Briefmarken - Forum
Herzlich Willkommen im Briefmarken Forum Österreich!
Um alle Beiträge OHNE WERBUNG sehen und lesen zu können, muss man angemeldet sein. Ein Anmeldung ist kostenlos und unverbindlich.
*******************************************************
Welcome to the Forum Stamps Austria!
To see and read all the posts, you have to be registered. A registration is free and without obligation.

---->ANMELDUNG


Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 Bild5110


Briefmarken - Forum

Briefmarken - Forum
 
StartseitePortalSuchenAnmeldenLogin
Neueste Themen
» Altdeutschland-Hamburg
von Ausstellungsleiter Heute um 6:16 pm

» Das Tschibo-Projekt am Mount-Kenya
von Ausstellungsleiter Heute um 5:51 pm

» Sammlung "Der Reichschatz"
von Ausstellungsleiter Heute um 5:50 pm

» Gerd Aretz
von gesi Heute um 12:26 pm

» suche: MARKEN EDITION 20
von NORBERT1 Heute um 10:32 am

» Briefmarken-Kalender 2020
von Michaela Heute um 9:53 am

» Preußen / Markenbriefe
von Ausstellungsleiter Gestern um 11:09 pm

» Die Freimarkenausgabe 1908
von Paul S. Gestern um 10:24 pm

» Blumengruß aus Deutschland
von Gerhard Fr Jul 10, 2020 11:12 pm

» Neuausgaben 2020 Deutschland
von Gerhard Fr Jul 10, 2020 11:08 pm

» Freimarken-Ausgabe 1867 : Kopfbildnis Kaiser Franz Joseph I
von muesli Fr Jul 10, 2020 8:30 pm

» Belgien : Vogel vom BUZIN
von leon_sellos Fr Jul 10, 2020 1:25 pm

» Der Bamberger Reiter
von Ausstellungsleiter Fr Jul 10, 2020 1:16 pm

» "Coburg 100 Jahre in Bayern" - Am 1.7.20 Sonderpostamt vor Ort
von Ausstellungsleiter Fr Jul 10, 2020 12:42 pm

» Motiv Motorrad
von Ausstellungsleiter Fr Jul 10, 2020 12:28 pm

» Satzbriefe
von Gerhard Fr Jul 10, 2020 12:48 am

» Österreichische Zensuren nach 45
von wilma Do Jul 09, 2020 9:03 pm

» Schöne Briefe und Belege aus Berlin
von Ausstellungsleiter Do Jul 09, 2020 7:24 pm

» Bilderwettbewerb im Juli 2020
von muesli Mi Jul 08, 2020 8:42 pm

» Sammlung Bedarfsbriefe Österreich ab 1945
von kaiserschmidt Mi Jul 08, 2020 8:06 pm

» Bayern Vorphilatelie
von Ausstellungsleiter Mi Jul 08, 2020 6:05 pm

» Flugpost nach Österreich
von kaiserschmidt Mi Jul 08, 2020 5:43 pm

» Deutsches Reich von 1933 bis 1945 "in einer ausgesuchten Perspektive"
von Ausstellungsleiter Mi Jul 08, 2020 5:37 pm

» Österreich im III. Reich (Ostmark) Belege
von kaiserschmidt Mi Jul 08, 2020 3:26 pm

» Briefmarkensammlung geerbt
von Roger H. Di Jul 07, 2020 11:30 am

» Die Olympischen Spiele 1936
von Ausstellungsleiter Di Jul 07, 2020 8:22 am

» Dauerserie Blumen - Belege
von Gerhard Mo Jul 06, 2020 10:33 pm

» Österr. NEU: Puch MV 50 V
von Gerhard Mo Jul 06, 2020 9:12 pm

» Ostsachsen (OPD Dresden) -Sowjetische Besatzungszone-
von Kontrollratjunkie Mo Jul 06, 2020 12:23 am

» Trachtenserien ANK 887 - 923 und 1052 - 1072 Belege
von wilma So Jul 05, 2020 6:20 pm

