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| Autor | Nachricht |
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Michael D Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 35 Alter/age: 53 Browser:  Anmeldedatum: 19.12.10
 | Thema: Russland über Österreich Mi Dez 22, 2010 9:24 pm | |
| Hallo miteinander, Korrespondenz insbesondere aus Südrussland lief im Transit durch Österreich in Richtung westlich gelegener Zielländer wie z.B. Frankreich.  Der hier gezeigte Brief aus dem Jahre 1864 stammt aus Taganrog am Asowschen Meer und lief nach Nantes. Dabei wurde er im österreichischen Grenzpostamt Nowoselitz übergeben und lief ab da im geschlossenen Transit durch Österreich nach Preußen und von dort weiter über Breslau (preuß. Eingangsstpl. AUS RUSSLAND EIS:POST-BUREAU V.)-Berlin-Saarbrücken (von hier stammt der Verrechnungsstempel P.33. für russische Portobriefe nach Frankreich) ins französische Forbach (Eingangsstempel PRUSSE FORBACH AMB. C vom ambulanten Postbüro im Nachtzug). Das russische und Postvereinsporto betrugen jeweils 3 Sgr., so dass der Empfänger ein Gesamtporto von 11 Décimes zu zahlen hatte. Mich würde nun interessieren, ob hier jemand Informationen über Nowoselitz (lt Stempel in Bessarabien) hat, z.B. wie dieser Ort heute heißt oder ab wann er als Grenzpostamt genutzt wurde. Viele Grüße Michael |
|  | | bayern klassisch Mitglied in Bronze

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 182 Alter/age: 52 Browser:  Anmeldedatum: 23.01.08
 | Thema: Re: Russland über Österreich Mi Dez 22, 2010 9:31 pm | |
| Lieber Michael,
toller Brief - das könnte helfen:
http://www.jewishgen.org/Communities/Trees/g.asp?f=-1048656
Liebe Grüsse von bayern klassisch |
|  | | Michael D Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 35 Alter/age: 53 Browser:  Anmeldedatum: 19.12.10
 | Thema: Re: Russland über Österreich Mi Dez 22, 2010 9:49 pm | |
| Lieber bayern klassisch, danke, damit ist der Name schon mal geklärt: Novoselytsia in der heutigen Ukraine. Dann schiebe ich mal mutig meine nächste Frage nach:  Dieser Brief stammt ebenfalls aus Taganrog, diesmal aus dem Jahr 1862. Wieder wurde er über Nowoselitz spediert. Diesmal ist der Nowoselitz-Stempel in blau abgeschlagen. Im gleichen Blau ist vorderseitig ein Porto-Stempel zu sehen. Laut Literatur gehört dieser Porto-Stempel in das russische Odessa. Ich finde es nur auffällig, das die beiden erwähnten Stempel hier in blau zu sehen sind - typisch für beide Stempel ist die schwarze Farbe. Daher könnte man vermuten, dass für beide Stempel möglicherweise ein Farbkissen benutzt wurde. In diesem Fall würde der Porto-Stempel aus Nowoselitz stammen. Ist ein derartiger Porto-Stempel damals in Österreich bzw. Nowoselitz verwendet worden ? Viele Grüße Michael |
|  | | hans7 Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 24 Alter/age: 68 Anmeldedatum: 14.06.11
 | Thema: Re: Russland über Österreich Di Jun 14, 2011 10:40 pm | |
| Hallo MichaelD der Portostempel wurde in Taganrog verwendet von 1857 - 1866; sehr wahrscheinlich nur auf der Südroute über Österreich. Farbe überwiegend schwarz, oder auch sehr selten in blau! Zu der Farbe ist bis jetzt nichts bekannt, warum diese verwendet wurde. Eventuell hatte der Postbeamte keine andere zur Hand oder es hängt eventuell mit der Beförderungsstrecke zusammen???
