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 Tatiana Stroganova: Dreizehn Jahre in Wuppertal

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AutorNachricht
Michaela
Admin
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BeitragThema: Tatiana Stroganova: Dreizehn Jahre in Wuppertal   Do März 27, 2008 1:59 pm

Die positive Seite des Lebens ist Grundlage meiner künstlerischen Tätigkeit. Das Leben pendelt ständig zwischen Erfolg und Misserfolg, aber in den schwierigsten Augenblicken hilft einem das Schicksal, eine märchenhafte Deutung zu finden, und es leuchtet Hoffnung. (Stroganova)

Das vielleicht Bemerkenswerteste an Tatiana Stroganova ist ihre positive Lebenseinstellung und ihre nicht nachlassender Energie, mit der sie sich auf verschiedensten Feldern betätigt.
Stroganova zeichnet, malt, modelliert und fotografiert, unterrichtet, plant, entwirf, organisiert, baut auf, phantasiert und hofft. Sie organisiert Ausstellungen und Veranstaltungsreihen, hält Malkurse, fotografiert Performances und neben den Tätigkeiten, die dem Broterwerb dienen und mit denen sie ihrer Vermittlerrolle zwischen russischer und deutscher Kultur nachkommt, gibt es noch ihr eigenes künstlerisches Schaffen. Dieses ist ebenso vielgestaltig wie die ganze Person, so dass sich die Künstlerin gelegentlich fragt, weshalb sie sich nicht auf ein Medium und einen Stil beschränken kann, sondern immer wieder Neues ausprobieren muss. Das breite Spektrum der Künstlerin bewegt sich zwischen der Vision einer kindlich harmonischen Welt von Apfelsinen und Mäuschen und dem ironischen Spiel mit einem Ausstellungs- und Aktionstitel „Kunstfluss Wupper“ und der von der Fotografin gesehenen und festgehaltenen, sehr ästhetisch festgehaltenen Verschmutzung des Flusses.

Von Hause aus ist Stroganova Architektin, davon ist in ihren Arbeiten wenig zu merken. Es herrscht eine bunte Vielfalt vor, die meist durch eine dicke Portion Humor charakterisiert ist. Fröhlich bunte Zeichenserien um Mäuse oder Bügeleisen wünscht man sich als Kinderbücher; da wird das Gerüst der Wuppertaler Schwebebahn zum Tierkreiszeichen, an dem eine Bahn über dem Wupperfluss ihre Kreise zieht; in Collagen klettern Strichmännchen aus Hosentaschen, die von Briefmarken gebildet werden; Gegenstände des Alltags wie Obstschalen oder Frühstücksbrettchen biegen sich, als seien sie weich geworden: „Verschmolzene Stillleben“. Die Themen können nicht drollig oder verschroben genug sein. Skurrile Spaßmacher sind auch die plastischen Fantasietiere, die bunt bemalt oder mit einem dichten Krakeleenetz überzogen von jedem Bücherbord den wissenschaftlichen oder literarischen Ernst vertreiben.

Am bekanntesten, weil als Kalender oder Postkarten publiziert, sind die grafischen Arbeiten. Sie sind unverwechselbar nicht nur in der skurrilen Naivität der Darstellung – die Schwebebahn windet sich wie ein Band um die Unterbarmer Hauptkirche; im Wortsinn naheliegend, trotzdem Kirche und Bahn völlig verfremdend -, sondern auch im Zeichenstil, der eine Kontur häufig nicht mit einem Strich bildet, sondern aus gekreuzten kurzen Strichen und aus Gekritzel, was den Figuren und Objekten zu luftiger Leichtigkeit verhilft. Gegenüber den knuddeligen „Lilipussikis“, den namenlosen Mäuschen früherer Zeichenserien, sind die Drachen „Hamuschiki“ der neuesten Geschichten böse, zackige Geschöpfe mit fester Kontur, die Sägeschnauze mit –schwanz tauschen können. Im Bestiarium der Stroganova wird man noch auf manch’ amüsantes Wesen treffen.

Im Wohnatelier der Künstlerin findet man nicht nur das Bügeleisen aus der oben angesprochenen Zeichengeschichte auf dem Schreibtisch stehen und einige Stofftiere auf der Sofalehne sitzen, sondern man begegnet auch Witjka, einer jungen Katze mit struppigem Fell, die in zukünftigen Serien gewiss eine Rolle spielen wird. Nachdem Witjka den Besucher abgecheckt, sich wie eine Primadonna geriert und einige Kunststücke vorgeführt hat, rollt sie sich, als das Interesse an ihr abklingt, auf einem Zettelkasten zusammen und ignoriert demonstrativ das menschliche Treiben um sie her.