» Bauwerke und Baudenkmäler "Bautenserie"
von wilma So Jul 05, 2020 5:55 pm

» Die Dauerserie Heuss
von wilma So Jul 05, 2020 5:30 pm

» Großbritannien ?
von Cantus Sa Jul 04, 2020 8:25 pm

» Privatganzsachen von A. Pichlers Witwe & Sohn
von Cantus Sa Jul 04, 2020 3:44 pm

» Österr. NEU: 9. Ausgabe Dispenser Rollenmarke
von Gerhard Do Jul 02, 2020 11:49 pm

» Dispenser Rollenmarke
von Gerhard Do Jul 02, 2020 11:41 pm

» Bedarfspost Ganzsachen Österreich 1925-1938
von Sigi_der_Zweite Do Jul 02, 2020 10:19 am

» Siegerbild beim Bilderwettbewerb Juni 2020
von Paul S. Mi Jul 01, 2020 10:16 am

» Schönes Österreich
von wilma Di Jun 30, 2020 7:53 pm

» Litauen
von Ausstellungsleiter Di Jun 30, 2020 5:42 pm

» Werbeumschläge und -karten aus Österreich
von kaiserschmidt Di Jun 30, 2020 2:46 pm

» DIE ZEITUNGSMARKEN AUSGABE 1851
von harryju Mo Jun 29, 2020 6:55 pm

» Sächsische Schwärzungen -Sowjetische Besatzungszone-
von Kontrollratjunkie So Jun 28, 2020 11:58 pm

» Generalgouvernement
von Ausstellungsleiter So Jun 28, 2020 2:56 pm

» Briefmarkensammlung geerbt
von Ausstellungsleiter Sa Jun 27, 2020 4:16 pm

» Sagen und Legenden - Belege
von wilma Fr Jun 26, 2020 9:15 pm

» Flugpostausgabe 1947
von wilma Fr Jun 26, 2020 7:50 pm

» Briefmarken geerbt.
von Ausstellungsleiter Do Jun 25, 2020 8:26 pm

» BRD postfrisch von Rand
von Ausstellungsleiter Do Jun 25, 2020 8:19 pm

» Wert von Briefmarke Deutsches Reich Siegfried
von Ausstellungsleiter Do Jun 25, 2020 7:41 pm

» Briefmarke Helmut Kohl
von Ausstellungsleiter Do Jun 25, 2020 7:22 pm

» Verwendung von Portomarken in Österreich
von kaiserschmidt Do Jun 25, 2020 10:30 am

» Privatganzsachen 1.Republik
von kaiserschmidt Mi Jun 24, 2020 1:52 pm

» Inflation in Österreich - Belege - 1918 bis 1925
von kaiserschmidt Mi Jun 24, 2020 11:35 am

» Verein für Briefmarkenkunde Würzburg von 1880 e. V. sagt "WÜBA 20" wegen Corona ab
von Ausstellungsleiter Mi Jun 24, 2020 10:52 am

» Opas Sammlung Helgoland - mache ich es richtig die auf Ebay zu verkaufen?
von Ausstellungsleiter Di Jun 23, 2020 10:25 am

» Dit un dat ut Mecklenburg-Strelitz
von Ausstellungsleiter Di Jun 23, 2020 10:11 am

» Orange Landschaft Österreich - Belege
von wilma Mo Jun 22, 2020 8:10 pm

» Martin Luther
von Ausstellungsleiter So Jun 21, 2020 3:21 pm

» Die Reichskleinodien - Auch Reichsinsignien oder Reichsschatz genannt
von Gerhard Sa Jun 20, 2020 7:10 pm

» Deutsche Privatpostmarken um 1900
von Gerhard Fr Jun 19, 2020 10:49 pm

» Die Landshuter Hochzeit
von Ausstellungsleiter Fr Jun 19, 2020 8:03 pm

» Flugpostserie II Heimische Vogelwelt in Stadt und Land - Vögel
von wilma Fr Jun 19, 2020 8:01 pm

» Historische Postwege in Europa
von Ausstellungsleiter Fr Jun 19, 2020 7:54 pm

» Notmaßnahmen und Provisorien bei Postkarten 1945-1948
von wilma Fr Jun 19, 2020 7:15 pm