gruß hans7 |
|  | | Michael D Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 35 Alter/age: 53 Browser:  Anmeldedatum: 19.12.10
 | Thema: Re: Russland über Österreich Mi Jun 15, 2011 10:17 pm | |
| Hallo hans7, schön, dass sich noch jemand für russische Themen interessiert. Die Angaben zu dem Portostempel - geführt in Tanganrog für die Jahre 1857-66 - habe ich auch so in meinem Dobin-Katalog stehen. Ich habe aber nur die 1. Ausgabe. Mittlerweile habe ich von anderen Russland-Sammlern bestätigt bekommen, dass in der Neuausgabe des Kataloges diese Angaben als Fehler gekennzeichnet wurden. In der Neuauflage wird dieser Stempel von Dobin Odessa zugeordnet. Davon unabhängig finde ich die blaue Farbe des Portostempels auffällig, da der rückseitige russische Stempel (links zwischen den beiden kleineren französischen Stempeln) in schwarz abgeschlagen wurde. Viele Grüße Michael |
|  | | hans7 Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 24 Alter/age: 68 Anmeldedatum: 14.06.11
 | Thema: russland über österreich Mi Jun 15, 2011 10:30 pm | |
| Hi Michaeld,
ich habe die neue Ausgabe von 2009, da steht dieser Porto-Stempel weiterhin unter Taganrog, mit der Jahreszahlangabe und die Bewertung steht mit 2 darin. Es sind nur keine Farbangaben in der Rubrik des Stempels, also schwarz war immer möglich. Blau wurde wahrscheinlich beim Postamt in Bessarabien an der Grenze verwendet, so stellt sich mir diese Verwendung dar? Ich habe auch einen Beleg mit der blauen Farbe, beide Stempel. Odessa hat zwar auch einen Porto-Stempel verwendet, aber nicht mit dieser schräg gestellten Schrift. Hoffe Dir ein bisschen geholfen zu haben.
hans7 |
|  | | Michael D Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 35 Alter/age: 53 Browser:  Anmeldedatum: 19.12.10
 | Thema: Re: Russland über Österreich Do Jun 16, 2011 7:13 pm | |
| Hallo hans7, danke für die Erläuterungen. Wieder was gelernt! Meine Vermutung geht eben auch dahin, dass der Porto-Stempel in blauer Farbe möglicherweise vom Grenzpostamt stammt. Letztendlich kann man hier erst sicher was sagen, wenn man z.B. einen Brief mit diesem (blauen) Stempel sieht, der definitiv nicht über Taganrog gelaufen ist. Würde mich freuen, wenn du deinen Beleg mit dem blauen Stempel hier auch mal zeigen könntest. Und evtl. auch den Porto-Stempel aus Odessa, wenn Du ihn hast ? Viele Grüße Michael |
|  | | hans7 Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 24 Alter/age: 68 Anmeldedatum: 14.06.11
 | Thema: russland über österreich Fr Jun 17, 2011 11:27 pm | |
| ich werde demnächst ein paar scans einstellen, muß ich erst bearbeiten.
hans7 |
|  | | hans7 Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 24 Alter/age: 68 Anmeldedatum: 14.06.11
 | Thema: russland über österreich Sa Jun 18, 2011 6:13 pm | |
|  ich werde hier die beiden Stempel Porto und Franco, einstellen, die in Odessa verwendet worden sind. Briefe folgen später, die muß ich erst noch scannen. Ich baue momentan die Sammlung um, und so werde ich dann nach Bearbeitung die Briefe zeigen. hans7 |
|  | | Michael D Mitglied

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 | Thema: Re: Russland über Österreich Mo Jun 20, 2011 9:14 pm | |
| Hallo hans7,
danke für die Stempelabbildungen. Diesen Porto-Stempel habe ich auf verschiedenen Briefen aus Odessa, bzw. auf Briefen aus Berdiansk, die vermutlich über Odessa geleitet wurden. Der Franko-Stempel ist mir noch nicht untergekommen.
