Briefmarken - Forum
Herzlich Willkommen im Briefmarken Forum Österreich!
Um alle Beiträge OHNE WERBUNG sehen und lesen zu können, muss man angemeldet sein. Ein Anmeldung ist kostenlos und unverbindlich.
*******************************************************
Welcome to the Forum Stamps Austria!
To see and read all the posts, you have to be registered. A registration is free and without obligation.

---->ANMELDUNG


Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 Bild5110


Briefmarken - Forum

Briefmarken - Forum
 
StartseitePortalSuchenAnmeldenLogin
Neueste Themen
» Deutsches Reich von 1933 bis 1945 "in einer ausgesuchten Perspektive"
von jklang Heute um 12:21 pm

» Briefmarken-Kalender 2020
von Michaela Heute um 7:38 am

» Pfadfinderkarten von Lájos Márton
von Gerhard Heute um 12:15 am

» Österreichische Zensuren nach 45
von wilma Gestern um 6:53 pm

» Wir starten den Bilderwettbewerb im Juni 2020
von Michaela Gestern um 9:56 am

» Siegerbild beim Bilderwettbewerb Mai 2020
von Michaela Gestern um 9:46 am

» Suche Tausch Gartenblumen aus 2016
von Cantus So Mai 31, 2020 11:28 pm

» Belgien : Vogel vom BUZIN
von Cantus So Mai 31, 2020 10:57 pm

» Bundesverwaltungsgericht: Portoberechnung war rechtswidrig
von gesi So Mai 31, 2020 10:15 pm

» Privatganzsachen von A. Pichlers Witwe & Sohn
von Cantus So Mai 31, 2020 9:53 pm

» Fälschungen um das Jahr 1900
von Ausstellungsleiter So Mai 31, 2020 7:06 pm

» Flugpost nach Österreich
von kaiserschmidt So Mai 31, 2020 10:23 am

» Gemeinschaftsausgaben
von gesi Sa Mai 30, 2020 8:52 pm

» Schönes Österreich
von wilma Sa Mai 30, 2020 7:06 pm

» Österreich im III. Reich (Ostmark) Belege
von jklang Sa Mai 30, 2020 2:50 pm

» Christliche Motive
von gesi Sa Mai 30, 2020 1:33 pm

» Neuausgaben 2020 Deutschland
von Gerhard Do Mai 28, 2020 10:14 am

» NEU: Crypto Stamp 2.0
von Gerhard Mi Mai 27, 2020 11:54 pm

» Automatenmarken aus Münzwertzeichendruckern
von wilma Mi Mai 27, 2020 9:14 pm

» Wallfahrtsort Lourdes
von Ausstellungsleiter Mi Mai 27, 2020 12:01 pm

» Ferienland Österreich - Dauermarkenserie
von wilma Di Mai 26, 2020 9:05 pm

» Abstimmung für das Thema für den Bilderwettbewerb Juni 2020
von Michaela Di Mai 26, 2020 7:18 am

» Die Freimarkenausgabe 1908
von kaiserschmidt Mo Mai 25, 2020 10:03 pm

» Ostsachsen (OPD Dresden) -Sowjetische Besatzungszone-
von Kontrollratjunkie So Mai 24, 2020 8:50 pm

» Österreich 1925 - 1938
von kaiserschmidt So Mai 24, 2020 10:08 am

» Dauermarkenserie/Wahrzeichen
von wilma Sa Mai 23, 2020 7:48 pm

» Kriegsgefangenenpost II. Weltkrieg (Österreich)
von wilma Sa Mai 23, 2020 7:08 pm

» Blumengruß aus Deutschland
von Gerhard Fr Mai 22, 2020 11:20 pm

» Freimarken-Ausgabe 1867 : Kopfbildnis Kaiser Franz Joseph I
von muesli Fr Mai 22, 2020 11:18 am

» Die Reichskleinodien - Auch Reichsinsignien oder Reichsschatz genannt
von Ausstellungsleiter Mi Mai 20, 2020 9:51 pm

