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 Im Briefmarken-Olymp

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AutorNachricht
Michaela
Admin
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BeitragThema: Im Briefmarken-Olymp   Sa Jun 14, 2008 9:20 am


Eingeschriebener Auslandsbrief vom 8. Mai 1922 von Odessa nach Berlin. Mit 410 250 Rubel leicht überfrankiert. Das Porto eines Auslandseinschreibbriefes war ab 1. Mai 1922 auf 400 000 Rubel erhöht worden.

Dr. Wolfgang Leupold aus Schleiz erhält als einziger Deutscher in Tel Aviv Groß-Gold
Von OTZ-Redakteur Uli Drescher Schleiz. Was für den Sportler die Teilnahme an den Olympischen Spielen, das ist für den Philatelisten die Weltausstellung der Fédération Internationale de Philatélie, der Vereinigung von Philatelistenverbänden aus aller Welt. Im Mai fand sie in Tel Aviv statt und Dr. Wolfgang Leupold (57) aus Schleiz gewann als einziger der deutschen Teilnehmer mit seinem Exponat das begehrte Groß-Gold, die höchste mögliche Einstufung.
Leupold ist Spezialist für Briefmarken aus der Zeit von 1918 bis 1923 in der RSFSR, der Russischen Sozialistischen Förderativen Sowjetrepublik. Sie wurde kurz nach der Oktoberrevolution am 7. November 1917 gegründet und gehörte 1922 zu den Gründungsmitgliedern der neu entstehenden Sowjetunion. Die Zarenherrschaft war gestürzt und die neuen Machthaber, die Bolschewiki und ihre linkssozialrevolutionären Genossen, gestalteten das riesige Land nach ihren Vorstellungen um. "Eine ganz spannende Zeit", sagt Dr. Wolfgang Leupold, der selbst einige Jahre in der ehemaligen Sowjetunion Ökonomische Kybernetik studiert hat und heute als Unternehmensberater selbstständig ist.


"Der 1. Weltkrieg war beendet, im Land tobte aber weiterhin Bürgerkrieg, jetzt der Kampf um die Macht zwischen den Bolschewisten und den konservativen Kräften. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren katastrophal, es herrschte Inflation und Hungersnot. Philatelistisch bilden diese fünf Jahre ein hoch interessantes Kapitel im Sammelgebiet Russland/UdSSR, die wirtschaftliche und politische Lage spiegelt sich auch in der Philatelie wieder: Provisorien und Aushilfsausgaben, Weiterverwendung zaristischer Ausgaben, laufende Tarif-Anpassungen, Markenmangel und Lokalausgaben sowie Bürgerkriegsausgaben", schreibt er u.a. in den Erläuterungen zu seinem vergoldeten Exponat, das genau den Zeitraum von 1918 bis 1923 umfasst. "Es gab sogar eine Zeit des Postkommunismus von 1919 bis zum 14. August 1921, in der das Porto für normale Briefe gar nichts kostete. Offiziell hieß es, es sollen Arbeiterklasse und Bauernschaft mehr miteinander korrespondieren", erzählt Leupold eine kleine Episode aus dieser Zeit. Nur für Sonderleistungen wie Einschreiben sei damals Porto fällig geworden.

Leupold hat in den vergangenen 30 Jahren alles zusammengetragen, was man aus dieser Zeit finden kann. Fragt man ihn nach den Quellen, schmunzelt der Experte. "Vieles hat richtig Geld gekostet, denn es sind Raritäten darunter, die es weltweit nur in wenigen Exemplaren gibt." Man müsse die Augen offen halten, Auktionen und diverse Veröffentlichungen beobachten.

Besonders stolz ist Dr. Wolfgang Leupold darauf, den Werdegang der ersten von der Sowjetmacht herausgegeben Briefmarke erforscht zu haben. Er besitzt sowohl den ersten Entwurf, der seinerzeit nach einem Wettbewerb von einer Jury zum Sieger gekürt wurde, als auch die Probedrucke bis zur ersten fertigen Marke.

Nach welchen Kriterien urteilt die internationale Jury bei der Bewertung eines solchen Exponates? "Es geht nicht nur darum, besondere Briefmarken schlechthin zu zeigen, sondern sie im geschichtlichen Zusammenhang darzustellen, warum z.B. bestimmt Motive gewählt wurden, die auch die Machtverhältnisse ausdrücken, oder unter welchen Schwierigkeiten und wirtschaftlichen Zwängen sie herausgegeben wurden", erklärt Dr. Leupold, der inzwischen selbst zu den internationalen Juroren gehört. Das erkenne man zum Beispiel am verwendeten Papier, an der Sauberkeit der Drucke, der verwendeten Farben, an Plattenfehlern oder der Zahnung der Marken. Oft hatte die galoppierende Inflation den Wert der Marken schon bei der Ausgabe überholt. Man behalf sich mit nachträglichen Aufdrucken und ganzen Markenseiten, die den Postsachen beigelegt bzw. auf die gesamte Sendung verteilt aufgeklebt wurden.

Für die Teilnahme an internationalen Ausstellungen der Philatelisten muss man bestimmte Kriterien erfüllen. "Als ich vor zwei Jahren in Malaga Gold bekam (OTZ berichtete), da hatte ich fünf Rahmen zu gestalten mit insgesamt 80 Blatt. Wenn man Gold hatte und das nächste Mal ausstellt, dann muss man schon 128 Blatt, das sind acht Ausstellungsrahmen, präsentieren."

Der Schleizer Philatelist plant bereits ein neues Projekt: die Flugpostmarken der ersten deutsch-russischen Luftpostlinie "Deruluft", die 1922 gegründet wurde. "Beim Erscheinen der ersten Flugpostmarke reichte der Nennwert von 45 Rubeln nicht mehr für einen Luftpostbrief aus, der Tarif war inzwischen bei 150 Rubel angekommen. Außerdem war wegen des hereinbrechenden Winters der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt", erzählt Leupold eine Story zu dieser Marke, die er natürlich auch hat. Das wird aber Thema einer anderen Geschichte.

Den Erfolg des Schleizer Philatelisten in Tel Aviv trübt nur ein kleiner Wermutstropfen. "In der DDR gab es keine Briefmarken-Weltausstellung, weil wir damals das Gold nicht hatten für die seinerzeit echte Goldmedaille. Heute wäre das wohl kein Problem mehr, aber die Medaille ist inzwischen nicht mehr aus Gold."


13.06.2008

otz

_________________
Liebe Sammlergrüsse
Eure Michaela
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Jasper McIntyré
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BeitragThema: Re: Im Briefmarken-Olymp   Mi Jun 25, 2008 8:28 pm

Hallo,

Zitat :
"In der DDR gab es keine Briefmarken-Weltausstellung, weil wir damals das Gold nicht hatten für die seinerzeit echte Goldmedaille. Heute wäre das wohl kein Problem mehr, aber die Medaille ist inzwischen nicht mehr aus Gold."

Oh, ja das war schon eine schlimme Zeit, heute ist es wirklich einfach an Gold heran zukommen. Ich frage mich nur warum die Medaille nichtmehr aus Gold ist? Gold verfällt doch nicht, oder doch?

lg Jasper
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