Briefmarken, Sonderstempel & Co.
Lingenerin sammelt seit 53 Jahren zum Thema „SOS-Kinderdörfer“
Lingen. „Junger Mann von der Zeitung – packen Sie mal mit an“, fordert Clara Begger resolut. Ein Tisch muss verrückt werden, um Platz für eine ungewöhnliche Sammlung von Briefmarken, Ersttagsbriefen und Sonderstempen zu schaffen.
Das Anpacken lohnt sich. Begger präsentiert eine Themensammlung rund um die SOS-Kinderdörfer. „Ich habe zeit meines Lebens etwas gesammelt“, erklärt Begger ihre Leidenschaft. Und zeit ihres Lebens bedeutet bei ihr schon sehr, sehr lange. In diesen Tagen feiert Begger ihren 98. Geburtstag.
Die jetzt von Begger präsentierte Sammlung hat sie 1958 begonnen. „Der Sonderstempel auf der Ein-Pfennig-Marke zur Einweihung des SOS-Kinderdorfes in Diessen am Ammersee ist nach meinen Unterlagen auch der erste zu diesem Thema“, sagt Paul Graupner beim Aufschlagen des ersten Albums. Graupner ist Vorsitzender des Vereins Lingener Briefmarkensammler e.V. Er hat Begger, die seit 1988 Mitglied des Vereins ist, bei der Katalogisierung der Sammlung unterstützt. Eine umfangreiche Arbeit, für die Begger ihm sehr dankbar ist.
„Auch wenn es mir sonst gut geht – ich habe große Schwierigkeiten mit dem Sehen“, erklärt Begger, warum sie bei der Ordnung der Sammlung auf Hilfe angewiesen war. Ihre Sehschwäche ist nur ein Grund, warum Begger sich jetzt von der Sammlung trennen möchte. „Ich möchte sie den SOS-Kinderdörfern zur Verfügung stellen, aber auch wissen, was dann mit der Sammlung passiert“, sagt sie. Persönlich wolle sie keinen Vorteil aus der Sammlung ziehen, betont die bescheidene ältere Dame.
„Diese Sammlung ist ein Lebenswerk“, äußert Franz Rosen, Initiator der Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer, bewundernd, während er fasziniert durch die Alben blättert. Und dort gibt es einiges zu entdecken: Viele Prominente haben auf Ersttagsbriefen ihre Unterstützung für die SOS-Kinderdörfer bekundet: Künstler wie Uschi Glas, Peter Alexander, Heinz Rühmann und Rainhard Fendrich, die Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela und Desmond Tutu, aber auch Sportler wie Max Schmeling oder Philipp Lahm. Die Reihe ließe sich noch sehr lange fortsetzen.
Bei zahlreichen der mit einem Sonderstempel versehenen Marken handelt es sich um normale Postwertzeichen aus Österreich. „Der Gründer der SOS-Kinderdörfer, Dr. Hermann Gmeiner, war Österreicher“, erklärt Begger. Andere Nationen haben zur Einweihung eines neuen SOS-Kinderdorfes in ihrem Land gleich eine Sonderbriefmarke herausgegeben. Die erste dieser Marken in der Sammlung stammt aus Ägypten. „Meine erste Patenschaft habe ich für ein ägyptisches Mädchen übernommen“, erinnert sich Begger. Beim Weiterblättern in Beggers Alben finden sich Marken aus Asien, Afrika und Südamerika. Anfang der 90er-Jahre sind dann solche aus den Staaten des zusammengebrochenen Ostblocks zur Sammlung hinzugekommen. „Wir suchen nun jemanden, der sich für diese Sammlung interessiert“, erklären Rosen und Graupner.
Das könnte allerdings schwierig werden. „Nur wenige Sammler interessieren sich für ein so spezielles Thema“, gibt der Vorsitzende der Lingener Briefmarkensammler zu bedenken. Aber – versuchen wollen sie es trotzdem. „Es gibt keine Liste, in der man den Wert einer solchen Sammlung feststellen könnte“, sagt Graupner. Fest stehe, dass Begger in die seit 53 Jahren fortgeführte Sammlung mehrere Tausend Euro investiert habe. „Es kommen noch ständig Marken – das Abo ist noch nicht gekündigt“, erklärt Begger und bittet bescheiden darum „keine ganze Seite über die Sammlung zu schreiben“.
Interessenten an der Sammlung erhalten weitere Auskünfte bei Paul Graupner, Telefon 0591/72387, E-Mail: paul.graupner@t-online.de.
Quelle: Lingener Tagespost vom 30.07.2011
http://www.noz.de/lokales/56051574/lingenerin-sammelt-seit-53-jahren-zum-thema-sos-kinderdoerfer