» Dorotheum Auktionen
von docadhoc Do Jun 18, 2020 9:04 pm

» Briefe oder Karten von/an berühmte oder bekannte Personen
von kaiserschmidt Do Jun 18, 2020 6:14 pm

» Zensuren unter deutscher Herrschaft bis 1945
von kaiserschmidt Do Jun 18, 2020 3:23 pm

» Österr. NEU: 125 Jahre Swarovski
von Gerhard Mi Jun 17, 2020 10:58 pm

» Spielkarten
von Ausstellungsleiter Mi Jun 17, 2020 4:54 pm

» Österreich 1925 - 1938
von kaiserschmidt Mi Jun 17, 2020 2:21 pm

» Versch. Ansichtskarten
von kaiserschmidt Mi Jun 17, 2020 9:23 am

» Main-PostLogistik Oberfranken
von Ausstellungsleiter Di Jun 16, 2020 9:43 am

» Abstimmung für den Bilderwettbewerb im Juni 2020
von Michaela Di Jun 16, 2020 9:20 am

» Fritz Puschmann +
von Paul S. Mo Jun 15, 2020 11:34 pm

» Rotes Kreuz
von Gerhard Mo Jun 15, 2020 11:26 pm

» Kriegsgefangenenpost II Weltkrieg
von Gerhard Mo Jun 15, 2020 11:16 pm

» Stifte und Klöster - Belege
von wilma Mo Jun 15, 2020 9:43 pm

» Sammlerpost
von wilma Mo Jun 15, 2020 8:12 pm

» Wir starten den Bilderwettbewerb im Juni 2020
von Polarfahrtsucher Mo Jun 15, 2020 5:34 pm

» Unbekannter Stempel "Let=arr - mit hochgestellten a"
von wipa2000 Mo Jun 15, 2020 1:20 pm

» Ferienland Österreich - Dauermarkenserie
von wilma So Jun 14, 2020 6:47 pm

» Hotelbriefe
von Cantus So Jun 14, 2020 2:25 am

» Kutschen
von Cantus So Jun 14, 2020 1:17 am

» Westsachsen Mi#117A?BXb
von Kontrollratjunkie So Jun 14, 2020 1:16 am

» Suche Tausch Gartenblumen aus 2016
von Cantus So Jun 14, 2020 1:05 am

» Deutschland Vorphilatelie
von gesi Fr Jun 12, 2020 9:02 pm

» Kaiserin von Österreich Sisi
von Ausstellungsleiter Fr Jun 12, 2020 7:21 pm

» Stempel "Spätling"
von Gerhard Mi Jun 10, 2020 7:44 pm

» Österr. NEU: 100 Jahre Lipizzanergestüt Piber
von Gerhard Mi Jun 10, 2020 5:52 pm

» Österr. NEU: 150. Geburtstag Franz Lehár
von Gerhard Mo Jun 08, 2020 11:26 pm

» Österr. NEU: Schweizerhaus
von Gerhard Mo Jun 08, 2020 11:24 pm

» Prinz Friedrich Josias
von Ausstellungsleiter Mo Jun 08, 2020 11:14 pm

» Blumen
von Ausstellungsleiter So Jun 07, 2020 1:52 pm

» Briefmarke Kanada
von Gerhard Fr Jun 05, 2020 7:52 pm

» Fälschungen um das Jahr 1900
von Ausstellungsleiter Fr Jun 05, 2020 7:06 pm

» ich verstehe einiges nicht!
von Tatjana Fr Jun 05, 2020 2:37 pm

» Der Hype um die Crypto stamp
von Jurek Fr Jun 05, 2020 6:27 am

» 1 Penny Australia Wasserstempel
von Gerhard Mi Jun 03, 2020 5:47 pm


Teilen
 

 Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
gottfried steinmann
Mitglied
Mitglied
gottfried steinmann


Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 Empty
BeitragThema: Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944   Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 EmptyMi Apr 16, 2014 7:43 pm

