Briefmarken - Forum
Herzlich Willkommen im Briefmarken Forum Österreich!
Um alle Beiträge sehen und lesen zu können, muss man angemeldet sein. Ein Anmeldung ist kostenlos und unverbindlich.
*******************************************************
Welcome to the Forum Stamps Austria!
To see and read all the posts, you have to be registered. A registration is free and without obligation.

---->ANMELDUNG






Briefmarken - Forum
 
StartseitePortalKalenderFAQSuchenAnmeldenLogin
Neueste Themen
» UNO - Briefmarken?
von fodof Heute um 11:34 am

» Österr. 1922-1938 suche Kaufgelegenheit
von fodof Heute um 11:24 am

» Inflation in Österreich - Belege - 1918 bis 1925
von gabi50 Gestern um 9:47 pm

» Briefmarken-Kalender 2018
von Gerhard Gestern um 7:35 pm

» Bitte um Hilfe Korrespondenzkarte
von gabi50 Gestern um 10:29 am

» Schönes Österreich
von wilma So Apr 22, 2018 10:21 pm

» Wappenzeichnung - ANK 714-736 - Belege
von wilma So Apr 22, 2018 9:31 pm

» Südamerikafahrt 1930, Post nach Pernambuco
von balf_de So Apr 22, 2018 12:08 pm

» Österreich 1925 - 1938
von kaiserschmidt So Apr 22, 2018 9:46 am

» Sammlung Bedarfsbriefe Österreich ab 1945
von wilma Sa Apr 21, 2018 7:28 pm

» Hrastnigg
von gabi50 Fr Apr 20, 2018 8:52 pm

» Österreich im III. Reich (Ostmark) Belege
von kaiserschmidt Fr Apr 20, 2018 10:11 am

» Taxermäßigung im Grenzverkehr/Rayon Limitrophe = Grenzrayon
von kaiserschmidt Fr Apr 20, 2018 10:02 am

» Automatenmarken aus Münzwertzeichendruckern
von wilma Do Apr 19, 2018 7:18 pm

» Leuchttürme
von klaber Do Apr 19, 2018 6:08 pm

» Bitte um Hilfe Aufgabs - Recepisse
von gabi50 Do Apr 19, 2018 3:12 pm

» Bitte um HILFE bei Identifizierung einer Marke!
von myrtlealexander Do Apr 19, 2018 2:42 pm

» Briefe oder Karten von/an berühmte oder bekannte Personen
von MaxPower Do Apr 19, 2018 10:50 am

» Österreichische Zensuren nach 45
von wilma Mi Apr 18, 2018 8:47 pm

» Bauwerke und Baudenkmäler "Bautenserie"
von gabi50 Mi Apr 18, 2018 7:20 pm

» Österreich-Ungarn - Fragen zu Stempeln
von x9rf Mi Apr 18, 2018 11:00 am

» NEU: Sondermarke „Sport und Wasser - Segeln"
von Gerhard Di Apr 17, 2018 7:30 pm

» NEU: Sondermarke „Sport und Wasser - Kitesurfen"
von Gerhard Di Apr 17, 2018 7:25 pm

» NEU: Sondermarke "Sport und Wasser - Wasserski"
von Gerhard Di Apr 17, 2018 7:21 pm

» Abstimmung für den Bilderwettbewerb im April 2018
von Michaela Di Apr 17, 2018 7:56 am

» Zeppelinbrief
von gabi50 Mo Apr 16, 2018 8:14 pm

» Verwendung von Portomarken in Österreich
von kaiserschmidt Mo Apr 16, 2018 7:38 pm

» Privatganzsachen 1.Republik
von Gerhard Mo Apr 16, 2018 6:26 pm

» Werbeumschläge und -karten aus Österreich
von gabi50 Mo Apr 16, 2018 6:08 pm

» Landschaftsbilder ANK 738-766 - Belege
von kaiserschmidt Mo Apr 16, 2018 9:39 am

» Schmetterlinge und Libellen - Kleine bunte fliegende Juwele
von klaber So Apr 15, 2018 7:31 pm