» Lochung auf Briefmarken - Perfin - Österreich
von Perfin Fan Mi Mai 20, 2020 1:37 pm

» Trachten – Beiwerk und Auszier - Dauermarkenserie
von Tatjana Mi Mai 20, 2020 12:20 pm

» Verwendung von Portomarken in Österreich
von Paul S. Mi Mai 20, 2020 10:23 am

» Sächsische Schwärzungen -Sowjetische Besatzungszone-
von Kontrollratjunkie Di Mai 19, 2020 11:59 pm

» Private Bestellung oder doch Post
von Tatjana Di Mai 19, 2020 6:12 pm

» Abstimmung für den Bilderwettbewerb im Mai 2020
von Tatjana Di Mai 19, 2020 6:02 pm

» Inflation in Österreich - Belege - 1918 bis 1925
von kaiserschmidt Di Mai 19, 2020 10:01 am

» Österreichisches Patentamt - Belege Perfins
von wilma Mo Mai 18, 2020 7:59 pm

» Austrian Perfins Society
von Perfin Fan Mo Mai 18, 2020 4:22 pm

» Wappenzeichnung - ANK 714-736 - Belege
von wilma So Mai 17, 2020 8:18 pm

» Italienische Serie
von leon_sellos So Mai 17, 2020 5:04 pm

» Corona - Heer verteilt Briefe
von Gerhard So Mai 17, 2020 12:28 am

» Marken aus den USA
von wolle80 Sa Mai 16, 2020 8:19 pm

» PVC-Folien schädlich für ihre Sammlung?!?!
von Ausstellungsleiter Fr Mai 15, 2020 5:48 pm

» Bayern Mi.Nr. 29 x I Plattenfehler
von hermelin99 Fr Mai 15, 2020 4:31 pm

» Auf den Hund gekommen...........
von Ausstellungsleiter Mi Mai 13, 2020 10:26 pm

» Die Dreiwellenstempel / Österreich
von Tatjana Mi Mai 13, 2020 6:46 pm

» "Deutsches Reich" Diverse Briefmarken gefunden
von kaiserschmidt Mi Mai 13, 2020 1:53 pm

» 3 Kreuzer Type Ia1, Platte 1
von Berni17 Mi Mai 13, 2020 8:06 am

» Sudetenland - Ausgaben für Rumburg
von Kontrollratjunkie So Mai 10, 2020 10:03 pm

» Muttertag
von Gerhard So Mai 10, 2020 4:08 pm

» Österr. NEU! Wallfahrtskirche Götzens
von Gerhard Sa Mai 09, 2020 11:35 pm

» Wir starten den Bilderwettbewerb im Mai 2020
von Kontrollratjunkie Sa Mai 09, 2020 1:30 am

» Stifte und Klöster - Belege
von Gerhard Fr Mai 08, 2020 10:22 pm

» Nebenstempel Ohne Marke eingelangt
von wilma Do Mai 07, 2020 9:20 pm

» Sammlung Bedarfsbriefe Österreich ab 1945
von gabi50 Do Mai 07, 2020 2:35 pm

» St. Peter am Ottersbach
von gabi50 Do Mai 07, 2020 2:27 pm

» Suche die "gartenblumen zu volgvollständigen"Gestempel
von leon_sellos Do Mai 07, 2020 12:02 pm

» Österr. NEU: Moderne Kunst - Herbert Brandl
von Gerhard Mi Mai 06, 2020 10:51 pm

» Die Verwendung ungültiger Marken in der Ostmark
von kaiserschmidt Mi Mai 06, 2020 9:03 pm

» Deutsches Reich Zusammendrucke und Markenheftchen
von hlmj Mi Mai 06, 2020 6:01 pm

» Gemeinschaftsausgaben für die amerikanische, britische und sowjet. Besatzungszone
von ruud Mi Mai 06, 2020 2:30 pm

