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 Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg

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balf_de
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BeitragThema: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Mo Sep 26, 2011 8:13 pm

Hallo zusammen!

Sicher ist es einmal wieder an der Zeit, die hier „ansässigen“ Freunde altdeutscher Postgeschichte, die sich nicht sonderlich ins Rampenlicht des Forums drängen, wieder einmal aufzumuntern.
Zeigen möchte ich unter dem Motto „Schöne Frankaturen“ optisch attraktive Belege aus meiner Heidelberger Heimatsammlung, die – so hoffe ich – nicht nur den Altdeutschland-Sammlern unter euch gefallen. Werben möchte ich an dieser Stelle für ein Sammelgebiet, das keinesfalls im Verdacht stehen kann, irgendwie philatelistisch beeinflusst zu sein: auch wenn man es manchmal fast vermuten könnte, waren es ganz sicher keine Briefmarkensammler, die in den 1860er Jahren Sammlerpost kreierten, vielmehr handelte es sich ganz bestimmt immer um Bedarfspost.

Beginnen möchte ich mit einer „Albumseite“ mit zwei Briefen aus Heidelberg in die Schweiz.
Beide Briefe gehen in den zweiten Schweizer Rayon; das der Schweizer Post für die Beförderung zustehende Porto betrug 6 Kreuzer pro Loth. Die Entfernung von Heidelberg bis zum Grenzübergang in Basel beträgt mehr als 20 deutsche Meilen; für diesen Transportweg waren 9 Kreuzer Postvereinstaxe pro Loth zu frankieren.

Der erste Brief vom 9. April 1866 nach Genf ist demnach mit 15 Kreuzern portogerecht frankiert.

Der zweite Brief, der am 4. November 1865 nach Engelberg lief, wog mehr als 1 Loth: der badische Anteil betrug 2 x 9 = 18 Kreuzer, der Schweizer Teil 2 x 6 = 12 Kr. Das macht zusammen einen halben Gulden!


Wer wie ich ein Faible für schöne Markenbriefe und besonders für Briefumschläge mit Zusatzfrankaturen hat, der versteht, dass mir diese Albumseite nicht nur aus postgeschichtlicher Sicht gefällt. Der Umschlag U9A mit Nr. 18 und 20ba ist vermutlich ein Unikat, von U11 mit 18 und zweimal 20ba kennt der Baden-Prüfer Franz Stegmüller noch einen weiteren Beleg.

Viele Grüße
balf_de
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mister.chris
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Di Sep 27, 2011 11:59 am

Ja, es sind wirklich 2 sehr schöne Belege... Da kann mann die nur zustimmen!
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Briefmarkentor
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Di Sep 27, 2011 12:15 pm

Hallo balf_de,

magst du uns auch die Rückseite der Belege zeigen?

Viele Grüße

Marko
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balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Di Sep 27, 2011 1:52 pm

Hallo zusammen!

Schön, dass ihr über den Zaun geschaut habt und dass euch meine alten Briefe gefallen!

Briefmarkentor schrieb:
magst du uns auch die Rückseite der Belege zeigen?

Klar, Marko, mit großem Vergnügen:



Du siehst, wie abwechslungsreich die Siegelseiten abgestempelt wurden - unterschiedliche badische Bahnpoststempel, andere Durchgangsstempel von Basel - gemeinsam ist eines: sie waren schon am nächsten Tag am Ziel. Dem schweren Inhalt des Briefs nach Engelberg ist es sicher zu verdanken, dass der Umschlag beim Öffnen ziemlich lädiert wurde. Aber der Empfänger war damals eben noch kein Briefmarkensammler ...

Viele Grüße
balf_de
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Briefmarkentor
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Di Sep 27, 2011 3:12 pm

Hallo balf_de,

die Rückseiten der Briefe wissen ja ein Menge zu erzählen. Sehr schön!

Gruß

Marko
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balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Di Sep 27, 2011 7:54 pm

Lieber Mister.Chris!

mister.chris schrieb:
Ja, es sind wirklich 2 sehr schöne Belege...