» Heilpflanzen
von klaber So Apr 15, 2018 6:08 pm

» postlagernd
von wilma So Apr 15, 2018 4:54 pm

» LZ127 Fahrt nach Recife 22.5.1930
von balf_de Sa Apr 14, 2018 12:17 pm

» Unbekannte Briefmarke
von Michael D Fr Apr 13, 2018 7:36 pm

» Seltener Stempel
von klaber Fr Apr 13, 2018 6:11 pm

» Bilderwettbewerb im April 2018
von gesi Fr Apr 13, 2018 2:45 pm

» Wiener Stadtpost Stempel - Fahnenstempel
von Gerhard Do Apr 12, 2018 8:30 pm

» NEU: Sondermarkenblock „150 Jahre Bezirkshauptmannschaften“
von Gerhard Do Apr 12, 2018 7:52 pm

» Hohenmauthen
von gabi50 Do Apr 12, 2018 7:17 pm

» Hochschwabgebiet
von gabi50 Mi Apr 11, 2018 9:15 pm

» Unbill des Pfadfinder-Lebens
von Gerhard Mi Apr 11, 2018 6:43 pm

» Belege der Besatzungsmächte in Österreich
von kaiserschmidt Mi Apr 11, 2018 11:24 am

» NEU: Sondermarke „Europa 2018 - Schemerlbrücke Wien“
von Gerhard Mi Apr 11, 2018 10:48 am

» Die Auslandsexpreßgebühr ab 1.9.1918
von kaiserschmidt Mi Apr 11, 2018 10:05 am

» Zeppelin - ungewöhnliche und seltene Destinationen
von balf_de Mo Apr 09, 2018 9:41 pm

» 50 Jahre Polarfahrt Luftschiff Graf Zeppelin
von toroemer Mo Apr 09, 2018 8:06 pm

» Drucksorten der Post - Nachsendungsantrag
von gabi50 Mo Apr 09, 2018 6:46 pm

» Lufthansa Erstflüge
von Quasimodo Mo Apr 09, 2018 3:05 pm

» Hirschegg
von gabi50 Sa Apr 07, 2018 4:45 pm

» 1856 Brief von Ragusa nach Triest
von gabi50 Do Apr 05, 2018 6:08 pm

» Neuausgaben 2018 Deutschland
von Gerhard Do Apr 05, 2018 5:26 pm

» Österreich - Ergänzungsmarke
von wilma Mi Apr 04, 2018 7:20 pm

» Lochstreifen
von sir Skippy Mi Apr 04, 2018 6:34 pm

» Österreich 2. Währungsreform 10.12.1947 - Belege
von kaiserschmidt Mi Apr 04, 2018 10:56 am

» Hofstätten
von gabi50 Di Apr 03, 2018 8:48 pm

» Zollausschlussgebiete
von gabi50 Mo Apr 02, 2018 8:04 pm

» Österreich, Briefmarken der Jahre 1975 - 1979
von Markenfreund49 Mo Apr 02, 2018 3:15 pm

» Notmaßnahmen und Provisorien bei Postkarten 1945-1948
von wilma So Apr 01, 2018 9:21 pm

» Ostsachsen (OPD Dresden) -Sowjetische Besatzungszone-
von Angus3 So Apr 01, 2018 5:50 pm

» Gebühr bezahlt in der OPD - Zeit
von Angus3 So Apr 01, 2018 3:21 pm

» Flugpost nach Österreich
von kaiserschmidt So Apr 01, 2018 9:43 am

» Siegerbild im März 2018
von Michaela So Apr 01, 2018 8:55 am

» NEU: Sondermarke „650 Jahre Österreichische Nationalbibliothek“
von Gerhard Sa März 31, 2018 11:47 pm

» NEU: Sondermarke „Hotel Sacher“
von Gerhard Sa März 31, 2018 11:37 pm

» Heilbrunn
von gabi50 Sa März 31, 2018 9:17 pm

» Vorphilatelie Österreich - Briefe aus der Vormarkenzeit
von x9rf Fr März 30, 2018 4:12 pm

