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Mozart
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Mozart


bayern - Poste restante Empty
BeitragThema: Poste restante   bayern - Poste restante EmptyDi Feb 05, 2008 12:36 am

In der Kreuzerzeit war es so, dass der Absendervermerk Poste restante für die Abgabepost bindend war.

Ein Brief mit diesem Vermerk wurde bei der Ankunft in das Restantebuch in der Reihenfolge des Eingangs mit eigener Nummer eingetragen, die auch auf dem Brief zu vermerken war.
Die Frist wurde auf 3 Monate vom Datum des Eingangs festgesetzt. Manchmal findet man solche Fristen noch aufgeschrieben auf nicht abgeholten Briefen.

Eine Ausnahme bildeten eingeschriebene Restantebriefe, die 6 Monate verwahrt werden mussten.

Jeder Restantebrief kostete 4 Kr. Restantegebühr, die der Empfänger zu zahlen hatte und die allein dem Expeditor zustand (als Emolument, also Teil seines Gehalts). Diese 4 Kr. Gebühr wurde aber nur selten auf dem Brief - gewissermassen als Quittung - notiert.

Die Abholung bei bekannten Personen war kein Problem, da man sich ja kannte. Bei Fremden war die Vorlage eines Ausweises und die Unterschrift im Restantebuch notwendig, um an seinen Brief zu gelangen.

Bei eingeschriebenen Restantebriefen genügte nicht einmal das - man musste nicht nur seinen Reisepass (damals noch ohne Lichtbild) vorzeigen, sondern benötigte auch einen Einheimischen, postbekannten Ehrenmann, der mit dem Empfänger zusammen im Restantebuch bei der Aushändigung unterschreiben musste.

Restantebriefe durften auch als Adresse nur Chiffren oder Codes haben.
Dann stand da: An MM77FE poste restante in München. Der Empfänger brauchte nun nur einen Zettel mit dieser Chiffre oder dem Code vorzeigen und konnte seinen Brief in Empfang nehmen.
Auch das war in Ordnung, denn nur in diesen Fällen war eine Adresse ohne Namen und Stand zulässig.

War die Lagerfrist überschritten, musste der Brief mit dem Vermerk "keine Nachfrage", "keine Abholung" o. ä. versehen und der Aufgabepost zurückgesandt werden. Im Restantebuch war dies zu vermerken. Die 4 Kr. bekam niemand, da sie nur bei Auslieferung an den Empfänger zahlbar waren.

Wollte ein Abgereister, dass ihm seine Restantebriefe nachgesandt werden, dann musste dieses Verlangen schriftlich vorliegen (wie bei deiner Karte!). Er wurde dann an seine neuen Zielort als Restantebrief gesandt und als Restantebrief wieder eingetragen. Als Zeichen, dass die Nachsendung trotz Restantevermerk gewünscht war, musste der Expeditor auf der Vorderseite bei der Adresse "auf Verlangen nach ..." notieren.

Ab 1868 war das alles Geschichte, denn die 4 Kr. Restantegebühr waren ersatzlos weggefallen
Später wurde die Bezeichnung postlagernd eingefürt. Die gute alte Zeit war endgültig vorbei.

Bremen Taxis 3 Sgr. p. r. nach München vom 26.4.1859. Am 28.4. erhielt er die Restantenummer 141 und wurde innerhalb von 3 Monten abgeholt. Die 4 Kr., die der Abholer bezahlte, wurden - wie so oft - nicht auf dem Brief vermerkt.
bayern - Poste restante Pr_0110

Dass es auch anders ging, zeit uns ein Brief aus Mainz Taxis nach Bad Kissingen vom 3.8.1864 mit 6 Kr. Frankatur. In Mainz hatte man mit roter Tusche neben "frei" die 6 notiert, die nach der Frankatur durch Marken obsolet geworden war. Bei der Ankunft in Kissingen strich sie der dortige Expeditor durch, und notierte statt dessen seine 4 Kr. in blau, um Verwechselungen vorzubeugen.

Nur ganz wenige Briefe mit p.r. zeigen die Restantegebühr. Seine Restantenummer wurde aber nicht angegeben.

bayern - Poste restante Pr_0210

Aus dem ersten Monat des Postvereins stammt folgender Brief aus Venedig vom 25.7.1850 p.r. nach München. Am 29.7. kam er dort an, doch der Adressat war mittlerweile nach Aachen verreist. Ein Glück, denn Österreich, Bayern und Preußen waren alle schon zu diesem frühen Zeitpunkt Mitglied des DÖPV. Offenbar lag ihm eine schriftliche Anweisung vor, seine Post nach Aachen weiter zu leiten, denn am 1.8. wurde er, noch immer p. r., in Aachen angeliefert.
Der Satz "Auf Verlangen nach Aachen" wurde vergessen, in München hatte man wohl andere Probleme!

