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 Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg

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AutorNachricht
balf_de
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   So März 16, 2014 10:03 pm

Hallo zusammen,

wie wär’s nach so vielen „Spezialitäten“ wieder einmal mit etwas Postgeschichte ...
Nur so zur Abwechslung, für manche unter uns vielleicht sogar zur Erholung ....
Jedenfalls möchte ich gerne noch einmal versuchen, hier im Forum die Blickrichtung  etwas in meine etwas andere Welt der Philatelie zu lenken.

Wenn man einen Altdeutschland-Sammler fragt, ob er in der Zeit des DÖPV (1851-1867) im Kreuzer-Gebiet die Portostufe von 4 Kreuzern kennt, dann kommt er sicher etwas ins Grübeln: 1 Kr. kostete ein Ortsbrief, 3 Kr. ein Brief in den 10-Meilen-Umkreis, 6 Kr. für 10-20 Meilen und schließlich 9 Kr. im dritten Entfernungsrayon über 20 Meilen (1 geographische deutsche Meile = 1/15 Äquatorgrad = 7.420 Meter). Das galt für Briefe bis 1 Loth Gewicht (1 Loth = 15 5/8 Gramm); mit jedem weiteren Loth waren die Gebühren entsprechend zu multiplizieren.
Für Post ins Ausland – außerhalb des DÖPV – kommen auf den ersten Blick nur höhere Frankaturen in Frage, denn da beanspruchte ja die ausländische Postverwaltung auch einen Teil des „Kuchens“ für sich ..

Also wofür  4 Kreuzer ?

Einem Baden-Sammler fällt sicher noch der „Bestellkreuzer“ ein, der bis zum 1. Oktober 1862 für mit der Briefpost beförderte Sendungen vom Empfänger erhoben wurde, der aber auch vom Absender vorausfrankiert werden konnte. Ein nicht ganz unproblematisches Beispiel eines vorausfrankierten Bestellkreuzers kann ich zeigen:

MiNr. 5 Mischfrankatur mit MiNr. 10a

Jawohl hier haben wir eine 4-Kreuzer-Frankatur, die aber einen kleinen Schönheitsfehler hat: der blaue Strich auf dem Brief steht für eine „1“ – die Taxierung bedeutet, dass vom Empfänger ein Kreuzer als Bestellgebühr nachgefordert wurde: der Absender meinte es gut, wusste aber wohl nicht, dass für Briefe ins Taxis-Gebiet der Bestellkreuzer nur an Behörden als Empfänger vorausfrankiert werden durfte. Oder er übersah einfach, dass die Stadt Hirschhorn – obwohl keine 20 km von Heidelberg entfernt – damals wie heute noch in Hessen liegt ...

Aber seit ein paar Wochen habe ich eine „richtige“ 4-Kreuzer-Frankatur:


Die Drucksachenschleife ging am 21.Juni 1865 aus Heidelberg nach Luzern am Vierwaldstätter See. Für Streifbänder in die Schweiz sah der Tarif von 1857 ein reduziertes Drucksachen-Porto vor: 2 Kreuzer pro Loth waren zu frankieren. Und offensichtlich wog die Zeitung, die Herrn Dr.Fischer zugestellt wurde, mehr als knapp 16 Gramm  - 4 Kreuzer waren für die doppelt schwere Auslandsdruckdache portorichtig. Dargestellt wurde das Porto mit zwei waagerechten Paaren der MiNr. 17a

Der Prüfer Franz Stegmüller schreibt dazu mit gewohnter Zurückhaltung: „Höhergewichtige Auslandsdrucksachen sind nicht häufig“ Und bestätigen kann ich, dass sie auch nicht gerade Massenware sind, wenn man sie aus Heidelberg „braucht“ ....

Und wenn sich sicher auch nicht viele für meinen sehr speziellen Beitrag interessieren, so habe ich doch hoffentlich für etwas Abwechslung gesorgt.

Viele Grüße
Alfred (balf_de)
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balf_de
Mitglied in Bronze
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Di Nov 29, 2016 9:48 pm

Hallo zusammen,
Auf den ersten Blick scheint der Brief von Heidelberg nach Rauenberg – im ersten badischen Entfernungsrayon – nicht sehr erstrebenswert: schwach abgeschlagene Stempel, der Nummernstempel 57 kaum lesbar. Warum ist diese Neuerwerbung von der Vereinsauktion der Philippsburger Briefmarkenfreunde  für mich ein "schöner Brief", der in diesen Thread gehört?



Immerhin: die Marke ist vollrandig und mit großer Sicherheit eine Michelnummer 2a: das Jahr 1851 ist auf dem Lokaldatumstempel klar lesbar; es handelt sich um die erste Auflage; die Nummer 2b kam erst ein Jahr später an die Schalter.
Erst die Siegelseite zeigt die Besonderheit:



Glücklicherweise wurde der Brief für den kurzen Beförderungsweg nach Rauenberg – etwa 15 Kilometer – bei der Bahnpost aufgeliefert. Und dort wurde deutlich gestempelt – der 7. Mai 1851 war der siebte Tag der badischen Markenzeit - es handelt sich um den ältesten Markenbrief in meiner Heidelberg-Sammlung!

