Hallo Vincent.I
Du machst Dir sehr viel Arbeit mit einscannen und online-stellen Deiner Marken. Zuerst solltest Du Dir anhand von Katalogen einen Überblick schaffen, dann brauchst Du auch nicht bei jeder Marke fragen, ob die einen besonderen Wert haben. Mit wertvollen Briefmarken verhält es sich genauso wie bei den Goldsuchern, in der ganzen Masse von Sand und Gestein sind nur wenige Nuggets vorhanden. Die zu finden und erkennen bedarf es einiger Erfahrung. Diese erhältst Du sicherlich, indem Du nachfragst. Wenn Du ernsthaft sammeln möchtest, dann musst Du Dir das dazugehörige Beteck zulegen. Mit Besteck meine ich Pinzette, Lupe und Katalog. Jetzt gibt es sehr viele Kataloge und die meisten sind in aktueller Ausgabe nicht gerade billig. Deswegen musst Du Dir einen Überblick über Deinen Markenbestand machen. Hast Du viele deutsche Marken, dann lohnt sich die Anschaffung eines Katalogs, der die entsprechenden Gebiete umfasst. Jetzt kannst Du ja fragen deutsche Gebiete, ist Deutschland nicht ein Gebiet? Nein, die Philatelie (insbesondere die mit den Briefmarken) fängt an, als es noch viele kleine deutsche Fürstentümer, Königreiche, use. gab. Dann schlossen sich einige "Post-Reiche" zu einem Verbund zusammen, der immer grösser wurde. Aus diesen Zusammenschlüssen ist dann später der Welt-Post-Verein hervorgegangen. Die Ausgaben dieser Fürstentümer bezeichnet man als Altdeutschland. Mit der Bildung des deutschen Kaiserreiches gab es zur Briefmarkenzeit die ersten Marken, die in jedem Fürstentum, jeder Grafschaft, die dem Kaiserreich angehörten gültig waren. Diese Zeit wird allgemein hin als Deutsches Reich bezeichnet. Sie fängt wie o.g. mit der Bildung des Deutschen Reichs unter dem Kaiser an geht über den I.Weltkrieg zur Weimarer Republik (es steht aber immer noch deutsches Reich auf den Marken) bis zum Ende des II.Weltkriegs. Mit der Kapitulation beginnt die Besatzungszeit. Mit Gründung der Bundesrepublik und der DDR endet die Besatzungszeit und wir bewegen uns in der aktuellen Periode. Historisch bedingt werden natürlich von der DDR und Berlin keine Marken mehr ausgegeben. Berlin hatte bis zur Wiedervereinigung Deutschlands einen rechtlichen Sonderstatus. Deswegen gab es für Berlin eigene Marken, da dieses Gebiet nicht offiziell zur Bundesrepublik gehörte. Früher gab es von dem Schwaneberger Verlag einen Deutschland-Katalog, in dem alle diese Gebiete bearbeitet wurden. Da es aber immer neue Marken gibt und bei vielen Marken es immer mehr neue Informationen zu Besonderheiten wie Abarten usw. auftauchen kann man diese Fülle an Info nicht mehr in ein handliches Buch packen. Deswegen gibt es von der Spezialausgabe für Deutschland 2 Kataloge. Der 1. Band behandelt die Gebiete Vorphilatelie, Altdeutschland und Deutsches Reich mit den jeweiligen dazugehörigen Nebengebieten (Abstimmungsgebiete des I.WK, Danzig, Saar I, Besetzungsausgaben des I.+II.WK ...). Im 2. Band findest Du die Marken der Zeit nach 1945, also nach der Kapitulation, bis heute.
Hast Du viele Marken (mind. ein grosses Album voll) mit unterschiedlichen Marken eines anderen Staates, zB. Italien, dann solltest Du Dir den für diesen Staat entsprechenden Katalog besorgen. Jetzt gibt es aus dem Schwaneberger Verlag nicht für jedes einzelne Land einen Katalog. Viele Staaten sind thematisch sinnvoll zusammengefasst. Da gehst Du am besten in einen Briefmarkenladen oder noch besser zu einemBriefmarkenverein und lässt Dir sagen, welchen Katalog Du zurate ziehen solltest. Oft kann man auch bei dem einen oder anderen Vereinsmitglied einen älteren, passenden Katalog zu einem günstigen Preis erstehen.
Jetzt solltest Du Deine Marken anhand des Katalogs sortieren. Kaputte Marken solltest Du sowieso beiseite tun, diese besitzen keinen materiellen Wert und "entwürdigen" eine Sammlung. In seltenen Fällen, kann man solche Marken zB. zur Farbbestimmung zurate ziehen, das ist bei einigen Ausgaben vor 1949 sinnvoll, wenn man keine andere Marke mit der entsprechenden Farbe hat. Hast Du Deine Marken sortiert und nach dem Katalog eine 'grobe' Einordnung getroffen, dann wirst Du sehen, dass Du sehr viel Sand und Gestein hast, aber bei ein oder zwei Marken, das könnte etwas besonderes sein, vielleicht sogar ein kleiner Nugget. Jetzt ist es an der Zeit, sein Besteck zu erweitern, dh. Du brauchst jetzt ein Wasserzeichensucher, eine Prüflampe (fürs erste reicht ein Geldscheinprüfer) und ein Zähnungsschlüssel. Anhand dessen kannst Du viele Marken noch genauer einordnen, sprich katalogisieren. Jetzt wirst Du bei den möglichen Nuggets leichter entscheiden können, ob es sich um Katzengold oder wertvolles handelt. Aber auch hier bestehen oft noch Zweifel, ob es sich tatsächlich um wertvolles oder Massenware handelt. Da ist es angebracht, die Allgemeinheit um Rat zu fragen. Manchmal sieht man aber auch den Wald vor lauter Bäumen nicht und findet eine Marke im Katalog nicht, dann kann man auch gerne fragen worum es sich handelt.
Deswegen meine und wohl vieler anderer Teilnehmer dieses Forums Bitte, mach Dich erst einmal selber vertraut mit dem was Du hast. Die meisten von uns haben viel Zeit und auch Geld dareingesteckt, um ihr Wissen zu erwerben. Es bedarf aber immer der Eigeninitiative, um dahinzukommen. Übrigens, die meisten Sammler, sammeln nicht des Wertes wegen, sondern der Marken wegen.
Deine Fragen können einen denken lassen, schaut mal her, ich habe hier etwas gefunden, davon habe ich keine Ahnung aber hat es für mich einen Wert. Wenn es wertvoll ist, dann habe ich Spaß daran. Du solltest nicht auf den materiellen Wert deiner Marken schauen, sondern auf das achten, was dahinter steckt. Du wirst erkennen, dass hinter so einem kleinen Kunstwerk viel mehr als ein Geldwert steckt. Aber das musst Du Dir selber erarbeiten, damit Du den Wert Deiner Sammlung schätzen lernst. Was nützt mir die schönste Marke, wenn ich damit nichts anzufangen weiss.
Beste Sammlergrüsse
El Mü