Die neben p. r. in schwarz notierte 4 war die Gebühr der Weiterleitung mit 4 Silbergroschen von München bis Aachen. Da p. r. Briefe bei einer Nachsendung als ausgeliefert (der Münchner Post!) galten, kosteten sie die volle Gebühr von 4 Sgr., die Preußen später in blau nochmals notierte. Da keine Auslieferung in München erfolgte, bekam der Münchner Postler nichts.

bayern - Poste restante Pr_0310

Umgekehrt konnte es auch laufen: Reichenhall am 25.1.1864 nach Venedig.
Bayern bekam von der österreichischen Post 20 Neukreuzer = 12x rheinisch gut geschrieben.

bayern - Poste restante Pr_0410

Kuvert aus Winterlingen in Württemberg vom 18.8.1865 p. r. nach Regensburg. In Regensburg lag ein Nachsendeauftrag nach Ulm vor, so dass der Regensburger "Auf Verlangen nach Ulm" notierte und 9 Kr. für die Nachsendung dorthin kassieren liess.
bayern - Poste restante Pr_0510

Ein Brief, der sich einem nicht unbedingt auf Anhieb erschliesst, aber der ungemein reizvoll ist, stammt aus dem Schweizerischen Boudry vom 10.7.1853. Er lief zuerst p. r. nach München. Für die CH kamen so 6 Kr. und für Bayern 9 Kr. in Ansatz, zusammen also 15 Kr..

Dort war er nicht mehr, aber man hatte wohl einen Nachsendeauftrag nach Herrnhut in Sachsen, so dass man den Vermerk des zuvor geposteten Briefes auf den kleinen Damenkuvert wegliess und ihn mit 3 Neugroschen in schwarz neu taxierte.

Auch in Herrnhut war dem Empfänger nicht zu erreichen, denn er weilte in Dresden. Die sächsische Post leitete ihn aber gebührenmässig nicht als Restantebrief weiter, obwohl er das noch immer war, sondern kostenlos nach dorthin. Endlich erreichte er am 16.7. für 8 Neugroschen seinen Empfänger.

bayern - Poste restante Pr_0610

Auch wenn die ganz grosse Masse der p. r. gestellten Sendungen Briefe waren, gab es diesen Postsonderdienst auch bei den später eingeführten Postkarten.
Hier eine 2 Kr. Postkarte aus Berchtesgaden vom 10.7.1874 nach Innsbruck mit Vermerk p. r..

Am Folgetag konnte man sie aber nicht zustellen, denn der Berliner Empfänger war schon nach Berlin zurückgefahren, so dass man die alte Adresse mitsamt dem Poste restante Vermerk strich und die Karte ohne diese Anweisung nach Berlin umdirigierte.
Auch hier muss ein Schreiben des Adressaten in Innsbruck vorgelegen haben, ihm seine Poststücke nach Hause zu senden, und nicht p. r. in Berlin lagern zu lassen.

bayern - Poste restante Pr_0710

... und weil das Beste immer zum Schluss kommen sollte, noch ein veritables Unikat hinterher:

7 Kr. Postanweisung über 15 Gulden von Immenstadt nach Stuttgart vom 11.5.1875. Die Überweisung lief telegraphisch, daher der Postvermerk
"Per Telegraph". Es war also eine Expreßpostanweisung von Bayern nach Württemberg.

Auch wenn das Gegenteil von Expreß eigentlich "postlagernd" darstellen könnte, denn das eine bedeutet sofortiges Austragen, das andere längeres Liegenlassen, ist es hier so gewesen, dass die Abgabepost in Stuttgart eben nicht mit einem Boten (Expressen) versuchen sollte, den Empfänger mit dem Geld zu erreichen, sondern der Empfänger wusste, dass er das Geld sofort auf der Stuttgarter Hauptpost abholen konnte. Der Stuttgarter Expresse hätte sonst noch 9 Kr. entweder vom Empfänger oder vom Absender bekommen.

bayern - Poste restante Pr_0810

Ein herzliches Danke an @bayern klassisch für Bild- und Textmaterial!
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Michaela
Admin
Michaela


bayern - Poste restante Empty
BeitragThema: Re: Poste restante   bayern - Poste restante EmptyDi Feb 05, 2008 12:11 pm

:DK: an bayern klassisch für Bild- und Textmaterial
und auch ein :DK: an Mozart

Liebe Sammlergrüsse
Eure
Michaela
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bayern klassisch
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bayern klassisch


bayern - Poste restante Empty
BeitragThema: Poste restante aus dem Krieg 1870/71 von Frankreich nach Bayern   bayern - Poste restante EmptySo Apr 20, 2008 1:43 pm

