Die Kunst wird zur Marke
oc Lüneburg. Die Miniatur hat in der Kunst eine lange Geschichte. Als Kunst, Ritus und Okkultes noch eins waren, gab es kleine Skulpturen zum Anbeten. Später waren Miniporträts der Liebsten gefragt, sie ließen sich in Medaillons am Herzen tragen. Dann gab es den Ehrgeiz, so klein und realistisch wie möglich zu malen, was eher ein Gag war bzw. ist. Die jüngste Möglichkeit zu einem originellen Mini-Format kommt aus Österreich, und dort hat die Lüneburger Malerin Anja Struck sie auch entdeckt, bei einem Kollegen: die Kunst als Marke - als Briefmarke. Das kommt verblüffend gut an. Mittlerweile zeigen vier Motive der Lüneburgerin Zähne.
"Ich sehe das einfach als eine Art Werbung", sagt Anja Struck. Sie nutzt dafür ein Angebot der Post, das ursprünglich nur für Firmen gedacht war und gerade zunehmend geöffnet wird. Demnach kann jeder seine persönlichen Briefmarken gestalten, sie sind etwas teurer als die offiziellen Wertzeichen, aber dürfen ganz normal Karte, Brief und Paket zieren. Anja Struck ließ sich im Sommer 2010 ein Motiv auf Bögen mit insgesamt 1000 Briefmarken drucken. "Die hatte ich in einem halben Jahr verkauft."
Seit die Malerin ihr Atelier in einer alten Brennerei zu Füßen der Michaeliskirche eingerichtet hat und es auch am Wochenende öffnet, sind es vor allem Touristen, die Gefallen an der Markenkunst finden. Anja Struck verdient in der Regel nichts daran, sie gibt die Marken kostendeckend weiter. "Ich sollte sie auch schon signieren", sagt sie, und einmal hat sie doch ein wenig an ihrer Kleinkunst verdient. Ein Briefmarkensammler kaufte ihr für drei Euro pro Marke den Rest einer Erstauflage ab. "Er ging davon aus, dass die Marken teurer werden, weil sie ja selten sind." Das Motiv hat Anja Struck nachdrucken lassen, man könne aber an den Farben den Erst- vom Nachdruck unterscheiden.
Kunst auf Briefmarken hat viele Kapitel geschrieben. Es gab in der Tschechoslowakei Briefmarkenstecher und -grafiker, die Marken in aufwendigen Verfahren erstellten. Mit einfacheren Druckverfahren ist außerdem nahezu die gesamte Kunstgeschichte auf Briefmarken verewigt worden, allein Motive von Vincent van Gogh sollen weltweit mehr als 380 verschiedene Marken zieren. Aufträge an Künstler erweitern das Genre, 2008 hat James Rizzi Briefmarken für den deutschen Markt gestaltet.
Jetzt öffnet die Post den Markt der Motive ins Unbegrenzte. Anja Struck, die Grafik und Design ebenso studiert hat wie Kunst und Pädagogik, hat diese Möglichkeit früh genutzt. Noch besitzt sie mit ihrer Kunst als Marke so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal.
Was ihr viel wichtiger ist: Einen Studiengang bei Markus Lüpertz hat die Lüneburger Künstlerin im vergangenen Jahr abgeschlossen. Das hat ihr schließlich Kontakte eröffnet, die ihre Bilder auf lange Reisen schicken. Anja Struck, deren oft sehr persönlich zu lesende Malerei vom Gegenständlichen und vom Menschen ausgeht, malt in der Regel in Serien. Zurzeit dreht sich viel um Peking. Sie hatte in China ausgestellt, eine zweite Ausstellung wird vorbereitet. Natürlich, sagt sie, gebe es in China Zensur und Unterdrückung. Aber die Diskussionen, die sie in China mit Künstlern gehabt habe, seien ausgesprochen offen gewesen. Weitere Ausstellungen in diesem Jahr sind in Isny und im polnischen Kattowitz gebucht. In Lüneburg öffnet sie ihr Atelier sonnabends von 11 bis 16 Uhr - und wenn ein Aufsteller an der Straße einlädt.
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