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 Kombinationsbelege - Mischfrankaturen

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AutorNachricht
balf_de
Mitglied in Bronze
balf_de


BeitragThema: Kombinationsbelege - Mischfrankaturen   Fr Okt 03, 2014 10:05 pm

Hallo zusammen,

Unter dem Titel „Kombinationsbelege – Mischfrankaturen“ möchte ich eigentlich zwei verschiedene Belegarten der Zeppelinpost zusammenfassen, die häufig in engem Zusammenhang stehen: unter dem Begriff „Kombinationsbelege“ verstehen wir Poststücke, die nicht nur per Luftschiff sondern außerdem mit einem anderen Verkehrsmittel wie einem Katapultflugzeug und/oder per Seepost befördert wurden. Und unter „Mischfrankaturen“ versteht man – anders als bei der Alt-Postgeschichte, wo die Verwendung von Briefmarken unterschiedlicher Ausgaben gemeint ist  - Belege, die mit Briefmarken mehrerer Staaten bzw. Postverwaltungen frankiert sind.

Gerne würde ich hier eine ganze Flut passender Briefe zeigen, aber beide Varianten sind leider nicht gerade häufig, dafür aber desto begehrter …

Aber sie sind oft auch besonders "spannend". Ein guter Freund und auf Wettbewerbsausstellungen sehr erfolgreicher Sammler, der sich in erster Linie mit der altdeutschen Philatelie und Postgeschichte befasst, hat mit vor einiger Zeit einmal den Tipp gegeben, zur Rehabilitation der häufig als Mache diskreditierten Zeppelinpost terrestrisch beförderte Vergleichsbelege den Luftschiff-Belegen der frühen 1930er Jahre gegenüberzustellen, um die deutlich verkürzten Beförderungszeiten im Transatlantikverkehr zu dokumentieren. Aber obwohl mir die Idee nach wie vor gefällt, einen Seepostbrief nach Brasilien aus dem Frühjahr 1930 zusammen mit einem Zeppelinbrief „meiner“ Südamerikafahrt auf einem Blatt zu zeigen, waren immer andere Projekte wichtiger als die Suche nach geeigneten Seepostbriefen.


Bis mir kürzlich ein Brief in die Hände fiel, nach dem ich eigentlich gar nicht gesucht hatte: Ein in Liechtenstein am 28.4.1930 aufgelieferter Brief nach Pernambuco (meiner Meinung nach etwas überfrankiert: 30 Rp. Auslandsbrief bis 20 gr. + Einschreibegebühr 40 Rp.), der mit dem Dampfer des Königlich Holländischen Lloyd S.S. Orania von Lissabon nach Pernambuco befördert werden sollte.


Rückseitig zeigt der Brief einen leider wie üblich schwer leserlichen Ankunftstempel von Recife, aber ich bin sicher, das Datum lautet nicht 23. Mai (wie wohl ein Vorgänger-Sammler vermutet hat – er hatte sicher das auf vielen Belegen vorkommende Ankunftsdatum „Graf Zeppelins“ in Erinnerung) sondern 15. Mai 1930.


Ich habe die Hoffnung, dass ein freundlicher Mitleser die Fahrplände des Koninklijke Hollandsche Lloyd aus dem Jahr 1930 besitzt oder findet – ich habe jedenfalls im Internet nur Daten aus dem Jahr 1927 gefunden ( http://www.timetableimages.com/images/carlosm/rhl-15.jpg ), aus denen immerhin die Fahrtdauer Lissabon - Recife von 10 Tagen hervorgeht. Noch besser wäre es aber schon, wenn man die Laufzeit des Briefs 100-prozentig bestimmen könnte!