Aus einer Periode, aus der es überhaupt kaum Post gibt/gab, zeige ich mal einen Poste restante Brief, der frankiert mit 40 Centimes am 18.10.1870 aus Frankreich wegen den Krieges 1870/71 über die neutrale Schweiz im geschlossenen Transit über München ausgetauscht wurde.
Die Aufgabepost in Voiron stempelte nicht P.D. für ganz bezahlt, sondern nur mit P.P., für Porto partielle, also teilfrankiert. Das war verwunderlich, denn 40 C. = 12 Kr. war die Gebühr des einfachen Frankobriefes, wie hier, und die Kosten für den Transit durch die CH wurde nicht den Adressaten weiterbelastet, sondern intern unter den Postverwaltungen verrechnet.
Er wurde 3 Monate lang gelagert und scheint, da andere Vermerke fehlen, in dieser Zeit dort abgeholt worden zu sein. Eine Restantegebühr für den dortigen Expreditor gab es ab dem 1.1.1868 nicht mehr.
Ob sich je ein zweiter finden wird?

Beste Grüsse von bayern klassisch

bayern - Poste restante Img_0013
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Bayern-Nils
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bayern - Poste restante Empty
BeitragThema: Re: Poste restante   bayern - Poste restante EmptyDo Okt 16, 2008 8:19 pm

HALLO ALLE

Ich bin neu hier, und freue mich hier im Forum teilzunehmen. Mein Sammelgebiet ist hauptsächlich Bayern, aber ich kaufe oft was ich schön finde. Obwohl ich Norweger bin habe ich wenige norwegische Briefe oder Briefmarken.

Ich habe eigentlich mehr zu fragen als zu zeigen. Und meine erste frage in diesen Thread ist ob die Poste Restante Gebühr genau so teuer in Österreich war wie in Bayern?
Ich zeige hier ein Brief von Possenhofen nach Innsbruck, der ein Touristin an sein Onkel 11. August 1869 geschrieben hat. Der Stempel sagt aber 10. August. Warum weiss ich nicht. Entweder hat der Postbeamter vergessen sein Stempel einzustellen, oder vielleicht hört den Inhalt mit dem Brief zusammen. Eine dritte Möglichkeit ist selbstverständlich das die Touristin die falsche Dato angegeben hat.

Viele Grüsse
Bayern-Nils

bayern - Poste restante Possen14

bayern - Poste restante Possen15
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Cophila
Mitglied in Bronze
Cophila


bayern - Poste restante Empty
BeitragThema: Re: Poste restante   bayern - Poste restante EmptyDo Okt 16, 2008 8:26 pm

Ein interessanter Brief @Bayern-Nils.

In Possenhofen befand sich die Sommerresidenz der Kaiserin Sissi.

Siehe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_von_%C3%96sterreich-Ungarn
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VorphilaBayern
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VorphilaBayern


bayern - Poste restante Empty
BeitragThema: Augsburg nach München poste restante 1821   bayern - Poste restante EmptyFr Dez 24, 2010 3:12 pm

Liebe Sammlerfreunde,

folgenden Brief möchte ich zeigen:
Unfrankierter Brief von Augsburg nach München postlagernd
vom 28. November 1821. Beim Empfänger wurde 4 Kreuzer
Porto und 4 Kreuzer Postlagergebühr kassiert.

Beste Grüße,
VorphilaBayern

bayern - Poste restante Augsb_10
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Postgeschichte-Kemser
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Postgeschichte-Kemser


bayern - Poste restante Empty
BeitragThema: Re: Poste restante   bayern - Poste restante EmptyFr Dez 24, 2010 3:30 pm

Toll, was hier wieder alles gezeigt wird ! Herzlichen Dank an alle für's Zeigen ! Weiter so !
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bayern klassisch
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bayern klassisch


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BeitragThema: Re: Poste restante   bayern - Poste restante EmptyFr Dez 24, 2010 3:37 pm

Lieber VorphilaBayern,

danke fürs Zeigen dieses seltenen Dienstes - in der VMZ noch weniger häufig, als in der Markenzeit.

Schön auch, dass es mit dem Bild geklappt hat; ich hatte schon an mir gezweifelt ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
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VorphilaBayern
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VorphilaBayern


bayern - Poste restante Empty
BeitragThema: Re: Poste restante   bayern - Poste restante EmptyFr Dez 24, 2010 3:49 pm

Lieber bayern klassisch,

herzlichen Dank für die Einweisung.
Hat jetzt super geklappt.

Liebe Grüße von VorphilaBayern

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