Viele Grüße Michael |
|  | | hans7 Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 24 Alter/age: 68 Anmeldedatum: 14.06.11
 | Thema: Re: Russland über Österreich Di Jun 21, 2011 5:36 pm | |
| Hallo Michael, hier ist mein Brief von 1860 aus Berdiansk, mit dem blauen Porto und Bessarabien stempel. die Besonderheit ist der P41 Stempel, da der Brief über Frankreich nach Italien befördert wurde. Kannst Du mir die Portoberechnungen aufschlüsseln? Ich nehme an daß der Brief 2 Lot schwer war (oben links "2") und bis zur Grenze 10 Kop., hinten angeschrieben bezahlen mußte. Weiter würde ich gerne die Forumsspezialisten bitten, mit zu helfen! hans7  |
|  | | Michael D Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 35 Alter/age: 53 Browser:  Anmeldedatum: 19.12.10
 | Thema: Re: Russland über Österreich Di Jun 21, 2011 8:54 pm | |
| Hallo hans7,
ein toller Brief, meinen Glückwunsch zu diesem interessanten Stück.
Dann versuche ich ihn mal aufzuschlüsseln: Grundlage für die Weiterleitung war der russisch-preußische Postvertrag vom 13.4.1852. Der Brief wurde als einfach schwerer Portobrief aufgegeben und Preußen wurde hierfür 3 Sgr. Porto angeschrieben. In russland wurden diese Notierungen immer rückseitig vorgenommen und bei Briefen nach/über Preußen erfolgte zu dieser Zeit die Notierung in aller Regel in Silbergroschen. Die rückseitig stehende (und später doppelt durchgestrichene) 3 ordne ich so zu. Die rückseitige 10 in typisch russischer Tinte könnte den russischen Anteil in Kopeken beschreiben.
Der Brief lief dann über Novoselitz (blauer K2 rs.), Bessarabien, und im geschlossenen Transit durch Österreich nach Preußen. Auf der Eisenbahnstrecke Myslowitz-Breslau (rs. Ra3-Kursstempel) erhielt er den Eingangsstempel AUS RUSSLAND. Hinzu kamen jetzt noch von Preußen angeschriebene 3 Sgr. Vereinsporto. In Saarbrücken (preußisches Grenzpostamt nach Frankreich) erhielt der Brief den P.41.-Stempel. Dieser Stempel galt in den Jahren 1858-61 für Portobriefe aus Russland/Polen, die im Transit durch Preußen und Frankreich in Drittländer liefen. Grundlage war hier der französisch-preußische Postvertrag von 1858. Beim Eingang in Forbach kam dann der vs. etwas schwach abgeschlagene K2 PRUSSE FORBACH hinzu. Hier in Frankreich wurde der Brief dann auch als doppelt schwer taxiert. Hierhin gehört auch der rs. Kursstempel STRASBOURG-PARIS. In Italien kam dann der Ankunftsstempel ARRIVO GENOVA hinzu. Als Porto fielen 28 Dec. = 2 Lira und 80 Centimes an. Die doppelt durchgekreuzten 20 kann ich nicht zuordnen. Ich kenne sie von Briefen, die durch Bayern/Baden/Schweiz nach Italien liefen und beziffern dafür die aufsummierte Forderung von 20 Kreuzern. Die Rückseite zeigt ganz oben noch das Fragment eines weiteren K2-Stempels. Bei Kenntnis dieses Stempels könnte man den Leitweg noch genauer beschreiben.
Der Porto- und der Durchgangsstempel von Novoselitz zeigen auch hier wieder die gleiche Stempelfarbe !
Viele Grüße Michael |
|  | | hans7 Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 24 Alter/age: 68 Anmeldedatum: 14.06.11
 | Thema: Re: Russland über Österreich Mi Jun 22, 2011 4:03 pm | |
| Lieber Michael,
vielen Dank für die schnelle Auflösung und gute Beschreibung des Briefes. Der fehlende Stempel ist Paris vom 7. Nov. (K2), und der Brief ist von Taganrog und nicht wie ich irrtümlich geschrieben habe Berdiansk. Die beiden Postverträge, die Du erwähnt hast, könnte man da mal Erläuterungen haben - was beinhalten die?
