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 "Denn sie WUSSTEN nicht was sie tun ..."

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AutorNachricht
Polarfahrtsucher
Mitglied in Bronze
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BeitragThema: "Denn sie WUSSTEN nicht was sie tun ..."   Fr Sep 07, 2012 10:49 am

Hallo Briefmarkensammler,

sicher seid ihr auch schon des öfteren über Stücke gestolpert, die unsere Vorgänger eher negativ beeinflusst haben.
Hier zeige ich ein solches Stück, bei dem jedem Sammler (nicht nur Alfred und andere Zeppelinsammler) eine Träne über die Wange kulleren dürfte.



Die Karte wäre eine blitzsaubere Sieger 57F der Südamerikafahrt 1930. Dabei gehe ich davon aus, dass es sich um eine saubere Friedrichshafener Bordpost-Abstempelung handeln dürfte. Sehr wahrscheinlich zierte eine Mi 439 Y Sondermarke zur Südamerikafahrt zu 4 RM die schöne Karte. Wirklich traurig, den die Karte hätte wirklich alles was man sich wünscht: schönes Motiv, saubere Abstempelung und den gewissen Touch.
Ein Jammer, dass der Vorbesitzer seinen Fokus alleine auf die schöne Marke gerichtet hat. Natürlich bleibt eine schöne Motivkarte der Do X übrig, weshalb ich diese Karte gerne in meine Sammlung aufnehme.

Was meint ihr? Habt ich auch solche Traurigkeiten in euerer Sammlung?
Bitte zeigt auch eure Stücke hier!

Schönen Gruß
Klaus
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balf_de
Mitglied in Bronze
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BeitragThema: Re: "Denn sie WUSSTEN nicht was sie tun ..."   So Sep 09, 2012 5:58 pm

Hallo Klaus, hallo zusammen!

@Polarfahrtsucher schrieb:
Denn sie WUSSTEN nicht was sie tun ..."

Ein schöner treffender Titel für ein trauriges Kapitel der Philatelie …

@Polarfahrtsucher schrieb:
Was meint ihr? Habt ich auch solche Traurigkeiten in euerer Sammlung?
Nein, damit kann ich (zum Glück ?) nicht dienen. Aber wenn Du die schöne DOX-Karte günstig bekommen hast, dann ist das ja auch schon etwas wert.

Aus der Literatur kenne ich z.B. ein besonders gravierendes Beispiel:

Ganze zwei Briefe aus Graben Stadel (einem Dorf mit 111 Einwohnern im Jahr 1850) sind bekannt – bei beiden wurde die Marke – sicher eine relativ billige Michelnummer 2 – ausgeschnitten. In Stadel gab es nur bis Mai 1853 eine badische Postexpedition; also waren nur zwei Jahre lang Markenbriefe möglich. Danach wurde der Nummernstempel 134 an den Ort Brennet abgegeben.
Bedenkt man, dass ein Brief aus Dertingen (Nummernstempel 168), von wo immerhin vier Markenbriefe bekannt sind, im Jahr 2007 bei Erhardt 75.000 Euro plus Aufgeld einspielte, lässt sich abschätzen, was für ein Wert da vernichtet wurde.

Auch bei eBay gibt es derzeit ein passendes Beispiel:
http://www.ebay.de/itm/370644990167?ssPageName=STRK:MEWAX:IT&_trksid=p3984.m1423.l2649

Hier ist die voraussichtlich günstig zu erwerbende Brief-Ruine:

Es sieht so aus, als sei ein Briefstück mit drei Marken ausgeschnitten worden. Wenn das nach Lübeck erforderliche Porto von zwei Schillingen mit zweimal Michelnr. 1 und einmal Nr. 2 von Bergedorf frankiert gewesen wäre, dann hätte der Sammlerfreund bestimmt auch einen 5-stelligen Wert vernichtet.
Sehr wahrscheinlich ist das allerdings nicht – immerhin waren die Bergedorf-Marken im Oktober 1868 schon über 10 Monate lang nicht mehr gültig ….

Ein weiteres „beinahe-Beispiel“ für die frühen postgeschichtlichen Frevel findet sich im aktuellen Köhler-Katalog, der für seinen Forschungsbericht „Wer war Theodore Rondel“ sicher einen Literaturpreis verdient: der frühe Sammler, der wohl in erster Linie altdeutsche Ganzsachen sammelte, versäumte zum Glück, die an sich unerwünschte Zusatzfrankatur vom angebotenen Mecklenburg-Strelitz-Brief zu entfernen …
und machte so den Ausruf von 200.000 Euro möglich ….

