Ennepetal. „Wir haben Seltenes vorrätig, aber Eisbär Knut mit Trauerrand haben wir nicht im Angebot“, lacht Michael Vogt. Bei den Philatelisten geht es nie „dröge“ zu, doch immerhin so trocken, dass keine Marke an der anderen klebt.
„Briefmarken-Sammler sind nicht verstaubt, sondern up to date“, so Helmut Klamra aus Wuppertal, der in Barmen einen Briefmarken-Fachhandel betreibt und Besuchern Marken mit Maiglöckchen-, Erdbeer- und Rosenduft unter die Nase hält. „In den Fünfzigern schmeckte die Gummierung nach Pfefferminz“, weiß Michael Vogt, Geschäftsführer und Pressewart der Briefmarkenfreunde Ennepetal-Breckerfeld.
Kataloge, Listen, Alben, Lupen und Pinzetten türmten sich im Tagungsraum 1 des Hauses Ennepetal auf. Die Briefmarkenfreunde ließen sich zum Großtauschtag Interessantes entlocken. So, dass es aktuell Briefmarken mit Motiv „Fußball für die Damen“ gibt. Auch das: Etwa jede 100. Briefmarke hat einen Plattenfehler, der bei Abnutzungserscheinung der Druckplatte auftauchen kann, sagte Michael Vogt. Manche Sammler suchen regelrecht nach Fehlern. „Das sind Erbsenzähler. Viele Fehler kann man auf den Bögen (Platten) nämlich nur unter der Lupe erkennen“. Außerdem, stellte Vogt richtig: Die „Ecken“ nicht Zacken, sondern Zähnungen, die durch Perforierungen entstehen.
Die Sammler saßen bei dem Traumwetter am Sonntag so besonnen vor ihren Schätzen, dass man meinen konnte, die aalen sich an einem Baggersee.
Der 14. Großtauschtag war mit 60 Sammlern gut besucht, die aus Ennepetal, Schwelm und Gevelsberg, aber auch aus der weiteren Umgebung wie Düsseldorf, Solingen oder Iserlohn gekommen waren.
Der Ennepetaler Verein stellt jeweils mit der Schwelmer und den Briefmarkenfreunden Gevelsberg die Treffen auf die Beine.
Manche Philatelisten kamen, um zu tauschen, andere wollten kaufen. Einer hatte bei Sammlerin Annette Riekenbrauk aus Schwelm Glück, die einen Briefumschlag mit einem kompletten Satz Greifvögel abgab. Annette Riekenbrauk sammelt seit frühester Jugend, sie hat es sich von der Mutter abgeguckt. Erst kürzlich sei sie wild auf heimische Greifvögel wie Sperber und Mäusebussard geworden. „Ich kann von meiner Wohnung am Winterberg aus oft Greifvögel beobachten.“ Nun hat sie diese auch im Album.
Vorsitzender Bernd Stübing und dessen Stellvertreter, Peter Lotz, beugten sich interessiert über die „gezähnte Ware“, auch der Erste Bürgermeisterstellvertreter Johannes Kraft ließ sich von der Leidenschaft der Sammler anstecken.
Es wurden Sammlungen mit 7-Pfennig-Marken des Briefes „Honighaus Bienenfleiß“ präsentiert, nach „Danzig und Memel“ gesucht, es wurden DDR-Dienstmarken für 20 Pfennig vorgewiesen.
Begehrt seien immer die Rollen-Endstreifen, die nur Leerfelder zeigen und deshalb so teuer sind, obwohl nichts darauf zu sehen ist. Viererblöcke, Randstücke, Schalterbögen: Man sollte mal wieder einen handgeschriebenen Brief versenden.
Gesprächsthema ist immer das kleine Zählgerät, woran man die Anzahl der Zähnungen einer 55-Cent-Marke ablesen kann.
„Der Großtauschtag ist zu einer guten Tradition geworden“, betonte Michael Vogt, der sich über zahlreiche Interessierte freute. Am kommenden Sonntag fahren die Briefmarkenfreunde Ennepetal-Breckerfeld zum Landesverbandstag nach Münster-Hiltrup. Dort wird Vorsitzender Bernd Stübing für 50-jährige Treue zum Verein vom Landesverband ausgezeichnet.
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