Dass Du mir zustimmst, das habe ich mir schon gedacht ja
Schon an Deinem Avatar kann man ablesen, dass Du Dich auch für alte Briefe interessierst – auch wenn sie auf den ersten Blick nicht so attraktiv und bunt sind wie z.B. Deine „Lieblingsmarke“. Aus dem Jahr 1847, aus dem der Bordeauxbrief stammt, kann ich Dir leider keinen badischen Brief zeigen – zumindest keinen mit Briefmarken frankierten -, denn die ersten badischen Marken kamen erst im Mai 1851 an die Postschalter.
Einen kleinen Unterschied gibt es außerdem: sie sind etwas leichter erreichbar …. lachen



Ein halbes Jahr nach Beginn der badischen Markenzeit, im Oktober 1851 wurde der Brief geschrieben, der meiner Meinung nach zu den „schönen Briefen aus Heidelberg“ passt. Postgeschichtlich ist er sicher kein Highlight – die Portostufe von 3 Kreuzern galt für Briefe, die im Fernverkehr bis zu 10 deutsche Meilen Entfernung verschickt wurden. Eine deutsche Meile betrug 1/15 Äquatorgrad = 7420 Meter. Im Radius von knapp 75 km waren im kleinen Land Baden die meisten Orte erreichbar; daher war die 3-Kreuzer-Frankatur die häufigste. Das gilt auch für den Brief in die Heidelberger Nachbargemeinde Walldorf.
Ungewöhnlich und das Besondere an meinem Brief ist, dass nicht die „normale“ gelbe 3-Kreuzer-Marke (Michelnr. 2a) verwendet wurde sondern ein 3-er-Streifen der 1-KreuzerMarke (Michelnr 1a), die eigentlich für den Ortsverkehr und Drucksachen vorgesehen war. Dreierstreifen der ersten badischen Briefmarke sind nicht häufig; neben einem 6er-Streifen sind es die größten bekannten Einheiten.
Viele Grüße
balf_de
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balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Mi Sep 28, 2011 10:41 pm

Hallo zusammen !

Eines meiner schönsten „Albumblätter“ möchte ich euch nicht vorenthalten: einer der beiden Briefe (der mit der 18-Kreuzer-Marke) hat schon seit mehreren Jahren einen Ehrenplatz in meiner Heidelberg-Sammlung. Als ich dann viel später den zweiten Brief im Katalog eines kleinen Auktionshauses sah, da wusste ich sofort, was zu tun war: ein weiterer Brief aus der gleichen Korrespondenz, nur zwei Monate nach dem ersten geschrieben, aber anders frankiert – die beiden mussten wiedervereinigt werden!

Streng postgeschichtlich betrachtet, kann man ja beinahe von einer Dublette sprechen – gleiche Destination, gleicher Leitweg, gleiche Portostufe. Aber gerade dann, wenn man beide Briefe zusammen sieht, kann man fast nicht glauben, dass es damals noch keine Philatelisten gab!

Im Jahr 1867 gab es zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten, von Baden aus Post in die Vereinigten Staaten von Nordamerika zu versenden:
Der eine Weg führte über Preußen nach Liverpool oder Southampton, von wo jeden Mittwoch und Samstag ein Dampfschiff nach New York bzw. Boston abging. Diese schnelle Verbindung war teuer zu bezahlen: neben dem Postvereinsporto von 6 Kreuzer waren vor 1864 39 Kreuzer für einen 1 Loth schweren Brief zu frankieren; mit dem Tarif von 1864 waren es immerhin noch 35 Kreuzer. Dieser Leitweg war die Regel, wenn nichts anderes ausdrücklich vermerkt war. Es gab eine billigere Alternative: nur 16 Kreuzer zuzüglich zum Vereinsporto für die Beförderung über den Atlantik und in den USA fielen an, wenn der Absender ausdrücklich vermerkte „über Bremen oder Hamburg“. Dann erfolgte die Beförderung mit den alle 14 Tage von Bremerhaven abgehenden Schiffen des Norddeutschen Lloyd. Auf diesem Weg war die Post im Durchschnitt natürlich deutlich länger unterwegs – meine beiden Briefe nach Lansing, Michigan nahmen diesen Weg.