» Allgemeine Ausgaben der Sowjetischen Besatzungszone
von Angus3 Fr März 30, 2018 1:55 pm

» Abstimmung für den Bilderwettbewerb im März 2018
von muesli Fr März 30, 2018 11:31 am

» Hieflau
von gabi50 Do März 29, 2018 7:17 pm

» "Die Briefmarke" ab Februar 2018 vom Schwaneberger Verlag gestaltet.
von wilma Do März 29, 2018 6:42 pm

» Postanweisung
von gabi50 Do März 29, 2018 1:49 pm

» Bitte um Hilfe bei alten Schweizer Briefmarken
von Kontrollratjunkie Mi März 28, 2018 10:08 am

» Die erste Österreichische Ausgabe 1850
von Geo Di März 27, 2018 10:20 pm

» Briefe / Poststücke österreichischer Banken
von wilma Di März 27, 2018 7:21 pm

» Dispenser Rollenmarke
von Gilg Di März 27, 2018 5:54 pm

» Versch. Ansichtskarten
von kaiserschmidt Di März 27, 2018 11:07 am

» Irrläufer Belege Österreich // Sammlerpost International vor dem I. Weltkrieg
von kaiserschmidt Mo März 26, 2018 3:28 pm

» Hafning
von gabi50 Mo März 26, 2018 2:10 pm

» Haus.
von gabi50 So März 25, 2018 4:54 pm

» Österreich, Briefmarken der Jahre 1945-1949
von Markenfreund49 So März 25, 2018 4:03 pm

» Abstimmung für das Thema für den Bilderwettbewerb April 2018
von Michaela So März 25, 2018 8:48 am

» Sudetenland - Ausgabe für Reichenberg
von Kontrollratjunkie Sa März 24, 2018 10:53 pm

» Flugpostfaltbriefe (Aerogramme)
von wilma Sa März 24, 2018 8:49 pm

» Hradcany - Hradschin
von Gerhard Sa März 24, 2018 6:31 pm

» Amtliche FDC der Berliner Magistratsverwaltung
von Kontrollratjunkie Fr März 23, 2018 11:19 pm

» Zu verschenken
von kaiserschmidt Fr März 23, 2018 7:40 pm

» Dreister Diebstahl im Postachiv Bonn?
von Kontrollratjunkie Do März 22, 2018 6:45 pm

» Freimarken-Ausgabe 1867 : Kopfbildnis Kaiser Franz Joseph I
von x9rf Do März 22, 2018 10:47 am

» Hausmannstätten
von gabi50 Mi März 21, 2018 4:56 pm

» Gesucht: Posttarife Italiens ab 1918
von dicampi Mi März 21, 2018 3:50 pm

» Posthornzeichnung - ANK 697-713 - Belege
von gabi50 Mi März 21, 2018 2:26 pm

» Sonderstempel aus Österreich vor dem 11.3.1938
von kaiserschmidt Mi März 21, 2018 8:54 am

» Schrift unleserlich - was steht da?
von gabi50 Di März 20, 2018 11:38 am

» Berlin - Brandenburg (OPD Potsdam) -Sowjetische Besatzungszone-
von Angus3 Di März 20, 2018 12:08 am

» NEU: Sondermarke „Altarbereich Passion 10, Heilig-Geist-Kirche in Wien-Ottakring“
von Gerhard Mo März 19, 2018 8:50 pm

» Hatzendorf
von gabi50 So März 18, 2018 1:03 pm

» Südamerikafahrt 1930, Post nach Lakehurst
von Polarfahrtsucher So März 18, 2018 10:46 am

» Ansichtskarten der Luftschiffe
von Kontrollratjunkie Sa März 17, 2018 8:25 pm


Teilen | 
 

 Ein Piefke in der Alpenrepublik

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Michaela
Admin
avatar


BeitragThema: Ein Piefke in der Alpenrepublik   Sa Jun 14, 2008 9:23 am

Dirk Stermann über kulturelle Unterschiede Wintersemester 1987/88. Ein Freund fuhr mich mit seinem alten Taxi von Düsseldorf nach Wien. Ein Kompass pickte am Armaturenbrett. Die Nadel zeigte lang nach Süden, dann immer nur mehr nach Osten. Meine Mutter kommt aus der DDR, mein Vater sagte deshalb immer, sie sei Russin. Ich fühlte mich auf den Spuren meiner Mutter. 1987 war Wien das Ende der Welt. Ich hatte niemanden gekannt, der schon einmal in Wien war.