Viele Grüße
balf_de



Zuletzt von balf_de am Do Sep 13, 2012 9:38 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Polarfahrtsucher
Mitglied in Bronze
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BeitragThema: Re: "Denn sie WUSSTEN nicht was sie tun ..."   Mi Sep 12, 2012 11:15 pm

Hallo Alfred,
vielen Dank für die "erschütterden" Beispiele. Bei der Gelegenheit kommt mir folgender Mythos in den Sinn. Sicher habt ihr auch schon eine ähnliche Geschichte gehört:
Eine ältere Dame kommt zu einem Tauschtag und fragt nach dem Wert eines Tütchen Briefmarken. Darin waren einige Bayern Scharzer Einser. Der Händler klärt die Dame über den Wert der Marken auf. Daraufhin erwirdert die Dame: Na, da hat sich ja das Ablösen rentiert! we
Vermutlich nur ein Mythos, aber ein wenig Wahrheit wird sich dahinter schon verbergen.

Hier nun wieder eine Beispiel zum Weinen über die Unsitte Adressen unkenntlich zu machen. Warum man dies ausgerechnet auf einen schönen Polarfahrtbeleg tut, bleibt mir immer ein Rätsel.
Hier der Beleg:


Dabei wäre dieser Beleg druchaus besonders gewesen, da das Porto, entgegen den Trend eine einzelne 4 RM Polarfahrtsondermarke zu wählen, mit der Reichsadler Luftpostmarke und einer 1 RM Polarfahrtmarke frankiert worden ist.
Wirklich schade um diesen (an sich) netten Beleg.

Habt ihr solche "Verbrechen" auch in euren Sammlungen, oder macht ihr davor einen großen Bogen?

Schönen Gruß
Klaus
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Kontrollratjunkie
Moderator
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BeitragThema: Re: "Denn sie WUSSTEN nicht was sie tun ..."   Do Sep 13, 2012 12:00 am

@Polarfahrtsucher schrieb:


Habt ihr solche "Verbrechen" auch in euren Sammlungen, oder macht ihr davor einen großen Bogen?

Schönen Gruß
Klaus

Hallo Klaus,

so etwas ist schändlich. Kaum zu glauben, dass ein Sammler, Philatelist kommt mir dabei nicht über die Tastatur, einem Beleg so etwas antun kann. Aber solche Beispiele gibt es aus jedem Sammlegebiet.
Leider kann ich solche Stücke nicht zeigen, dafür gebe ich kein Geld aus.

Gruß
KJ
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Briefmarkentor
Mitglied in Bronze



BeitragThema: Re: "Denn sie WUSSTEN nicht was sie tun ..."   Do Sep 13, 2012 8:56 am

Hallo,

hier eine Kopie aus einem anderen Thema (http://www.briefmarken-forum.com/t4777-dr-inflations-marken-teuer):

Postkarte im Fernverkehr vom 25. November 1923 aus Torgelow nach Magdeburg. Das Porto dafür betrug im Zeitraum 20. November 1923 bis einschließlich 25.November 1923 zehn Milliarden Mark. Aus der linken unteren Ecke wurden scheinbar die Marken mit den fehlenden vier Milliarden Mark entfernt.

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balf_de
Mitglied in Bronze
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BeitragThema: Re: "Denn sie WUSSTEN nicht was sie tun ..."   Do Sep 13, 2012 2:17 pm

Hallo Klaus, hallo zusammen!

@Polarfahrtsucher schrieb:
Hier nun wieder ein Beispiel zum Weinen über die Unsitte Adressen unkenntlich zu machen. Warum man dies ausgerechnet auf einen schönen Polarfahrtbeleg tut, bleibt mir immer ein Rätsel. ….. Wirklich schade um diesen (an sich) netten Beleg. .
Da hast Du natürlich Recht – hier wurde wirklich etwas kaputt gemacht. So schnell wirst Du diese eigenwillige Frankatur nicht nochmals finden.
Vollständig lösen kann ich das Rätsel der häufigen Adress-Manipulationen auch nicht, aber die Erklärung, die mir einmal gegeben wurde, scheint sinnvoll: Im „Dritten Reich“, also in einer absoluten Blütezeit des Briefmarken-Sammelns, haben besonders linientreue Sammler nicht arisch klingende Namen auf ihren Belegen zu tilgen versucht – sie gefielen ihnen dann vermutlich besser.
Bei Deinem Polarfahrt-Brief waren es wohl sowohl der Absender- als auch der Empfänger-Name …

@Polarfahrtsucher schrieb:
Habt ihr solche "Verbrechen" auch in euren Sammlungen, oder macht ihr davor einen großen Bogen?
Bei den „Zeppelinen“ habe ich bisher einen Bogen machen können, aber im Fall eines wirklich seltenen Belegs würde ich wohl trotzdem zugreifen.

Aus meiner alt-badischen Heidelberg-Sammlung kann ich etwas zeigen:

Eine seltene Einzelfrankatur der Michelnr. 21a portorichtig frankiert nach London.

Interessant ist hier auch ein Vergleich des alten (Gefälligkeits-) Attests, das den „Schaden“ ausdrücklich verharmlost und der aktuellen Stegmüller-Bewertung, wo die Fakten nüchtern genannt werden.


Viele Grüße
balf_de
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