Viele Grüße
Alfred (balf_de)
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balf_de
Mitglied in Bronze
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Di März 07, 2017 6:24 pm

Hallo zusammen,

nicht ganz so wertvoll für meine Sammlung wie der zuletzt gezeigte Mai-Brief ist meine "Beute" von der Münchner Briefmarkenbörse am letzten Freitag:



Der Brief ging am 19. Juni 1857 von Heidelberg per Bahnpost nach Preußen, portorichtig für die Entfernung über 20 Meilen (= rd. 180 Kilometer) frankiert mit 9 Kreuzern - einer späten Auflage der Michelnummer 4b.

Postgeschichtlich kann der Brief keine Lücke in meiner Sammlung füllen, aber der Adresse Carl Bockhacker in Hückeswagen in gestochen schöner Schrift konnte ich nicht widerstehen …

Viele Grüße
Alfred (balf_de)

PS: Immerhin war er schon am nächsten Tag nach der Auslieferung am nächsten Tag nachmittags um 4 Uhr am Ziel. Ob er das heute auch noch schaffen würde ?
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Cantus
Mitglied in Silber
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Mo März 13, 2017 7:03 pm

Hallo Alfred,

über Werte kann man streiten, aber mir persönlich gefällt der letzte Brief von dir besonders gut, ist für mich doch der Gesamteindruck eines Briefes maßgeblich und nicht die theoretische Seltenheit einer Marke.

Viele Grüße
Ingo
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balf_de
Mitglied in Bronze
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   Mo März 13, 2017 7:58 pm

Hallo Ingo,

ich freue mich immer ganz besonders, wenn ich hier im Forum auch einmal ein Feedback zu meiner „Heidelberg“-Sammlung erhalte – vielen Dank dafür!

Es gibt zwar nicht wie von dir vermutet einen nennenswerten Wertunterschied der beiden zuletzt gezeigten Briefe aufgrund ihrer Frankatur – ich weiß im Augenblick nicht genau, ob eine Michelnr. 2a überhaupt höher bewertet ist als eine 4b – die Wertigkeit für mich als postgeschichtlich orientiertem Sammler ist beim 3-Kreuzer-Brief durch die frühe Verwendung im Mai 1851 begründet: es ist mein ältester mit einer Briefmarke frankierter Brief.

Aber natürlich bin ich auch Briefmarkensammler und ich stimme Dir zu hundert Prozent zu, dass der Gesamteindruck  eines Belegs – sei es ein Brief, eine Karte oder eine Ganzsache –  wichtig und für mich auch „wertig“ ist. Ich freue mich über Belege, die „ein Gesicht“ haben.

Aber man kann da auch schlechte Erfahrungen machen. Schaue Dir diesen Brief an:


Der hätte doch ganz bestimmt in diesen Thread gepasst! Wobei er außerdem auch postgeschichtlich sehr interessant schien: die mit Abstand späteste Verwendung im Jahr 1867 des Heidelberger Nummernstempels „57“ und der weitgezähnten 3-Kreuzer-Marke mit schraffiertem Hintergrund, der Michelnr. 13a.

Aber dann kam vom Prüfer statt des erhofften Attests die kalte Dusche:


Ich habe lange mit mir gekämpft, ob ich den Brief nicht trotzdem behalten  soll und habe ihn dann schweren Herzens an das Auktionshaus (das sich auf mehrere Altprüfungen der Herren Englert und Seeger verlassen hatte) zurückgegeben.

Das fiel mir jetzt beim Stichwort "Gesamteindruck eines Belegs" wieder ein … Aufgrund dieser und einiger ähnlicher Erfahrungen habe ich den „Mai-Brief“ zum Prüfer geschickt – auch bei dem Brief nach Baden-Baden war ich von der Authentizität überzeugt.

Viele Grüße
Alfred (balf_de)
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Angus3
Mitglied
Mitglied
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BeitragThema: Re: Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg   So März 19, 2017 5:48 pm

Hallo zusammen,

Auch ich als Baden-Sammler kann hier meinen einzigen Brief aus Heidelberg zeigen,
da meine Sammlung auf meiner Geburtsstadt Mannheim basiert.




Der Faltbrief ging am 25. Juli 1856 von Heidelberg nach Birkendorf über Bahnhof Bonndorf,
frankiert mit 9 Kreuzern - einer späten Auflage der Michelnummer 4b und geprüft Stegmüller BPP.
Rückseitig ist der Bahnpoststempel vom Type 2b abgeschlagen sowie der Ankunftsstempel von Bonndorf am 26. Juli 1856.
Der Inhalt ist eine Art Lieferschein einer Öl-Raffinerie in Heidelberg, dabei handelt es sich nicht um Motorenöl oder dergleichen sondern um "Lampenöl".

Viele Grüße
Angus
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Baden: Schöne Briefe aus Heidelberg

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