Seit 75 Jahren wird der Tag der Briefmarke begangen. Das Museum für Kommunikation in Frankfurt begibt sich auf Spurensuche. Bis 29. Mai.
Ganz nah am Vatikan: Drucker Axel Hoffmann untersucht Sondermarken.
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Eine schöne Kulturtechnik geben die Menschen auf, indem sie immer weniger Briefe schreiben. Es entsteht dadurch auch ein grafischer, ein Bildverlust. Das zeigt die Sonderausstellung „75 Jahre Tag der Briefmarke in Deutschland“ im Kabinett des Frankfurter Museums für Kommunikation. Briefe sind ja nicht nur Träger von Unterrichtungen, Aufforderungen und Beteuerungen, sondern auch von Briefmarken. Sammler kämpfen für ihre Wertschätzung.
Hans von Rudolphi, Major im Ersten Weltkrieg, brachte beim 40. Deutschen Philatelistentag in Danzig im Jahr 1934 die Idee zu einem „Tag der Briefmarke“ ein. An diesem Tag, schlug der Philatelist vor, solle man sich der Bedeutung der kleinen Klebemarken als Kulturgut erinnern. Von 1936 an galt der 7. Januar oder der darauffolgende Sonntag als Ehrentag der Briefmarke. Die Österreicher feierten schon fünf Wochen eher. Am 7. Januar 1831 war Heinrich von Stephan, Begründer des Weltpostvereins und Staatssekretär des Reichspostamts, geboren worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob man den Gedenktag auf den letzten Oktobersonntag.
Sondermarken zum „Tag der Briefmarke“, „Jour du Timbre“, „Día del Sello“ oder „Frimärkets Dag“ aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Schweden hängen bis übernächsten Sonntag im Museum für Kommunikation. Vor allem deutsche.
Sechs plus 24 Pfennige
1941 gab die Reichspost die erste Briefmarke zum „Tag der Briefmarke“ heraus. Sie zeigt auf grünem Grund einen Postillon, der in sein Horn bläst. Der Wert: Sechs plus 24 Pfennige. Der Aufschlag kam dem Winterhilfswerk („Im Kampf um die Freiheit!“) des im Krieg gegen Europa stehenden Deutschen Reichs zugute. Die Nachkriegszeit brachte Sondermarken aus der Sowjetischen Besatzungszone, dem Saarprotektorat, der Bundesrepublik, der DDR hervor.
Philatelisten kümmern sich nicht nur um die Bilder in Miniatur oder fehlende Zähne, sondern interessieren sich für Geschichte, die auf den Marken ihre Spuren hinterließ. So sieht es Reiner Wyszomirski, der Vorsitzende der Forschungsgemeinschaft Geschichte der Deutschen Philatelie, deren Mitglieder die aktuelle Ausstellung bestücken. „Philatelie ist ein ruhiges, intelligentes Hobby“, sagt Wyszomirski, der nicht verhehlt, dass sich die Jugend häufig für Lebhafteres interessiert. Er berichtet, dass viele Menschen erst im Alter mit der Philatelie begännen.
Mit oder ohne Queen
Bevor die Marke zum Sammel- und Forschungsobjekt wurde, war sie eine Sache für Pioniere. Um ihre Erfindung gab es einen Wettlauf. Als Vater der Briefmarke gilt Sir Rowland Hill, der 1840 im Dienst der britischen Post die lose, klebbare Marke mit dem Antlitz von Queen Victoria auf schwarzem Grund (1 Penny) und blauem Grund (2 Pence) einführte. Allerdings reklamierte der Drucker und Verleger James Chalmers die Erfindung für sich: Er erfand bereits 1836 die lose, klebbare Marke, nur eben ohne königliches Antlitz.
1881 bestimmte ein internationaler Schiedsbeschluss Chalmers zum Erfinder und Hill zum Begründer ihrer praktischen Verwendung. Doch was ist mit den Marken des schwedischen Offiziers Treffenberg aus dem Jahr 1823? Zählen die Stempel auf den sardischen Stadtkuverts von 1818 als Marken oder sind es nur Vorläufer? Oder waren die Pariser die Ersten, als sie im Jahr 1653 in ihrer Stadtpost billets de port payé auf die Briefe klebten? Viel Stoff für tiefgründige philatelistische Diskussionen.
75 Jahre „Tag der Briefmarke“, Museum für Kommunikation, Frankfurt, Schaumainkai 53, bis 29.5.Quelle