Dass der Brief anschließend in Recife neu aufgeliefert wurde und am 28. Mai per Zeppelin mit dem Umweg über Lakehurst und Sevilla am 6. Juni 1930 zurück nach Friedrichshafen gelangte, ist zwar sicher die philatelistische Pointe bei diesem Brief – die ihn letztlich auch für meine Sammlung qualifiziert -, aber für den Vergleich der Transatlantik-Laufzeiten sind die beiden Beförderungszeiten wegen des Umwegs des Luftschiffs über Nordamerika nicht besonders gut geeignet.

Da brauche ich einen anderen Beleg für ein perfektes Albumblatt …

Viele Grüße – bis bald …
balf_de

Übrigens: ich würde mich nicht wundern, wenn einigen Freunden hier der Brief "irgendwie bekannt" vorkäme ...
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Polarfahrtsucher
Mitglied in Bronze
Polarfahrtsucher


BeitragThema: Re: Kombinationsbelege - Mischfrankaturen   Sa Okt 04, 2014 12:52 pm

Hallo Alfred,
Shocked WoW  Shocked
Herzlichen Glückwunsch zu diesem schönen Stück!
Noch dazu wenn man die Besonderheit der Seepost-Luftschiff Kombination selber entdeckt!
Eine tolle Beschreibung zu einem grandiosen Beleg!
Umso mehr freue ich mich jetzt schon auf den zweiten Teil. Schließlich hiess es ja:

@balf_de schrieb:

... die beiden Briefe, um die es mir da geht,  ...

Mit ehrlichem Dank und mit gespannter Erwartung

Gruß
Klaus
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balf_de
Mitglied in Bronze
balf_de


BeitragThema: Re: Kombinationsbelege - Mischfrankaturen   Di Okt 14, 2014 3:36 pm

Hallo Klaus, hallo zusammen,

@Polarfahrtsucher schrieb:

Umso mehr freue ich mich jetzt schon auf den zweiten Teil.

o.k., ich denke, ihr habt das Warten inzwischen aufgegeben – ich musste mich schweren Herzens ein paar Tage lang von meiner Sammlung trennen, aber jetzt kommt der versprochene „Vergleichsbeleg“:  zur Erinnerung noch einmal kurz zurück zur Laufzeit des oben gezeigten Seepostbriefs:  17 Tage dauerte die terrestrische Beförderung eines Briefs aus Triesenberg in Liechtenstein nach Pernambuco in Brasilien.

Aber es ging auch schneller; ganz besonders ab dem 12. Mai 1930. Da verlor die deutsche Zeppelingesellschaft nämlich das Wettrennen um die erste Luftpostbeförderung über den Südatlantik gegen die französische Fluglinie Aéropostale: an diesem Tag gelang Jean Mermoz die erste Nonstop-Überquerung des Südatlantiks mit Postbeförderung mit einem einmotorigen Wasserflugzeug (Lanté 28-3), von St. Louis im Sénégal nach Natal in Nordbrasilien.
Das deutsche Luftschiff "Graf Zeppelin" startete erst am 19. Mai zu seiner ersten Südamerikafahrt.
Insofern sollte ich als Zeppelinpost-Sammler den ganz besonderen Brief eigentlich ignorieren, den ich euch heute zeigen kann, denn seine Bedeutung für meine Zeppelin-Sammlung ist streng genommen nicht so aufregend, obwohl er ganz nebenbei auch zum Zeppelinbrief wurde …


Er nahm den gleichen Weg wie sein Seepost-Pendant: von Triesenberg nach Pernambuco, von dort per Luftschiff zurück nach Basel via Lakehurst, Sevilla und Friedrichshafen.
Aber nicht schon Ende April, sondern erst am 8. Mai wurde er in Triesenberg aufgeliefert. Das Porto von 4 Franken stimmt für die gewünschte Flugpostbeförderung: Auslands-Brief: 30 Rp., Einschreibezuschlag 40 Rp., Flugpostzuschlag Brasilien 2 x 165 Rp. pro 5 Gr. bei 10 Gr. Gewicht.