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944

Der folgende Artikel befasst sich mit dem Warschauer Aufstand von 1944. Neben einem kurzen geschichtlichen Abriss werden die Leistungen der polnischen Pfadfinder für den Aufstand und den Postdienst im Untergrund dieser Zeit beschrieben.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Deutschen Streitkräfte so gut wie besiegt und die Alliierten standen an den Grenzen des Großdeutschen Reiches. Im Osten war „Stalingrad“ die entscheidende Wende, im Westen die Invasion in der Normandie und in Italien das Vordringen der Alliierten im Süden, die das Bild prägten. Auch das Attentat auf Hitler zeigte, dass es Menschen gab die versuchten, dieses unheilvolle Regime zu beseitigen.
Hitler und Stalin hatten nach einem Blitzsieg 1939 „Polen“ in mehrere Teile zerschlagen. Das Gebiet im Westen wurde in das Deutsche Reich integriert. Der Mittelteil mit der Hauptstadt Warschau wurde das Generalgouvernement unter deutscher Führung. mit dann Krakau als Hauptstadt bestimmt und der Ostteil jenseits des Flusses Bug wurde von den Sowjets besetzt. Nach Hitlers Angriff auf die Sowjetunion mussten diese jedoch das Gebiet wieder räumen. 1944 stand nun die Rote Armee  wieder in Polen, hatte sogar schon in Lublin eine provisorische Gegenregierung installiert.

Nazi-Deutschland hatte in Polen fürchterlich gewütet.reckliche Exzesse wie das Massaker von Wola hatten stattgefunden, die heute unerklärbar und unentschuldbar sind – was auf ewig ein Makel auf alle Deutschen wirft. Aber auch die Gräueltaten der Russen waren eingebrannt in den Seelen und Köpfen aller Polen, von denen das Massaker von  Katyn nur ein furchtbarer Beleg ist.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 W_a_1113
Abbildung 1: An die Wand gemaltes Kennzeichen der „AK“
                                                                                                                                                     
Unaufhörlich bewegte sich die Rote Armee auf Warschau zu, hatte sogar die Weichsel im Süden schon überschritten. Jetzt sahen die gepeinigten Polen die Chance gekommen, sich gegen die deutsche Besatzung zu erheben. Die AK (Armia Krajowa) Heimatarmee, die sich schon gleich nach der polnischen Niederlage unter Führung von General Graf Tadeusz Komorowski, kurz „Bor“(Wald) genannt, organisiert hatte, sollte den  minutiös geplanten Aufstand anführen. Auch die Pfadfinder, die unter Hitler nicht nur verboten waren, sondern deren Führer verfolgt und getötet wurden, waren Teil dieser AK und sogar in eigenen Regimentern zusammengefasst, in die sogenannten „Grauen Reihen“. Die bekanntesten Pfadfinder-Regimenter waren „Parasol“ und „Zoska“. Alle Mitglieder hatten einen Decknamen.


Am 1. August 1944 war der Tag gekommen. Es sollte ein Überraschungsangriff werden, doch die deutsche Besatzung in Warschau war vorgewarnt und hatte sich gewappnet. Trotzdem gelang es den Aufständischen, große Teile der Innenstadt zu erobern. Darunter befanden sich aber keine wichtigen strategischen Punkte und keine der Brücken über die Weichsel. Auch der Jerusalem Boulevard, welcher quer durch  die Innenstadt zur Weichsel führte, war von den deutschen Kräften beherrscht und spaltete die Innenstadt in zwei Teile, in Nord und Süd und unterbrach jegliche Verbindung zwischen den Stadtteilen.

Die Warschauer Bevölkerung war von dem Zeitpunkt der Erhebung überrascht worden. Sie waren arbeiten oder unterwegs und hatten keine Möglichkeit mehr, sich mit ihren Lieben in Verbindung zu setzen. So wussten sie nicht, wie es um ihre Familien und Freunde bestellt war.