» UN-Einsatz im Nahen Osten
von kaiserschmidt Mo Mai 04, 2020 5:13 pm

» Zensuren unter deutscher Herrschaft bis 1945
von jklang So Mai 03, 2020 7:42 pm

» Trachtenserien ANK 887 - 923 und 1052 - 1072 Belege
von wilma So Mai 03, 2020 7:41 pm

» Österreich 2. Währungsreform 10.12.1947 - Belege
von wilma So Mai 03, 2020 6:59 pm

» Siegerbild beim Bilderwettbewerb April 2020
von Polarfahrtsucher So Mai 03, 2020 3:01 pm

» Eigenschaften (Kraft-Macht-Fertigkeit)
von Ausstellungsleiter Sa Mai 02, 2020 11:01 pm

» Freudenau
von Tatjana Sa Mai 02, 2020 8:59 pm

» die Briefmarke 5/2020
von Tatjana Sa Mai 02, 2020 8:54 pm

» Gedenkblätter und Vignetten
von Tatjana Sa Mai 02, 2020 7:38 pm

» Schweizer Briefmarken Zeitung Nr. 4
von Tatjana Sa Mai 02, 2020 7:26 pm

» Briefmarken Westermayr
von Tatjana Sa Mai 02, 2020 4:50 pm

» Horses / Pferde (Marken auf Brief oder Karte)
von Tatjana Sa Mai 02, 2020 3:10 pm

» Die Büchersammlungen der Forumsmitglieder
von Gerhard Do Apr 30, 2020 7:37 pm

» Freimarken Tierkreiszeichen/Sternbilder - Belege
von wilma Mi Apr 29, 2020 6:39 pm

» Abstimmung für das Thema für den Bilderwettbewerb Mai 2020
von Michaela Di Apr 28, 2020 7:44 am

» Sagen und Legenden - Belege
von wilma Mo Apr 27, 2020 7:45 pm

» MICHEL KATALOGE
von Tatjana Mo Apr 27, 2020 6:53 pm

» Bedrohte Tierarten
von kaiserschmidt Mo Apr 27, 2020 5:44 pm

» Flugpostserie II Heimische Vogelwelt in Stadt und Land - Vögel
von wilma So Apr 26, 2020 6:15 pm

» Treuebonus-Marken Geschenk der Post
von kaiserschmidt Sa Apr 25, 2020 2:06 pm

» Blockfrankaturen
von Gerhard Fr Apr 24, 2020 10:43 pm

» Ganzssachen-Sortiment ab Juli 2018
von Gerhard Fr Apr 24, 2020 5:14 pm

» Hotelbriefe
von kaiserschmidt Fr Apr 24, 2020 2:17 pm

» Bauwerke und Baudenkmäler "Bautenserie"
von wilma Mi Apr 22, 2020 8:24 pm

» Landschaftsbilder ANK 738-766 - Belege
von kaiserschmidt Mi Apr 22, 2020 1:07 pm

» Würde gerne ein paar Briefmarken schätzen lassen
von kaiserschmidt Di Apr 21, 2020 7:22 pm

» Schweizer Afrikaflug 1926
von Tatjana Mo Apr 20, 2020 6:55 pm

» Schiffspoststempel
von Gerhard So Apr 19, 2020 11:46 pm

» St. Kunigund
von gabi50 Sa Apr 18, 2020 2:37 pm

» Arbeitsgemeinschaft Österreich im BDPh
von Tatjana Sa Apr 18, 2020 1:23 pm

» Orange Landschaft Österreich - Belege
von wilma Fr Apr 17, 2020 9:25 pm

» Bedarfspost Ganzsachen Österreich 1925-1938
von Worldwide Fr Apr 17, 2020 8:32 pm

» Unbill des Pfadfinder-Lebens
von Gerhard Fr Apr 17, 2020 6:06 pm

» Niki Lauda
von Tatjana Fr Apr 17, 2020 5:00 pm

» Mozart
von Ausstellungsleiter Fr Apr 17, 2020 1:31 pm

» Abstimmung für den Bilderwettbewerb im April 2020
von Michaela Fr Apr 17, 2020 7:52 am