Es bleibt die Beschreibung der Frankaturen: beim Juli-Brief wurden MiNr. 17a, 18 und 21a geklebt, der September-Brief zeigt Nr. 17a, 18 und ein Paar der Nr. 20a.


Nicht vergessen: die Siegelseiten mit den unterschiedlichen Bremer Durchgangsstempeln.

Viele Grüße
balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Sa Okt 01, 2011 6:08 pm

Hallo zusammen!

Nicht nur bei "großen" Auslandsfrankaturen gibt es attraktive altbadische Briefe. Auch mit den kleinen Werten - den 1- und 3-Kreuzer Marken - kann man schöne Frankaturen finden.

Mein Brief ging am 21. August 1870 aus Heidelberg ins benachbarte hessische Neckarsteinach.

Der Deutsch-Österreichische Postverein existierte seit dem 1. Januar 1868 nicht mehr. Baden hatte an der Seite Österreichs den 1866er Krieg verloren; Preußen diktierte die Bedingungen für die Postbeförderung in ganz Deutschland.

Dies wirkte sich auch auf die Umrechnung der norddeutschen (preußischen!) Währung - des Silbergroschens - zur süddeutschen Kreuzer-Währung aus: nicht wie bisher üblich wurden 3 Kreuzer in 1 Silbergroschen umgerechnet (= reduziert), sondern 3 1/4 Kreuzer waren für einen Groschen zu bezahlen. Das war auch für das Briefporto von Bedeutung: während beim 3-Kreuzer-Porto durch Abrundung alles beim alten blieb, mussten statt 6 Kr. für einen doppelt schweren Brief jetzt 7 Kr. frankiert werden - es wurde aufgerundet.

Gleiches galt auch für die Einschreibegbühr: bis Ende 1867 kostete es 6 Kr., jetzt waren 7 Kr. fällig. Neu war außerdem, dass diese Gebühr jetzt ebenfalls mit Briefmarken zu frankieren war.

Mein Brief an den "Gemeinderechner Groh in Neckarsteinach" wog mehr als 1 Loth. Die links oben notierte blaue "2" sagt das aus. Entsprechend waren 7 Kr. Porto und weitere 7 Kr. Einschreibegbühr zu frankieren. Dies erfolgte mit 2 mal MiNr 23 und 4 mal Nr 24.

Viele Grüße
balf_de


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balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Mo Okt 03, 2011 8:54 pm

Hallo zusammen!

Noch gebe ich nicht auf. Es folgt der nächste „Frontalangriff“, um euch von der großen Attraktivität alter Briefe aus der Anfangszeit der Philatelie zu überzeugen.

Mit meinen „bunten“ habe ich bisher noch nicht viel Erfolg gehabt, was ich der recht überschaubaren Betrachter-Anzahl sowie dem eher verhaltenen Feedback entnehme. Dann versuche ich es heute mit einer schönen Mehrfachfrankatur:

Am 4. April 1863 ging ein Brief aus Heidelberg nach Northampton in England. Der damals günstigste Leitweg führte über Frankreich zum Hafen Calais. Das Porto für die nach bzw. über Frankreich geleitete Post war kompliziert: Frankreich hatte andere Gewichtsgrenzen für die Briefbeförderung als die Staaten des Deutsch-Österreichischen Postvereins (DÖPV): nicht 1 Loth durfte ein einfacher Brief wiegen sondern nur 9/20, also knapp ein halbes Loth.
Mein Brief wog mehr als ein halbes, aber weniger als ein Loth. Daher war er bis zur Grenze in Straßburg ein einfacher, in Frankreich aber ein doppelt schwerer Brief. Nach dem gültigen Tarif von 1857 waren 3 Kr. Postvereinstaxe plus 24 Kr. ausgewiesenes Weiterfranko (in Rot, über „England“ notiert) zu frankieren.

Mit dem waagerechten Dreierstreifen der MiNr. 15a ist er portorichtig frankiert.

Ganz sicher handelt es sich bei diesem Brief in erster Linie um eine postgeschichtliche Rarität, aber nach meinem Empfinden ist er auch einfach nur schön …


Viele Grüße
balf_de

PS: der Brief hat wie die meisten „wichtigen“ Altdeutschland-Marken und Belege einen Stammbaum: man kennt ihn seit der Romanow-Auktion 1975 bei Kruschel. Im Attest steht demnach „ex Romanow“.