Danke im Voraus
Gruß Hans |
|  | | Michael D Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 35 Alter/age: 53 Browser:  Anmeldedatum: 19.12.10
 | Thema: Re: Russland über Österreich Fr Jun 24, 2011 10:53 am | |
| Hallo Hans,
ich kann gerne versuchen, die wesentlichen Punkte der PVs in diesem Zusammenhang zu schildern.
Vorneweg: die Texte sowohl des russisch-preußischen Postvertrags von 1852, als auch des französisch-preußischen PVs von 1858 (dieser allerdings nur in französisch) sind wie tausende anderer Dokumente auf der folgenden Internetseite des Deutschen Altbriefsammlervereins DASV Homepage zu finden.
Zu dem russisch-preußischen PV von 1852 Der alte Vertrag von 1843 war aus mehreren Gründen nicht mehr aktuell: - die preußische Portotaxe war 1848 geändert worden, die neue Struktur bildete der PV nicht ab - die polnische Postverwaltung war 1851 in die russische integriert worden, auch dies war nicht enthalten (z.B. Grenzpostämter, Kartenschlüsse, angepasste Tarife) - der 1850 gegründete Deutsch-Österreichische Postverein (DÖPV) krempelte die postalische Struktur der deutschen Länder vollständig um. War vorher ein brief aus Petersburg nach Frankfurt a.M. oder München ein durch Preußen laufender Transitbrief mit zu berücksichtigendem Fremdporto (in diesen Beispielen für Taxis bzw. Bayern), so war es jetzt ein sogenannter Vereinsbrief, für den ein einheitlicher Portosatz galt.
In dem neuen PV war die Tarifstruktur entsprechend übernommen worden. Das russische Porto betrug 1 Sgr. für die Grenzpostanstalten und 3 Sgr. für das übrige Kaiserreich incl. Polen. Das preußische Territorium war in 3 Zonen unterteilt, die 1, 2 oder 3 Sgr. preußisches Porto kosteten. Briefe aus oder in Postvereinsländer (= Mitglieder des DÖPV) kosteten einheitlich 3 Sgr. Vereinsporto (mit sehr wenigen Ausnahmen im Bereich Österreichs), ohne dass ein separates preußisches Porto anfiel. Porto- und Frankobriefe waren tarifmäßig gleichgestellt. Die Gewichtsprogression hatte das preußische Loth als Basis.
Das sind die wesentlichen Grundlagen des PVs. In den Paragraphen wurden natürlich auch alle anderen Aspekte der Brief- und Fahrpost zwischen Russland und Preußen geregelt. Aber was interessiert dich denn da besonders?
Zu dem franz.-preuß. Postvertrag komme ich dann im nächsten Beitrag.
Viele Grüße Michael |
|  | | hans7 Mitglied

Geschlecht/sex:  Beiträge / Posts: 24 Alter/age: 68 Anmeldedatum: 14.06.11
 | Thema: Re: Russland über Österreich Fr Jun 24, 2011 8:09 pm | |
| Hi Michael.
vielen Dank erst mal für Deine Mühen, um meine Fragen zu beantworten. Ich dachte nur, da Du in der Beschreibung immer auf den jeweiligen Postvertrag verwiesen hast, das es eventuell noch andere Hinweise dazu gab. Aber es ist trotzdem interessant, die Hinweise der Bezahlung auf die verschiedenen Länder. Warum wurden die Briefe nach italien über Frankreich befördert, gab es da einen Krieg oder sonstige Hemmnisse die die Beförderung durch Österreich oder die Schweiz verhinderten. Oder war die "Briefspionage" oder "Schwarzen kabinette" ausschlaggebend für diesen Umweg? Gruß Hans |
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