Die Transitstempel aus Genf vom 9. Mai sowie siegelseitig Marseille vom 10. Mai zeigen den Weg: von Genf nach Marseille per Lufthansa oder Airunion, mit der Aéropostale nach St. Louis im Sénégal. Dort erreichte er Mermoz' Flugboot „Comte-de-La Vaulx“  und machte den ersten Postflug nach Südamerika mit.



Wie nicht anders zu erwarten, hat auch diesmal der Postbeamte in Recife schlampig gearbeitet - aber immerhin ist das Datum 13. Mai 30 auch ohne riesige Auflösung zu erkennen.

Die Laufzeit vom 8. bis zum 13. Mai betrug also nur noch 5 Tage!

Von Pernambuco aus ging die Reise der beiden Liechtenstein-Briefe gemeinsam weiter (wobei der Seepostbrief etwas mehr als 10 Gramm wog: das mit Condor-Marken zu frankierende Zusatzporto für die Luftschiffbeförderung kostete 10.000 Reis pro 10 Gramm, die brasilianische Staatspost war mit 500 Reis für 20-Gramm-Briefe ins Ausland zufrieden.

Ich kenne diesen Brief seit über zwei Jahren: schon am 21. Februar 2012 hat ihn @kawa  
Hier (auf Seite 4) vorgestellt.

(Damals habe ich übrigens ähnlich wie mein Freund Klaus reagiert:

@Polarfahrtsucher schrieb:

Shocked WoW  Shocked
)

Und im Herbst 2012  habe ich mir in Sindelfingen die Nase an dem Rahmen platt gedrückt, in dem dieser Brief ausgestellt war. Da konnte ich noch nicht ahnen, dass ich einmal mehr als ein Handy-Foto durch die Glasscheibe haben würde und sogar die Rückseite zeigen könnte .... Dank guter Vernetzung mit Sammlerfreunden, die stets auf dem Laufenden in der Szene sind und die Flöhe husten hören, erfuhr ich rechtzeitig, dass dieser besondere Brief erreichbar war. Den Seepostbrief habe ich übrigens im Zuge "harter Verhandlungen" als add on dazu bekommen  

Ganz nebenbei gibt der Brief auch Antwort auf diese Frage:

@Polarfahrtsucher schrieb:
Frage an unsere "Schweiz Experten": War es zulässig in der Schweiz auch die Marken von Liechtenstein zu verwenden?

Offensichtlich ja, denn die 20 Rappen der Schweizer Marke werden für die Portorichtigkeit gebraucht.

Viele Grüße
Alfred (balf_de)
Nach oben Nach unten
Polarfahrtsucher
Mitglied in Bronze
Polarfahrtsucher


BeitragThema: Re: Kombinationsbelege - Mischfrankaturen   Mi Okt 15, 2014 10:10 pm

Hallo Alfred,


@balf_de schrieb:
WOW !

Jedenfalls, lieber Kawa, vielen Dank fürs Zeigen dieser absoluten „Oberrosine“ (die ich in meinem Folder „fremde Zeppelinpost“ abgespeichert habe, wo sie sicher auch bleiben wird ... Rolling Eyes ).


Also diesem "WoW" kann ich mich nur anschliessen!
Mich freut es besonders für dich, dass du hier die Gelgenheit hattest dir einen Traum zu erfüllen.
Solche Stücke kommen Einem nur einmal über dem Weg und in diesem Fall musstest du einfach zuschlagen!
Herzlichen Glückwunsch zu dieser traumhaften Oberrosine !
Das warten hat sich auf alle Fälle gelohnt... und jetzt muss ich erst nochmal ordentliche Luft holen... lachen

Viele Grüße
Klaus
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Kontrollratjunkie
Moderator
Kontrollratjunkie


BeitragThema: Re: Kombinationsbelege - Mischfrankaturen   Sa Okt 18, 2014 1:35 am

Lieber Alfred,

das sind wahrliche Spitzenbelege, vielen Dank für die Vorstellung und vor allem die umfangreichen Informationen dazu. Solche Belege "mit Gesicht" sind tolle Blickfänge und gewinnen noch mit fachkundiger Beschreibung.