In dieser Not hatte der Pfadfinderführer Kazimierz Grenda die Idee, mit Hilfe „seiner“ Pfadfinder eine Notpost im südlichen Teil der Innenstadt aufzubauen. Dazu wollte er aber die Zustimmung sowohl der Pfadfinderführung als auch der zivilen Verwaltung einholen, die jedoch im nördlichen Teil ansässig waren. Über Abwasserkanäle überwand Przemyslaw Gorecki diese lebensgefährliche Straße und erhielt die gewünschte Zustimmung – sogar für alle von der AK eroberten Stadtteile. Die vorgesehene eigene AK-Feldpost funktionierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Mit Feuereifer machten sich die Pfadfinder an die Arbeit. Neben der Hauptpost waren acht Anlaufstellen, die als „Postämter“ dienen sollten, geplant (sieben wurden verwirklicht) und  an verschiedenen Stellen sollten 40 alte Briefkästen angebracht werden. Besondere Bestimmungen für die Benutzung dieser „Pfadfinderpost“ wurden ausgearbeitet. Die Nachrichten sollten:
* klein und leserlich geschrieben sein,
* in polnischer Sprache verfasst sein und 25 Worte nicht überschreiten,
* keine Fremdwörter und Abkürzungen enthalten,
* mit leserliche Anschrift versehen sein mit Absenderangabe bei Privatpersonen, Militärpost jedoch ohne Absender.
* Briefe müssen unverschlossen sein und unterstehen einer Zensur.
* Der Postdienst ist kostenfrei. Sachspenden (Bücher, Zeitschriften)wurden angenommen.


Zum Kennzeichnen der Poststücke wurden acht (+ zwei) verschiedene Stempel benutzt, gefertigt aus Lino, Holz, Gummi und Metall – alle mit der Pfadfinderlilie im Bild. Die ersten davon waren aus Linoleum geschnitzt und nicht aus einer Kartoffel – wie man früher irrtümlich angenommen hatte. Trotzdem werden  sie immer noch die legendären „Kartoffelstempel“ genannt.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 2b_kar10
Abbildung 2: Der legendäre „Kartoffelstempel“
                                                                                                       
Eine Zensur war notwendig, weil man sicher gehen wollte, dass bestimmte Informationen nicht in Feindeshand gerieten. Dieser Dienst wurde von Pfadfinder-Eltern, Ehefrauen und Geschwistern durchgeführt und entsprechend gekennzeichnet. Nachdem am 20. August die Pfadfinderpost und Militärpost zusammengelegt wurden, gab es noch die militärische Zensur.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 Aufsta10

Somit huschten und schlichen Buben und Mädchen an Barrikaden vorbei, von Keller zu Keller, wo man Durchgänge geschaffen hatte oder über die vielverzweigten Abwasserkanäle, um ihre so wichtige und sehnsüchtig erwartete Post auszuliefern. Als Erkennungszeichen diente eine rot-weiße Armbinde mit aufgenähter Pfadfinder-Lilie und den Initialen „S.P.“ (Hilfsdienst). Laut Bericht des Polnischen Pfadfindermuseums sollen 80 Pfadfinder/-innen bei diesem Dienst ihr Leben verloren haben. Während dieser zwei Monate des Aufstandes sollen von der Pfadfinderpost und Feldpost, insgesamt 116317 Poststücke „behandelt“ worden sein, von denen aber nicht alle zugestellt werden konnten, einfach weil sich die Adressaten weit außerhalb der befreiten Zonen befanden oder nicht anzutreffen waren.  

Die „Laczniczkas“, Mädchen aus den Reihen der AK, waren bekannt für ihre Tollkühnheit. So machte der Ausdruck die Runde: „Wo der Teufel selbst nicht mehr durchkommt, sende eine Laczniczka, die schafft es!“. Achtmal und mit Postgut beladen durchschwammen einige sogar die Weichsel.

Der Großteil dieser Briefe ist verloren gegangen, zum einen wegen der Zwangs-Evakuierung der Bevölkerung nach der Kapitulation und der nachfolgenden Zerstörung der Stadt, zum anderen weil diese Nachrichten oft nur auf einem Stück Papier geschrieben wurden. Was jedoch übrig geblieben ist, sind heute historische Dokumente und gesuchte, wertvolle Sammelobjekte.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 W_a_5310
Abbildung 5: Briefumschlag der Pfadfinderpost vom „Warschauer Aufstand 1944“ mit dem Rundstempel des Hauptpostamtes, dem rechteckigem Zensurstempel und länglichem Bestätigungsstempel einer Sachspende.