In Deutschland weiß man traditionellerweise sehr wenig über Österreich. Ich wusste, wie die Briefmarken aussahen, weil meine Großmutter gern ins Salzburger Land im Sommer fuhr. Sie lernte dort einmal das schwedische Skinationalteam kennen, sie unterschrieben alle auf einer Autogrammkarte, ich kannte niemanden, weil ich mich noch nie fürs Skifahren interessiert hatte. Meine Oma war enttäuscht, dabei kannte sie auch keinen der abgebildeten Skistars. Meine Oma sagte "ich fahr wieder nach Österreich", sie sagte aber auch "Ich geh jetzt nach 2000", so hieß ihr Supermarkt. Klingt jetzt sehr zielorientiert das "nach", war aber einfach nur ein Grammatikfehler. Wie hat Alfred Dorfer mal gesagt? Die Deutschen gehen zur Schule, die Österreicher auch rein.
Hotel Sacher und Kottan
Als Kind war ich einmal in Wien gewesen. Mein Bruder hatte in der Kaisergruft pfeifen gelernt und ich hatte mich beeindruckt gezeigt von den prachtvollen Marmortoiletten im Hotel Sacher. Das war Ende der 1970er Jahre. Damals fuhren Wiener noch nach München, um zu sehen, wie es im Westen ausschaut. Erzählte mir später mal ein ORF-Techniker.

Das Taxi hatte einen Motorschaden. Der Düsseldorfer Freund fuhr in eine Werkstatt im dritten Bezirk. Ein Hinterhof, der Mechaniker sah aus wie der Einbeinige bei Kottan und auch der Hinterhof sah aus wie bei Kottan. Das war Pflichtschauen bei meinem Vater und "der erste Kommissar war der beste Kottan" sein Mantra. "Hat sich umgebracht" der ständige Nachsatz, so lag über Wien für mich auch immer etwas Düsteres, auch wenn mein Vater den Tod eher Wienerisch sah. Der hat's geschafft, hieß es immer, wenn die Nachricht kam, dass wer gestorben sei und schon bei meiner Geburt hatte er zu den Krankenschwestern gesagt: der erste Schritt zum Tod. Aber was alles dazwischen liegt, versuchten es die rheinischen Schwestern positiv. Wenn's hoch kommt Not und Trübsal, schmetterte mein Vater jeden Versuch ab, Optimismus für eine Option zu halten.

