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 Keine Chance für die Nachgummierer

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AutorNachricht
Michaela
Admin
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BeitragThema: Keine Chance für die Nachgummierer   Fr März 28, 2008 7:17 am

Wiesbadener Briefmarken-Gutachter Jürgen Bärsch kommt Fälschern stets auf die Schliche
WIESBADEN Aus Leidenschaft und aufgrund seines ausgeprägten Fachwissens kam Briefmarkenexperte Jürgen Bärsch zu seiner Tätigkeit als Verbandsprüfer im Bund der philatelistischen Prüfer. Seit nunmehr fünfzehn Jahren untersucht der Profi Briefmarken auf ihre Echtheit. "Diese Aufgabe erfülle ich bis zu meinem Lebensende", sagt er voller Stolz.

Von
Thorsten Glesmer

Jürgen Bärschs Begeisterung für sein Hobby und seine Funktion als Sachverständiger treten direkt zu Beginn des Gespräches zu Tage. Fachausdrücke fallen, Erklärungen folgen, von einer Nachbehandlung der Zähne und dem Schutz des Original-Gummis ist schnell hintereinander die Rede. Für das Anschauungsmaterial hat er ebenfalls gesorgt. "Schauen Sie mal hier" wird zu einem häufig verwendeten Satz.

Erst nach einer knappen halben Stunde lässt sich der Verbandsprüfer im Bund der philatelistischen Prüfer einen roten Faden seiner Tätigkeit entlocken, die zumeist mit der Anfrage oder dem Besuch eines Briefmarkensammlers beginnt.

"Ist der Prüfauftrag zur Untersuchung einer Briefmarke erteilt, schaue ich zunächst, ob sich die Gummierung im Originalzustand befindet", erklärt der Sachverständige. Mit Pinzette, Lupe und Mikroskop rückt Jürgen Bärsch der Briefmarke zu Leibe, wohlwissend, dass jede Marke ihre eigentümliche Machart - senk- oder waagerechte Riffelung - aufweist. "Das ist von der Post so gewollt, um Fälschungen vorzubeugen", erläutert er. Wurde die Gummierung als Original erkannt und eine Nachgummierung ausgeschlossen, widmet sich der 53-jährige dem Stempel der Briefmarke.

"Im Gegensatz zu postfrischen Briefmarken, die keinen Stempel besitzen, muss das abgestempelte Postwertzeichen echt durch die Post befördert worden sein", so der Philatelist. Seiner Überprüfung unterliegt daher die zeitgerechte Entwertung und tatsächliche Beförderung der Briefmarke. Diese Kontrolle funktioniert jedoch nur anhand eines Vergleiches: Bärsch besitzt von jeder Stadt und jedem Ort des Saargebiets alle Stempelabschläge, die es dort jemals gab. "Da kommen fast 1000 Abschläge zusammen", schmunzelt der Experte mild.

Doch nicht nur falsche Stempel, auch die Verwendung gestohlener Poststempel und raffinierter Kopien durch Laserdrucker und Gummistempel muss der Fachmann erkennen. "Der Wert von abgestempelten Briefmarken ist oftmals um ein Vielfaches höher als der von postfrischen", erläutert Jürgen Bärsch. Das läge vor allem daran, dass Briefmarken oft nur wenige Wochen gestempelt werden dürften, bevor sie ungültig werden. Daher sei gerade die Stempel-Fälschung ein munteres Betätigungsfeld für Betrüger.

Hatte Jürgen Bärschs Auftraggeber bis hierhin ein gutes Auge oder Glück, steht mit der Überprüfung der korrekten Zähnung schon der nächste Punkt auf dem Programm. "Eine einwandfreie Zähnung macht die Briefmarke wertbeständig, sie darf keine Zahnfehler aufweisen", so der Fachmann.

Dass ihm in den nunmehr fünfzehn Jahren seiner Sachverständigen-Tätigkeit schon so mancher Trick untergekommen ist, versteht sich von selbst. Bei verkürzten oder abgerissenen Zähnen seien schon Zähne von anderen Briefmarken mit Leim aus Fasern angefügt worden. Andere Fälscher hätten den Zahnverlauf gar abgeschnitten und neu ausgestoßen, um den Anschein einer neuen, gut sichtbaren Zähnung zu erwecken. "Hier ist dann auf einen eventuell dezentrierten Druck zu achten", ergänzt der Briefmarken-Gutachter. Wurde auch der letzte Test bei "Zahnarzt" Bärsch bestanden, war die Behandlung erfolgreich und die Briefmarke ist echt. Dann stellt der Geschäftsführer des Briefmarkensammlervereins 1885 Wiesbaden ein Attest mit Wasserzeichen oder einen Prüfungsbefund aus, um die Ergebnisse der Prüfung und die Qualität der Briefmarke zu dokumentieren. "Das Attest ist zugleich ein Zertifikat, um die Briefmarken besser verkaufen zu können, denn ein seriöser Händler verkauft nur geprüfte Briefmarken", weiß Jürgen Bärsch. Mit seiner Prüfzange stanzt er das Attest noch zusätzlich fälschungssicher aus. Briefmarken im unteren Euro-Bereich erhalten einen einfachen Prüfstempel auf der Rückseite. Manipulierte oder verfälschte Marken werden von dem Briefmarkenkenner mit einem Stempel unkenntlich gemacht - sehr zum Leidwesen der betroffenen Sammler. "Manchmal können da tausende Euro verloren gehen, aber auch Überraschungen sind drin", berichtet der Routinier. So könne es durchaus vorkommen, dass unscheinbare BriefDie Profis

marken durch einen Druckfehler als enorm selten entdeckt würden. "Kleine Wunder" nennt das Jürgen Bärsch.

Abschließend gehört jedoch nicht nur die Feststellung der Echtheit einer oder mehrerer Briefmarken, sondern auch die Attestierung von Druckauffälligkeiten zu seinem Tätigkeitsfeld. Schlich sich beim Druck der Postwertzeichen ein unbeabsichtigter Buchstaben- oder Motivfehler ein, obliegt es dem Gutachter, diese Besonderheit von einer Fälschung zu unterscheiden. Gleiches gilt für einen zufälligen Farbfehldruck, der den Wert der Marke um mehrere Hundert Euro steigern könne. Auf dem Weg dorthin müsse die Besonderheit jedoch erst von Jürgen Bärsch ge- und erkannt werden.

Gerne gibt der 53-jährige Sachverständige seine Erfahrungen und Erkenntnisse im Rahmen von Vorträgen in Vereinen weiter und hilft Sammlern bei der Früherkennung von Fälschungen. "Das Land Hessen gibt zwar selbst keine Briefmarken heraus, aber als Verbandsprüfer des Saargebietes stehe ich gerne auch hier zur Verfügung", so Bärsch. Allerdings könnten er und seine Kollegen nur Tipps geben, wie man sich schützen kann und worauf man achten solle, so der Gutachter.

"Man weiß ja gar nicht, was noch alles `rumschwirrt", lächelt Jürgen Bärsch viel sagend. Die neueste Methode der Betrüger und Fälscher seien farbechte Nachdrucke ganzer Briefmarkenbögen im Ausland. Die dadurch verursachten Schäden beliefen sich mittlerweile auf eine Summe im siebenstelligen Bereich - für Profi Bärsch die nächste Herausforderung seiner Gutachter-Tätigkeit.

Wiesbadener Tagblatt

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Liebe Sammlergrüsse
Eure Michaela
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Keine Chance für die Nachgummierer

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