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balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Mi Okt 26, 2011 6:02 pm

Hallo zusammen!

Schon wieder ist ein Monat vorbei, ohne dass sich in diesem Thread etwas „gerührt hat“ … nein

Wenigstens ich schaue mir ab und zu meine Beiträge hier an – so auch mein „Albumblatt“ mit den zwei USA-Briefen nach Lansing, Michigan.
Als kürzlich dieses Angebot bei eBay eingestellt war -> http://www.ebay.de/itm/260865668076?ssPageName=STRK:MEWAX:IT&_trksid=p3984.m1423.l2649
habe ich sofort in meinem Album nachgesehen, ob noch alles da war …


Ein paar Tage lang habe ich mir sogar überlegt, ob ich mich an dem lebhaften Bieterkamf beteiligen soll – ein dritter Brief aus dieser Korrespondenz wäre schon reizvoll gewesen. Aber als dann das Höchstgebot immer mehr nach oben schoss, habe ich mich doch mit meinen zweien getröstet; ein dritter hätte auch nicht auf das gleiche Blatt gepasst. Zwinkern

Gerne hätte ich zu dieser Frage eine andere Meinung gehört: würdet ihr ein zweites oder drittes Dokument, das sowohl posthistorisch als auch philatelistisch mit einem bereits in der Sammlung vorhandenen praktisch identisch ist, als Dublette ansehen, die man im Zweifelsfall vertauscht oder verkauft, oder seht ihr den besonderen Reiz der seltenen Möglichkeit, mehrere attraktive Dokumente einer Korrespondenz nach fast 150 Jahren wieder zusammenzuführen und gemeinsam zu präsentieren, als höherwertig an? (Einmal abgesehen von dem viel zu hohen Preis des eBay-Briefs).

Beim Zurückblättern in diesem Thread habe ich festgestellt, dass ich nur für meine beiden Schweiz-Briefe ein Feedback erhalten habe. Deshalb möchte ich noch einen Versuch mit einem besonderen Schweizer Brief machen, der bis zum letzten Jahr in der bekannten Kirchner-Sammlung seinen Platz hatte, also ganz eindeutig auch zu meinen schönsten Heidelberg-Briefen zählt:


Er ging im Juni 1864 aus Heidelberg nach Altenau im Kanton Thurgau an die dortige „wohllöbliche Notariatskanzlei (zu Händen des Herrn Notars Naegeli wohlgeboren)“
Über das Porto für Briefe in die Schweiz habe ich schon etwas in meinem ersten Beitrag geschrieben:

balf_de schrieb:
Beide Briefe gehen in den zweiten Schweizer Rayon; das der Schweizer Post für die Beförderung zustehende Porto betrug 6 Kreuzer pro Loth. Die Entfernung von Heidelberg bis zum Grenzübergang in Basel beträgt mehr als 20 deutsche Meilen; für diesen Transportweg waren 9 Kreuzer Postvereinstaxe pro Loth zu frankieren.

Das trifft auch hier zu mit einem Unterschied: der Kanton Thurgau liegt näher an der badischen Grenze, also im ersten Schweizer Entfernungsrayon – die Schweizer Post war mit 3 Kr. pro Loth zufrieden.
Mein Brief wiegt mehr als 20 Gramm, war also doppelt schwer. Demnach waren 2 x 9 Kr. für Baden und 2 x 3 Kr. für die Schweiz zu frankieren. (das Weiterfranko „6“ ist handschriftlich ausgewiesen).
Philatelistisch interessant ist die späte Verwendung der MiNr. 14b. Zusammen mit der 21a ergibt sich eine seltene Mischfrankatur.

Viele Grüße
balf_de
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Gerhard
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Mi Okt 26, 2011 7:55 pm

balf_de schrieb:
Hallo zusammen!

