Hallo zusammen!
Mit ein paar Tagen Abstand möchte ich euch meine Eindrücke von der diesjährigen Messe in Sindelfingen berichten. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, dass sich auch ein paar andere Messebesucher hier beteiligen und ihre Erfahrungen schildern - vielleicht sogar mit der Präsentation ihrer "Beute"
Angekommen bin ich am Donnerstag Nachmittag – gerade rechtzeitig, um an der Führung meines Freundes „@bayern klassisch“ durch sein Wettbewerbsexponat der Bayerischen „Contraventionen“ teilnehmen zu können.
Natürlich schaute ich mir anschließend auch die anderen Exponate an, wobei das zunächst nicht ganz einfach war: die Rahmen waren wie in einer Art Labyrinth angeordnet, wobei erschwerend hinzukam, dass sie von rechts nach links gehend betrachtet werden mussten. Wie ich hörte, hat die für die Anordnung verantwortliche Dame habe keine philatelistischen Kenntnisse – und vermutlich sei sie auch Linkshänderin
Was gab es noch im Obergeschoß, der „Schlipsträger-Etage“? Neben auffallend zahlreich vertretenen gut gekleideten Verbandsfunktionären – erkennbar am stets offen getragenen Ausweis -, fiel mir auf, dass die Arbeitsgemeinschaften nach meinem Eindruck deutlich weniger präsent waren als in den Vorjahren. Aber immerhin hatte diesmal „meine“ Zeppelinpost-ArGe einen kleinen Stand, wo ich ab und zu meine Tasche abstellen konnte ….
Aber dass man beispielsweise die Brasilien-ArGe trotz ursprünglicher Zusage wieder ausgeladen hatte, um dem Hauptsponsor der Veranstaltung, der Deutschen Post AG, die gewünschten riesigen Flächen zur Verfügung stellen zu können, das zeigt doch, dass die Kommerzialisierung der Sindelfinger Messe mehr und mehr fortschreitet. Ich möchte nicht beurteilen, ob man da auf dem richtigen Weg ist – aber es gibt für den Veranstalter Jan Billion wohl finanzielle Sachzwänge …
Auch mit einigen Händlern konnte ich sprechen: Im Pressebericht der Messegesellschaft ist zwar zu lesen:
"Der Fachhandel, die Postverwaltungen und die Verlage aus dem In- und Ausland zeigten sich am Ende der dreitägigen Veranstaltung mit den erzielten Umsätzen überwiegend zufrieden bis sehr zufrieden.“ Aber im persönlichen Gespräch klang das doch häufig anders. Ein guter Freund von mir hatte in den ersten drei Stunden am Freitag ganze 20 Euro umgesetzt. Dabei war sein Stand mit einem breit gefächerten Angebot immer gut frequentiert. Übrigens im Unterschied zu einigen Ständen renommierter Auktionshäuser, wo man außer den wirkungsvoll drapierten Auktionskatalogen nicht viel zu sehen bekam.
Auch fiel mir auf, dass einige Firmen, die schon fast zum Inventar der Messe gehörten, nicht vertreten waren: allen voran Sieger, der früher immer einen aufwändigen Stand unterhielt, auch Köhler war erstmals nicht da, aber auch z.B. Maria Brettl, bei der ich eigentlich jedes Jahr etwas für meine Heidelberg-Sammlung gefunden habe.
Dass meiner Meinung nach nicht nur weniger Händler, sondern auch deutlich weniger Besucher in der Messehalle waren, hatte den Vorteil, dass man eigentlich überall ohne Wartezeit einen Platz an den Ständen fand und ohne Drängelei in Ruhe besichtigen konnte. Auch habe ich ausschließlich zuvorkommende und hilfsbereite Händler angetroffen – nur ihre Preisvorstellungen waren oft etwas „gewöhnungsbedürftig“ .
Reichlich Platz und kein langes Anstehen gab es auch in den beiden Cateringbereichen. Dafür gab es aber außer der geringeren Besucherzahl noch einen anderen sehr plausiblen Grund: das Essen war trotz ambitionierter Preise unterirdisch schlecht. …
Last but not least zum leidigen Thema Jugend: hoch anzurechnen ist den für die Vorbereitung und Durchführung des Jugend-Programms – der Ausstellung und der Indianer-Tage – verantwortlichen ehrenamtlich tätigen Menschen ihr großes Engagement, das auch „im Vorbeigehen“ deutlich wurde; aber was zu einem perfekten Event fehlt, sind eigentlich nur die Kinder. Die Zeiten, wo ganze Schulklassen einen Projekttag bei einer Briefmarkenmesse abhielten, sind wohl endgültig vorbei.
Mein Resümee: ein Highlight war die Verleihung des Goldenen Posthorns an Ralph Bernatz für sein in jeder Beziehung außergewöhnliches Exponat „Königreich Bayern – Contraventionen bei der Post 1849-1875“, wo offensichtlich gut informierte Juroren nicht ausschließlich den Verkaufswert einer Sammlung begutachteten sondern auch deren Originalität und die immensen Kenntnisse des Ausstellers.
Und natürlich werde ich nächstes Jahr wenn irgend möglich wiederkommen, auch wenn einige Unzulänglichkeiten auch heute schon vorhersehbar sind: alleine schon wegen der Gespräche am späten Abend in der Hotelbar, wo man neben aktuellem Branchenklatsch (insolvente Prüfer und dergleichen) oft auch wertvolle Informationen erhält.
Viele Grüße
balf_de