» LZ 130 Fahrt nach Königsberg
von Kontrollratjunkie Do Apr 16, 2020 11:00 pm


Teilen
 

 Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
gottfried steinmann
Mitglied
Mitglied
gottfried steinmann


Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 Empty
BeitragThema: Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944   Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 EmptyMi Apr 16, 2014 7:43 pm

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944

Der folgende Artikel befasst sich mit dem Warschauer Aufstand von 1944. Neben einem kurzen geschichtlichen Abriss werden die Leistungen der polnischen Pfadfinder für den Aufstand und den Postdienst im Untergrund dieser Zeit beschrieben.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Deutschen Streitkräfte so gut wie besiegt und die Alliierten standen an den Grenzen des Großdeutschen Reiches. Im Osten war „Stalingrad“ die entscheidende Wende, im Westen die Invasion in der Normandie und in Italien das Vordringen der Alliierten im Süden, die das Bild prägten. Auch das Attentat auf Hitler zeigte, dass es Menschen gab die versuchten, dieses unheilvolle Regime zu beseitigen.
Hitler und Stalin hatten nach einem Blitzsieg 1939 „Polen“ in mehrere Teile zerschlagen. Das Gebiet im Westen wurde in das Deutsche Reich integriert. Der Mittelteil mit der Hauptstadt Warschau wurde das Generalgouvernement unter deutscher Führung. mit dann Krakau als Hauptstadt bestimmt und der Ostteil jenseits des Flusses Bug wurde von den Sowjets besetzt. Nach Hitlers Angriff auf die Sowjetunion mussten diese jedoch das Gebiet wieder räumen. 1944 stand nun die Rote Armee  wieder in Polen, hatte sogar schon in Lublin eine provisorische Gegenregierung installiert.

Nazi-Deutschland hatte in Polen fürchterlich gewütet.reckliche Exzesse wie das Massaker von Wola hatten stattgefunden, die heute unerklärbar und unentschuldbar sind – was auf ewig ein Makel auf alle Deutschen wirft. Aber auch die Gräueltaten der Russen waren eingebrannt in den Seelen und Köpfen aller Polen, von denen das Massaker von  Katyn nur ein furchtbarer Beleg ist.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 W_a_1113
Abbildung 1: An die Wand gemaltes Kennzeichen der „AK“
                                                                                                                                                     
Unaufhörlich bewegte sich die Rote Armee auf Warschau zu, hatte sogar die Weichsel im Süden schon überschritten. Jetzt sahen die gepeinigten Polen die Chance gekommen, sich gegen die deutsche Besatzung zu erheben. Die AK (Armia Krajowa) Heimatarmee, die sich schon gleich nach der polnischen Niederlage unter Führung von General Graf Tadeusz Komorowski, kurz „Bor“(Wald) genannt, organisiert hatte, sollte den  minutiös geplanten Aufstand anführen. Auch die Pfadfinder, die unter Hitler nicht nur verboten waren, sondern deren Führer verfolgt und getötet wurden, waren Teil dieser AK und sogar in eigenen Regimentern zusammengefasst, in die sogenannten „Grauen Reihen“. Die bekanntesten Pfadfinder-Regimenter waren „Parasol“ und „Zoska“. Alle Mitglieder hatten einen Decknamen.


Am 1. August 1944 war der Tag gekommen. Es sollte ein Überraschungsangriff werden, doch die deutsche Besatzung in Warschau war vorgewarnt und hatte sich gewappnet. Trotzdem gelang es den Aufständischen, große Teile der Innenstadt zu erobern. Darunter befanden sich aber keine wichtigen strategischen Punkte und keine der Brücken über die Weichsel. Auch der Jerusalem Boulevard, welcher quer durch  die Innenstadt zur Weichsel führte, war von den deutschen Kräften beherrscht und spaltete die Innenstadt in zwei Teile, in Nord und Süd und unterbrach jegliche Verbindung zwischen den Stadtteilen.