Gerne hätte ich zu dieser Frage eine andere Meinung gehört: würdet ihr ein zweites oder drittes Dokument, das sowohl posthistorisch als auch philatelistisch mit einem bereits in der Sammlung vorhandenen praktisch identisch ist, als Dublette ansehen, die man im Zweifelsfall vertauscht oder verkauft, oder seht ihr den besonderen Reiz der seltenen Möglichkeit, mehrere attraktive Dokumente einer Korrespondenz nach fast 150 Jahren wieder zusammenzuführen und gemeinsam zu präsentieren, als höherwertig an? (Einmal abgesehen von dem viel zu hohen Preis des eBay-Briefs).



Obwohl mich hier der Ausdruck "Dublette" (aber er stimmt natürlich) etwas irritiert, würde ich es nicht als höherwertig einstufen, und schon gar nicht gemeinsam präsentieren. Man sollte doch den Betrachter (Juror) nicht in die Verlegenheit bringen, an der Seltenheit eines gezeigten Stückes zu zweifeln.
Ich würde auch einen praktisch identischen Brief für meine Postgeschichte-Sammlung nicht (bewusst) nochmals kaufen - trennen würde ich mich davon aber trotzdem schwer.

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
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Kontrollratjunkie
Moderator


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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Do Okt 27, 2011 1:22 am

balf_de schrieb:
Hallo zusammen!
Gerne hätte ich zu dieser Frage eine andere Meinung gehört: würdet ihr ein zweites oder drittes Dokument, das sowohl posthistorisch als auch philatelistisch mit einem bereits in der Sammlung vorhandenen praktisch identisch ist, als Dublette ansehen, die man im Zweifelsfall vertauscht oder verkauft, oder seht ihr den besonderen Reiz der seltenen Möglichkeit, mehrere attraktive Dokumente einer Korrespondenz nach fast 150 Jahren wieder zusammenzuführen und gemeinsam zu präsentieren, als höherwertig an? (Einmal abgesehen von dem viel zu hohen Preis des eBay-Briefs).



Lieber balf_de,

ein Feedback zu solchen Beiträgen fällt mir schwer, der ich bar jeglichen Schimmers dieser alten Materie bin.
Aber es sind interessante Informationen und hochwertige Belege sowieso.

Zu der zitierten Frage kann ich aber meine unmassgebliche Meinung schreiben.
Der Preis bei Ebay, den dieser Beleg erzielt hat, ist schon hoch. Alleine deshalb würde ich den Brief nicht kaufen,
wenn ein ähnliches Stück bereits in meiner Sammlung ist.
Abgesehen davon würde ich ihn nicht zusammen mit dem "Bruder" in der Ausstellungssammlung zeigen.
Die Gründe dafür hat @Gerhard schon genannt. Ich sehe das ähnlich.

Wenn es allerdings um die Zusammenführung einer alten Korrespondenz geht und man sozusagen Spass
an einer "Wiedervereinigung" hat, warum nicht. Wenn Dir der Spass die Sache wert ist, spricht nichts dagegen.
Nur zusammen zeigen würde ich sie nicht.

Liebe Grüße
KJ

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Briefmarkentor
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Do Okt 27, 2011 7:52 am

Hallo balf_de,

für mein Verständnis handelt es sich in diesem Fall nicht um eine Dublette, sondern um ein kleines Schmankerl. Wer bitte schön kann aus der selben Korrespondenz mehrere Briefe vorweisen? Übertagen auf mein Sammelgebiet kann ich meistens nicht anders, Ich muß den entsprechenden Beleg haben. Schließlich dokumentiert man ja so auch ein Stück Geschichte.

Viele Grüße

Marko
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balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Sa Okt 29, 2011 10:42 pm

Hallo Gerhard, Hallo Kontrollratjunkie!
Aus dem Blickwinkel eines potentiellen Juroren habe ich das "Problem" noch nicht gesehen. Aber diesbezüglich könntet ihr natürlich Recht haben - man "widerlegt" ja auch eigentlich die Seltenheit einer badischen Drei-Farben-Frankatur nein
aber trotzdem ...

Hallo Marko!

Briefmarkentor schrieb:
.. für mein Verständnis handelt es sich in diesem Fall nicht um eine Dublette, sondern um ein kleines Schmankerl. Wer bitte schön kann aus der selben Korrespondenz mehrere Briefe vorweisen?

