzenden.
Seitdem organisiert er nicht nur die Mitgliedstreffen, sondern hält sich auf Landestreffen auf dem neuesten Stand. «Ich kann doch diese Menschen nicht enttäuschen», beschreibt Wern seine größte Sorge, wenn es um seinen Verein geht. Denn die Tauschabende seien doch gut besucht.
Wern steht den Mitgliedern und Gästen gerne zur Seite. Er bedaure lediglich, dass sich nur noch wenige junge Menschen für dieses Hobby interessieren. Vor allem sei es aber geeignet für die Regentage, an denen er gerne die Alben durchsehe und sich an kunstvollen Bildern erfreue. Doch das schönste für ihn ist in der Tat, wenn er eine Marke von seiner Fehlliste streichen kann. Die Krönung: Wenn das Sammelalbum komplett ist.
Von Tatjana Seibt