In den letzten Jahren hat sich die Künstlerin mit Briefmarken-Collagen eine ganz neue und eigene Welt erschaffen. Briefmarken sind vergänglich wie Schmetterlinge. (Stroganova) Die amtliche Wertzeichen, welche zur Begleichung von Postgebühren dienen, führen ein Zwischenleben: von Künstlern entworfen, werden sie in dem Augenblick, in dem sie Ihren Dienst antreten, mit einem Stempel entstellt und sind nach Tagesfrist wertlos. Die Schönheit der Marken, ihre internationale Alltäglichkeit und Kurzlebigkeit sowie die Tatsache, das sie nach ihrer Reise meist unbeachtet entsorgt werden, veranlasste die Künstlerin sie neben Strich-Männeken in Gemälde aufzunehmen und ihrer Aufgabe entfremdet Dauer zu verleihen. In der dreiteiligen Arbeit „Tschüss DM“ laufen zwei auf wenige Linien reduzierte Männchen durchs Bild mit 10- bzw. 20-Markscheinen wie großen Zeichenmappen unterm Arm über mit Briefmarken gepflasterte Wege. Eine dritte Figur lässt an einer Perlenkette aus Pfennigmünzen einen Briefmarkendrachen bis in den Himmel steigen, wo ein Engel mit Briefmarkenflügeln sich über die Vergänglichkeit dieser kleinen Kunstwerke wundert.

Heiterkeit und Lebensfreude kennzeichnen die Arbeiten auf Papier, die Gemälde und Plastiken. Aber das ist nur die eine Hälfte. Als ihr tiefstes Geheimnis benennt Stroganova eine melancholische Seite ihres Selbst Warum sollte ein Clown andere zum Lachen bringen? Weil er selbst traurig ist und etwas für sich selbst tun möchte! (Stroganova) Dieser andere Aspekt ihres Schaffens manifestiert sich in einigen der fotografischen Arbeiten der Künstlerin.

Schon in Russland hat Stroganova - geboren 1957 in Moskau - fotografiert. Ihre seinerzeit aufgenommenen s/w-Bilder sprachen elegisch von der großen russischen Seele. Nach Deutschland übergesiedelt wandte sich die Fotografin nicht nur der Farbfotografie zu, sie erschloss sich auch neue Themen. Analog zu den Zeichnungen und Gemälden erstellte sie auch in diesem Medium mit lebensbejahendem Witz Fotoserien z. B. über das Liebesleben der Apfelsinen und den Sexappeal von Gurken. In der Fotografie kommt aber auch ganz anderes zur Sprache: so experimentierte die Künstlerin mit Doppelbelichtungen und streng formalen Farbreihen. Eine der ersten Serien, die 1993 am neuen Wohnsitz Wuppertal entstand, nennt sich „Rot in der russischen Kunst“. Die Künstlerin selbst, ihre Tochter und ein russischer Freund sind die Protagonisten in diesen etwas wehmütigen Fotografien, die sich bis ins Detail zurückbeziehen auf die verlassene Heimat. Da klingt Russland nach.

Was auf den ersten Blick wie eine reine Dokumentation eines Tanzabends von Pina Bausch oder einer Performance von Kranemann und BrindlArt wirkt, ist auch eigenwillige Interpretation der Fotografierenden. Die Leiber und Gewänder können in der Bewegung zu Alabasterfiguren erstarren oder sich wie Nebelgestalten auflösen, im Farbrausch verschwimmen. Die Wandlungsfähigkeit der Fotografin zeigt sich auch in mehreren Serien zum Thema Rosen. In „Rosen auf Eis“ sind die edlen roten Blumen, Symbole einer feurigen Liebe, missachtet in den Dreck und auf gefrorenes Wasser geworfen, was für Hartherzigkeit und Gefühlskälte steht. Abgesehen von diesem schmerzhaften Konflikt ist der Farbkontrast zwischen Eis und Rot ästhetisch äußerst reizvoll ins Bild gesetzt. In „Rosenhüte“ werden ohne jede tiefere Bedeutung surreale Arrangements von trivialen „Hüten“ und edlen Rosen als (Persiflage auf) Modefotos vorgestellt.

Vieles muss in diesem Katalog und der Ausstellung ausgeschlossen bleiben wie z.B. die äußerst reizvollen Fotoarbeiten, die Rosen und Schattenspiele vereinen, oder die zusammen mit Victoria Ourman erstellte erotische Serie zu „Lolitas Traum“. Auch die umfangreichen Gegenüberstellungen der alten Heimat Moskau mit ihrer neuen in Wuppertal fehlen, da sie schon auf Ausstellungen zu sehen waren. Aus demselben Grund wurden auch die Grafikserie und die Fotografien ausgespart, die sich seit einigen Jahren im Besitz des Von der Heydt-Museums befinden. Obgleich die Künstlerin in Ausstellung und Katalog einen Überblick über ihr Gesamtschaffen geben will, seit sie vor 13 Jahren nach Wuppertal kam, konzentrieren sich Schau und Broschüre auf die neueren Arbeiten, die dem Publikum noch nicht bekannt sein dürften, und hiermit zur wohlwollenden Kenntnisnahme empfohlen werden.

Tatiana Sroganova / Zwischen zwei Stühlen /
Galerie Seidel
Austellungsdauer: 28.03.2008 - 25.04.2008
Öffnungszeiten Di - Fr 15 - 20 Uhr, Sa 12 - 15 Uhr
Am Domhof, Hohenzollernbrücke
50667 Köln
Tel.: 0221-1301897
Fax: 0221-730243
Russland Kultur Nachrichten

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Liebe Sammlergrüsse
Eure Michaela
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Tatiana Stroganova: Dreizehn Jahre in Wuppertal

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