Die Rote Armee hatte am 13. September das rechte Weichselufer erreicht und die Vorstadt Praga eingenommen. Am 14. September kam über Radio der Aufruf des kommunistischen Komitees: „Die Hilfe kommt, kämpft weiter! Die 1. polnische Division ‚Kosciuszko‘ ist in Praga eingetroffen“. Bis auf einen kläglich gescheiterten Angriff über die Weichsel wurde nichts unternommen, um die AK im Kampf zu unterstützen.

Am 2. Oktober nach 63 Tagen Kampf streckten die letzten Aufständischen die Waffen. Am 4. Oktober begann für die AK-Abteilungen der Weg in die Gefangenschaft. Über 50 000 Männer, Frauen und Jugendliche landeten in den Arbeitslagern und KZ´s, wie Auschwitz, Groß-Rosen, Ravensbrück. Viele von ihnen erlebten nicht mehr das nahe Kriegsende. Drei Tage danach musste die verbliebene Bevölkerung die Stadt verlassen. Noch unter den Augen der nur mit Bündeln, Taschen und Kartons abziehenden Massen wurde Warschau geplündert – die größte Einzelplünderung des gesamten Weltkrieges. Nach einem vom Reichsführer-SS Himmler übermittelten Führerbefehl wurde zur Strafe die „vollständige Zerstörung Warschaus“ angeordnet.

Die Deutsche Armee musste die Front jedoch  immer weiter zurückziehen. Somit konnte die Rote Armee am 12. Februar 1945 auf dem Weg nach Berlin den Trümmerhaufen Warschau „befreien“.

Nach Kriegsende war für die langsam aus den deutschen Lagern zurückgekehrten Mitglieder der ehemaligen Aufständischen und somit auch der „Grauen Reihen“ die Leidenszeit noch lange nicht beendet. Denn jetzt wurden sie von der nun kommunistischen polnischen Regierung verfolgt und diskriminiert. Sie galten als verantwortlich für die Zerstörung Warschaus. Stalin hatte sich schon am
16. August 1944 von diesem „Warschauer Abenteuer“ distanziert und die Führer der AK als „machthungrige Verbrecher“ bezeichnet. Der Aufstand war nicht nur gegen die deutsche Besatzung gerichtet, sondern indirekt auch gegen den Erzfeind Russland.

Als bei den Aufräumarbeiten aus dem Schutt im Keller des Hauptpostamtes drei Postsäcke mit Briefen aus der Zeit des Aufstandes gefunden wurden, versuchte man die Adressaten ausfindig zu machen und die Briefe auszuliefern. Der verbliebene Rest gelangte an einen Sammler, der diese Poststücke mit seinem Signum „Kr. JULIEM“ kennzeichnete. Noch im Jahre 1956 wurde im Schutt das Skelet eines Pfadfinders ausgegraben, zusammen mit seiner Umhängetasche der Pfadfinderpost.

Erst nach Stalins Tod 1953 durften die AK-Kämpfer wieder ihren Kopf erheben und langsam die ihnen gebührende Anerkennung erfahren. Eine ganze Reihe von ihnen war dies jedoch nicht mehr vergönnt, sie waren in den Gefängnissen umgekommen oder standrechtlich erschossen worden.

Heute wird die Erinnerung an den „Warschauer Aufstand“ in ganz Polen hoch gehalten. Jedes Jahr schrillen zum Gedenken in Warschau am 1. August um 17 Uhr die Sirenen. Die Menschen pilgern dann zum Friedhof „POWALZKI“, wo die Gefallenen der AK  ihre letzte Ruhestätte gefunden haben und 105 Birkenkreuze für die Toten des Bataillons „Zoska“ aufgestellt wurden.
Nach der Wende wurde ein monumentales Denkmal aufgestellt und ein eigenes Museum eröffnet das dem „Warschauer Aufstand“ gedenkt.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 W_a_6510

Zur weitergehenden Information biete ich meine Publikation „Pfadfinder im polnischen Untergrund
1939-1945-1956“ an. (Zweisprachig: Deutsch-Englisch) Zum Sonderpreis von 12,00 € (inkl. Porto).Zu bestellen unter: gottfried.steinmann@t-online.de
Nach oben Nach unten
 

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Briefmarken - Forum  :: Motive :: Organisationen-
Tauschen oder Kaufen