Prag, Brno, Budapest stand auf den Verkehrsschildern, das hatte Mitte der 1980er Jahre noch etwas von verbotener Welt. Mit 15 war ich in der DDR gewesen, das war das fremdeste, was ich jemals gesehen hatte. Fremder als Kairo oder Saigon. Dieses Gefühl hätte ich gern wieder einmal gehabt. Ewig schade, dass die Mauer fiel. Jetzt ist alles gleich. Aber 1987 war der Wegweiser "Brno, Praha, Budapest" noch geheimnisvoll, eiserner Vorhang, wie das schon klang. Da lief's einem ja über den Rücken und jetzt wohnte ich kurz davor. Die Hutwölbung
Mein Uropa hatte einmal in der Salzburger Innenstadt einer alten Frau auf die Wölbung ihres Hutes gehauen. Diese Wölbung reizte ihn immer maßlos. Diese Wölbung musste er einfach hinunterdrücken. Der Salzburgerin gefiel das zu Recht nicht. Diese Geschichte kannte ich, das war die einzige, in der meine Ruhrpott-Familie einmal mit Österreichern in Kontakt getreten war. Wobei mir jetzt einfällt, dass ich mit vier Jahren einmal im Sommer am Wörthersee war. Ein Bauernhof mit Pool. Mein Bruder war frischgeboren und schrie ununterbrochen und ein Schwein wurde geschlachtet. Als Touristenattraktion wurde ich in den Stall geführt und sollte zusehen. Ich lief hinaus, aber in den nächsten Tagen musste ich immer an einer riesigen Tonne vorbei, die bis oben hin mit Blut gefüllt war. Die Schreie des Schweins hab ich noch immer Ohr, die Schreie meines Bruders nicht mehr. Aber auch das war Österreich. Gefährlich, Tonnen voller Blut. Damals war ich auch schon ein Piefke gewesen, wusste es aber nicht. Kinder wissen meistens noch nicht, dass sie Tschuschen, Piefke, Ösis oder Katzlmacher sind. Oachkatzlschwoaf
Wenn man dann drauf kommt, dass man Deutscher ist, ist das eine mittlere Katastrophe. Viel uncooler kann eine Nationalität nicht sein. Spießig und schuldig, na bravo, lieber Gott, was für eine Mischung. Darum hab ich mich früh international gegeben. Lernte Sprachen, reiste viel und wenn man mich fragte, woher ich komme, nuschelte ich oder sagte Europa. Ich glaube, dass die Deutschen die EU so gerne haben wollten, weil sie jetzt immer sagen können, sie seien Europäer. Deutschland nervte und Wien hatte als vorübergehende Wahlheimat etwas freakiges.

Ich kannte niemanden außer mir, der nach Wien ging und fühlte mich alleine schon deshalb wohl. Deutschland hinter mir gelassen, herrlich, Südosteuropa vor mir. Bereit für alles fremde, ohne jedes Vorurteil, weil ich mir noch nie Gedanken über dieses Land und seine Bewohner gemacht hatte. Ich hatte keine Meinung von Österreich und den Österreichern und freute mich. Aber womit ich nicht gerechnet hatte: jeder Österreicher hatte eine Meinung zu den Deutschen. Alle hatten sich Gedanken über Deutsche, Deutschland und typisch deutsches gemacht und ich war plötzlich, stärker als je zuvor, deitsch wie man nur deitsch sein kann. Nachdem ich versucht hatte, Deutschland hinter mir zu lassen, wurde ich Wien zum täglichen Deutschsein verurteilt.

Am ersten Abend, in einem Lokal im sechsten Bezirk, ich saß mit Hobbydramaturgen der Gruppe 80 in einem Gumpendorfer Lokal, begann man über Peymann zu schimpfen, was ja völlig okay ist, aber aufgrund seiner Herkunft. Ich, als naiver Internationalist, versuchte Wogen zu glätten, aber die Damen und Herren freie Theaterschaffende spuckten fast vor Erregung und brüllten: alle Deutschen sind präpotent.

Beim nächsten Urlaub, als meine Oma erzählte, sie sei nach 2000 gegangen, weil "et dort gerade so billige Kartöffelchen gibt, dat hat mir et Änne erzählt", sagte ich ihr, sie sei präpotent und meine dicke Tante Lotte, fast 200 Kilo schwer, mit einer riesigen Tüte Chips in der Hand, also einem Chips-Sackerl, nickte lachend und meinte, wenn präpotent heißt, dass man Zähne am Arsch hat, das hätte sie auch, das sei ein Zwilling, sagt der Arzt.

Ich verließ meine präpotenten Verwandten, die als Großsippe in einem Arbeiterhaus in Duisburg lebten und drei Großonkeln und mein Urgroßvater zusammen nur 20 Finger hatten, die anderen lagen in der Fabrik. Ich fuhr, wie meine Oma mal richtig sagte, wieder "nach Wien".