Die Warschauer Bevölkerung war von dem Zeitpunkt der Erhebung überrascht worden. Sie waren arbeiten oder unterwegs und hatten keine Möglichkeit mehr, sich mit ihren Lieben in Verbindung zu setzen. So wussten sie nicht, wie es um ihre Familien und Freunde bestellt war.

In dieser Not hatte der Pfadfinderführer Kazimierz Grenda die Idee, mit Hilfe „seiner“ Pfadfinder eine Notpost im südlichen Teil der Innenstadt aufzubauen. Dazu wollte er aber die Zustimmung sowohl der Pfadfinderführung als auch der zivilen Verwaltung einholen, die jedoch im nördlichen Teil ansässig waren. Über Abwasserkanäle überwand Przemyslaw Gorecki diese lebensgefährliche Straße und erhielt die gewünschte Zustimmung – sogar für alle von der AK eroberten Stadtteile. Die vorgesehene eigene AK-Feldpost funktionierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Mit Feuereifer machten sich die Pfadfinder an die Arbeit. Neben der Hauptpost waren acht Anlaufstellen, die als „Postämter“ dienen sollten, geplant (sieben wurden verwirklicht) und  an verschiedenen Stellen sollten 40 alte Briefkästen angebracht werden. Besondere Bestimmungen für die Benutzung dieser „Pfadfinderpost“ wurden ausgearbeitet. Die Nachrichten sollten:
* klein und leserlich geschrieben sein,
* in polnischer Sprache verfasst sein und 25 Worte nicht überschreiten,
* keine Fremdwörter und Abkürzungen enthalten,
* mit leserliche Anschrift versehen sein mit Absenderangabe bei Privatpersonen, Militärpost jedoch ohne Absender.
* Briefe müssen unverschlossen sein und unterstehen einer Zensur.
* Der Postdienst ist kostenfrei. Sachspenden (Bücher, Zeitschriften)wurden angenommen.


Zum Kennzeichnen der Poststücke wurden acht (+ zwei) verschiedene Stempel benutzt, gefertigt aus Lino, Holz, Gummi und Metall – alle mit der Pfadfinderlilie im Bild. Die ersten davon waren aus Linoleum geschnitzt und nicht aus einer Kartoffel – wie man früher irrtümlich angenommen hatte. Trotzdem werden  sie immer noch die legendären „Kartoffelstempel“ genannt.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 2b_kar10
Abbildung 2: Der legendäre „Kartoffelstempel“
                                                                                                       
Eine Zensur war notwendig, weil man sicher gehen wollte, dass bestimmte Informationen nicht in Feindeshand gerieten. Dieser Dienst wurde von Pfadfinder-Eltern, Ehefrauen und Geschwistern durchgeführt und entsprechend gekennzeichnet. Nachdem am 20. August die Pfadfinderpost und Militärpost zusammengelegt wurden, gab es noch die militärische Zensur.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 Aufsta10

Somit huschten und schlichen Buben und Mädchen an Barrikaden vorbei, von Keller zu Keller, wo man Durchgänge geschaffen hatte oder über die vielverzweigten Abwasserkanäle, um ihre so wichtige und sehnsüchtig erwartete Post auszuliefern. Als Erkennungszeichen diente eine rot-weiße Armbinde mit aufgenähter Pfadfinder-Lilie und den Initialen „S.P.“ (Hilfsdienst). Laut Bericht des Polnischen Pfadfindermuseums sollen 80 Pfadfinder/-innen bei diesem Dienst ihr Leben verloren haben. Während dieser zwei Monate des Aufstandes sollen von der Pfadfinderpost und Feldpost, insgesamt 116317 Poststücke „behandelt“ worden sein, von denen aber nicht alle zugestellt werden konnten, einfach weil sich die Adressaten weit außerhalb der befreiten Zonen befanden oder nicht anzutreffen waren.  

