Poings oberster Geistlicher Michael Holzner ist seit über zehn Jahren leidenschaftlicher Philatelist im Briefmarken- und Münzsammler-Verein Poing. Am philatelistischen Jahrhundert-Datum 10. Oktober 2010, fand im Rahmen der 1150-Jahrfeier der Gemeinde eine große Briefmarkenausstellung in der Volksschule statt. Dabei wurden viele einmalige und sehr wertvolle Exponate der Öffentlichkeit präsentiert.
Solche Unikate sind über Versicherungen gegen Diebstahl und Einbruch abgedeckt. Diese verlangen allerdings eine „Rund-um-Bewachung“ - eine große Hürde für den kleinen „Edel-Landverein“ mit gerade einmal 19 Mitgliedern.
Pfarrer Michael Holzner übernahm freiwillig die „Nachtwache“. Der Priester ging nach der Abendmesse in die Schule und richtete sein Bett direkt neben der Ausstellung ein. Holzner ließ also nur mit seiner körperlichen Anwesenheit den wertvollen Briefmarken „seinen persönlichen Schutz“ angedeihen. Einziges Hilfsmittel im Fall der Fälle wäre ein Handy gewesen. „Ich hab’ mein Nachtlager neben dem Getränkeautomaten aufgeschlagen“, erinnert sich Holzner. „Das Einschlafen war ein bisschen schwierig, weil das Gerät so viele Geräusche von sich gegeben hat.“ Gestohlen wurde dank des priesterlichen Einsatzes nichts.
Die hingebungsvolle Aktion drang schließlich bis in die Minister-Etage des Bundesfinanzministeriums in Berlin durch. Bundesminister Wolfgang Schäuble entschloss sich, Holzner für den „göttlichen Sondereinsatz“ besonders zu würdigen.
Bei der Vorstellung der jährlichen Weihnachts-Sonderbriefmarken in München mit Parlamentarischen Staatssekretär Hartmut Koschyk waren jede Menge Briefmarkenfreunde aus dem Großraum München, auch aus Grafing, Ebersberg, Vaterstetten und Poing anwesend. Hartmut Koschyk würdigte einige von ihnen mit einer so genannten Minister-Mappe, einer ganz besonderen Ehre in Philatelistenkreisen. In so einer Mappe sind druckfrische Briefmarken mit einer persönlichen Widmung des Bundesfinanzministers enthalten.
Zur Überraschung, auch vieler Poinger Briefmarkenfreunde, wurde Pfarrer Michael Holzner mit einer solchen Mappe für seine Verdienste um die „örtliche“ Philatelie ausgezeichnet. „Das war wirklich überraschend, weil ich die Wache für nichts Außergewöhnliches hielt“, betont der Geistliche bescheiden.
(Quelle: merkur-online.de)