Wenig Beliebteres gibt es, als Deutsche Oachkatzlschwoaf sagen zu lassen. Manchmal täglich, manchmal im Minutentakt. "Sag mal Oachkatzlschwoaf!". Noch nie hab ich irgendjemanden im Alltag Oachkatzlschwoaf sagen hören, aber auch schon früher in Deutschland hab ich nie das Wort Eichhörnchenschweif gebraucht, nicht mal im Biologieunterricht. Demonstrieren im Kaffeehaus
Deutsche lieben es, wenn Wiener sprechen. Deutsche glauben, alle Wiener sprächen so wie Andre Heller. Für Wiener wiederum klingen Deutsche immer wie ein stotternder, knatternder Leopard II Panzermotor. Aber irgendwie gescheit. In der Uni, wenn ich während eines Seminars mal pinkeln musste und mich meldete, Entschuldigung, ich muss mal pinkeln, da hörte ich, wie ein Raunen durch den Raum ging: pfoah, ist der gscheit. Weil ich auf Hochdeutsch pinkeln kann! Aber vielleicht lag's auch an dem Fach Theaterwissenschaft, wo vielleicht so ein Satz schon ganz klug wirkt.

Aber mein Studium in Wien fand nicht wirklich statt, weil 1987 gestreikt wurde. Streiks kannte ich aus Deutschland von der Uni, neu war hier, dass während der Demos ständig Demonstranten in Kaffeehäusern verschwanden und dort am Tisch scheinbar weiterdemonstrierten. Da waren die deutschen Studenten pflichtbewusster bei den Demos. War das überhaupt eine Demo? Im Radio, auf Ö1, hörte ich 1987 ein Interview mit der deutschen Schauspielerin Julia von Sell, die mit Peymann zusammen aus Bochum ans Burgtheater gewechselt war. Auf die Frage, die eigentlich eher eine Feststellung war: Und werden Sie in Wien bleiben? Antwortete sie: Ich weiß noch nicht. Wissen Sie, in Bochum fragen dich die Leute, willst du ein Butterbrot, ja oder nein? Und du sagst ja oder nein. Aber in Wien weißt du nie, was die Frage bedeutet." Scheipi
Weil das Studium einfach nicht los ging und weil ich nicht wusste, dass man nur über Beziehungen zum ORF kommen kann, bewarb ich mich und fing sang und klanglos an als freier Mitarbeiter zu arbeiten. Mein Chef beim Fernsehen, wo ich Texte für Fernsehansagerinnen schrieb, begrüßte mich jeden Morgen mit : Morgen Scheipi, lange wusste ich nicht, was Scheipi heißen könnte, bis mir meine Lieblingsfernsehansagerin erklärte, das hieße Scheiß Piefke. Ihr schrieb ich übrigens die besten Ansagen, für alle anderen blieb nur, jetzt in FS1 und gleich in FS2. Der Abteilungsleiter empfahl mir einen Entpiefkenisierungskurs bei der großartigen Sprechlehrerin Eva Wächter. Ich entgegnete, dass ich ja nicht selber im Fernsehen die Ansagen spräche, ich schriebe sie ja nur, ja, klar, sagte der Abteilungsleiter, das ist wegen der Kontakte am Gang, damit die Leute nicht merken, dass Sie Deutscher sind. War das alles wegen meinem Urgroßvater? Weil er der alten Frau in Salzburg auf den gewölbten Hut geklopft hatte? Baba als Hallo
Meine Würstelfrau am Naschmarktstadl war die erste, die das Eis brach. Ein Jahr lang hab ich bei ihr fast täglich eine Wurst gegessen. Käsekrainer mit süßem Senf und Brot. Ein Jahr lang hat sie nichts gesagt. Weder bei der Bestellung noch bei der Verabschiedung. Nach einem Jahr sagte sie plötzlich und unvermittelt: "Ich habe Verwandte in Münster. Sind ganz liebe Leut." Ich hab mich fast verschluckt. Ich verabschiedete mich, drehte mich um und hörte dann: "Baba". Das war, nach einem Jahr, wie ein Hallo. Text: Dirk Stermann

orf1.at

_________________
Liebe Sammlergrüsse
Eure Michaela
Nach oben Nach unten
 

Ein Piefke in der Alpenrepublik

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Briefmarken - Forum  :: Briefmarken Allgemein :: News/Schlagzeilen-
Tauschen oder Kaufen