Auch wenn @Gerhard und @KJ den Kopf schütteln sollten - ich neige eher zu Deiner Meinung. Natürlich war das Teil viel zu teuer, aber irgendwann hätte ich das auch verschmerzt und wer weiß, wie alt ich werden muss, um diese Gelegenheit noch einmal zu bekommen.

Danke euch allen, dass ihr euch mit meinem "Problem" so ernsthaft auseinandergesetzt habt.

Jetzt möchte ich in diesem Thread etwas zeigen, was eigentlich nicht zur Überschrift passt: ein kleines Briefchen aus Wien nach Heidelberg aus dem Jahr 1865, frankiert mit einer MiNr. 28. Für meine Begriffe ein schöner Brief nach Heidelberg.
Und zu meinem zuletzt gezeigeten "prominenten" Schweiz-Brief bildet diese "Incoming Mail" nach Heidelberg einen deutlichen Kontrast: ich habe ihn für einen einstelligen Ero-Betrag kaufen können!

Viele Grüße
balf_de
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balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Mo Dez 12, 2011 6:46 pm

Hallo zusammen!

In einem anderen Thread gab es kürzlich eine Äußerung von @Ottakring, die ich hier gerne noch einmal zitieren möchte:
Ottakring schrieb:
Als „Klassik-Sammler“ möchte ich mich gegen das Vorurteil „Alte Marken /alte Briefe sind teuer“ wehren. Man kann auch 150 Jahre alte Marken für 3 oder 5 Euro erwerben (siehe ebay) und es gibt genügend sehr teure Bundesrepublik (siehe Gscheidle - Marke usw.)

Diese hundertprozentig richtige und wichtige Aussage möchte ich mit einem kleinen Brief „illustrieren“, den ich vor ein paar Tagen in der Bucht erworben habe:


Na klar: dass dieser Brief für einen einstelligen Euro-Betrag zu bekommen war, ist ja logisch – da ist ja gar keine Briefmarke drauf! Wenn man aber ernsthaft eine posthistorische Sammlung aufbauen will, dann ist dieser kleine Brief eigentlich ein wichtiges Dokument: er ging im April 1853 aus Heidelberg nach Paris. Der Absender bezahlte im Heidelberger Postamt 15 Kreuzer bar, woraufhin der Postbeamte den „P.D.“-Stempel abschlug.

Siegelseitig findet sich neben Bahnpost- und Ankunftstempel der Taxvermerk "9 / 6 - 15" : 6 Kreuzer behielt Baden für die Beförderung nach Kehl, 9 Kreuzer erhielt die französische Postverwaltung.

Aber war es denn nicht seit 1851 in Baden Vorschrift, die Franco-Briefe mit den neu eingeführten Freimarken zu frankieren? Nur wenn man weiß, dass es den Postvertrag mit Frankreich, nach dem das 15-Kreuzer-Porto erforderlich war, zwar schon seit 1846 gab, dass es aber erst ab 1855 erlaubt war, auch die Post nach Frankreich mit Briefmarken zu frankieren, kann man erkennen, dass dieser unscheinbare Brief kein "Vorphila-Beleg“ ist, sondern eine Zeitspanne während der badischen Markenzeit dokumentiert.
Ich habe mich jedenfalls über diese Neuerwerbung sehr gefreut. (Zumal die Adresse der staatlichen französischen Reederei „Service Maritime des Messageries Nationales“ auch hinsichtlich Social Philately hoffen lässt).

Aber jetzt kommt der wichtigste Teil des Zitats:
Ottakring schrieb:
Ich hoffe, dass ich eines Tages einen jungen Sammler finde der PHILATELISTISCH (und nicht wertorientiert) für meine Sammlung Interesse hat!
ug

Das ist auch bei einer „klassischen“ bzw. postgeschichtlichen Sammlung der entscheidende Punkt: nichts ist schlimmer, als wenn eine nicht selten zig-Jahre lang mit großem Sachverstand zusammen getragene Sammlung zerschlagen und damit auch ihr eigentlicher Wert vernichtet wird.
Aber ich hoffe doch sehr, lieber Günter, dass Dein „unglücklich“-Smiley zu pessimistisch ist: wir finden diesen jungen Sammler!
ja ja

Viele Grüße
balf_de
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Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg

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