Liebe Grüße
Rüdiger, der sichtlich beeindruckt ist
Nach oben Nach unten
balf_de
Mitglied in Bronze
balf_de


BeitragThema: Re: Kombinationsbelege - Mischfrankaturen   Sa Okt 18, 2014 1:43 pm

Hallo Klaus,

@Polarfahrtsucher schrieb:

Das Warten hat sich auf alle Fälle gelohnt... und jetzt muss ich erst nochmal ordentliche Luft holen... lachen

Oh ja, lieber Klaus, Luft holen muss ich jetzt auch ...
Natürlich bin ich stolz auf diese Albumseite, andererseits hat der Erwerb der beiden Briefe mein Briefmarken-Budget nachhaltig gesprengt - ich muss eine ganze Weile kleine Brötchen backen. Aber ich erinnere mich an einen Kommentar eines sehr erfahrenen Sammlerfreundes, der in einem ähnlichen Zusammenhang feststellte, dass der Ärger über das Auslassen einer kaum mehr wiederkehrenden Gelegenheit für einen echten Sammler viel nachhaltiger sein wird als ein momentaner Engpass - die Freude bleibt dauerhaft!

Lieber Rüdiger,

@Kontrollratjunkie schrieb:

Rüdiger, der sichtlich beeindruckt ist

Das ist wirklich nett von dir, dass du mir hier ein freundliches Feedback gibst und gleichzeitig mithilfst, diesen Thread noch etwas länger bei den „neuesten Themen“ im Fokus zu halten. Sonderlich beeindruckend sind die durchschnittlich 10 „Klicks“ pro Tag ja wirklich nicht; vielleicht ist das Briefmarkenforum doch nicht die optimale Plattform für solche postgeschichtlichen Belege. Aber immerhin: mit deiner Unterstützung ist es dem Draufgänger Jean Mermoz bisher gelungen, die wesentlich attraktivere Helene Fischer noch in Schach zu halten (zumindest, was die Anzahl „Klicks“ anbetrifft)  Rolling Eyes ....

Hallo zusammen,

Einen Kombinationsbeleg Zeppelinpost – Seepost – Katapultpost  möchte ich hier noch zeigen, der wie fast alle hierher passenden Belege zu den „Schwergewichten“ meiner Sammlung zählt:


Ob er tatsächlich mit RMS Aquitania der Cunard-Linie die erste Transatlantiküberquerung mitgemacht hat, lässt sich nicht feststellen. Vielleicht war es doch einer der drei im Michel-Katalog genannten Atlantik-Liner „Albert Ballin“, „New York“ oder „Olympia“, mit denen die amerikanische Post nach Europa transportiert wurde, die anschließend per Luftschiff  (zurück) befördert werden sollte.


Jedenfalls erreichte er rechtzeitig am 18. Mai 1930 „Graf Zeppelin“ in Friedrichshafen und machte die Reise via Brasilien nach Lakehurst in New Jersey mit, wo er am 31. Mai ankam. Dies war seine zweite Atlantik-Überquerung.

Offensichtlich war Miss Foley schon aus New York in Richtung Europa abgereist, aber sie hatte im Plaza-Hotel eine Nachsendeadresse hinterlassen – das Hotel Excelsior in Bremerhaven. Nachdem ihr Brief entsprechend auffrankiert worden war – 5 Cent für den Auslandsbrief, 20 Cent für die beschleunigte Beförderung durch den Katapultflug vom Dampfer „Bremen“ aus – wurde er dorthin weitergeleitet. Und damit überquerte er zum dritten Mal den Atlantik.

Viele Grüße
Alfred (balf_de)
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