Die „Laczniczkas“, Mädchen aus den Reihen der AK, waren bekannt für ihre Tollkühnheit. So machte der Ausdruck die Runde: „Wo der Teufel selbst nicht mehr durchkommt, sende eine Laczniczka, die schafft es!“. Achtmal und mit Postgut beladen durchschwammen einige sogar die Weichsel.

Der Großteil dieser Briefe ist verloren gegangen, zum einen wegen der Zwangs-Evakuierung der Bevölkerung nach der Kapitulation und der nachfolgenden Zerstörung der Stadt, zum anderen weil diese Nachrichten oft nur auf einem Stück Papier geschrieben wurden. Was jedoch übrig geblieben ist, sind heute historische Dokumente und gesuchte, wertvolle Sammelobjekte.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 W_a_5310
Abbildung 5: Briefumschlag der Pfadfinderpost vom „Warschauer Aufstand 1944“ mit dem Rundstempel des Hauptpostamtes, dem rechteckigem Zensurstempel und länglichem Bestätigungsstempel einer Sachspende.

Die Rote Armee hatte am 13. September das rechte Weichselufer erreicht und die Vorstadt Praga eingenommen. Am 14. September kam über Radio der Aufruf des kommunistischen Komitees: „Die Hilfe kommt, kämpft weiter! Die 1. polnische Division ‚Kosciuszko‘ ist in Praga eingetroffen“. Bis auf einen kläglich gescheiterten Angriff über die Weichsel wurde nichts unternommen, um die AK im Kampf zu unterstützen.

Am 2. Oktober nach 63 Tagen Kampf streckten die letzten Aufständischen die Waffen. Am 4. Oktober begann für die AK-Abteilungen der Weg in die Gefangenschaft. Über 50 000 Männer, Frauen und Jugendliche landeten in den Arbeitslagern und KZ´s, wie Auschwitz, Groß-Rosen, Ravensbrück. Viele von ihnen erlebten nicht mehr das nahe Kriegsende. Drei Tage danach musste die verbliebene Bevölkerung die Stadt verlassen. Noch unter den Augen der nur mit Bündeln, Taschen und Kartons abziehenden Massen wurde Warschau geplündert – die größte Einzelplünderung des gesamten Weltkrieges. Nach einem vom Reichsführer-SS Himmler übermittelten Führerbefehl wurde zur Strafe die „vollständige Zerstörung Warschaus“ angeordnet.

Die Deutsche Armee musste die Front jedoch  immer weiter zurückziehen. Somit konnte die Rote Armee am 12. Februar 1945 auf dem Weg nach Berlin den Trümmerhaufen Warschau „befreien“.

Nach Kriegsende war für die langsam aus den deutschen Lagern zurückgekehrten Mitglieder der ehemaligen Aufständischen und somit auch der „Grauen Reihen“ die Leidenszeit noch lange nicht beendet. Denn jetzt wurden sie von der nun kommunistischen polnischen Regierung verfolgt und diskriminiert. Sie galten als verantwortlich für die Zerstörung Warschaus. Stalin hatte sich schon am
16. August 1944 von diesem „Warschauer Abenteuer“ distanziert und die Führer der AK als „machthungrige Verbrecher“ bezeichnet. Der Aufstand war nicht nur gegen die deutsche Besatzung gerichtet, sondern indirekt auch gegen den Erzfeind Russland.

Als bei den Aufräumarbeiten aus dem Schutt im Keller des Hauptpostamtes drei Postsäcke mit Briefen aus der Zeit des Aufstandes gefunden wurden, versuchte man die Adressaten ausfindig zu machen und die Briefe auszuliefern. Der verbliebene Rest gelangte an einen Sammler, der diese Poststücke mit seinem Signum „Kr. JULIEM“ kennzeichnete. Noch im Jahre 1956 wurde im Schutt das Skelet eines Pfadfinders ausgegraben, zusammen mit seiner Umhängetasche der Pfadfinderpost.

Erst nach Stalins Tod 1953 durften die AK-Kämpfer wieder ihren Kopf erheben und langsam die ihnen gebührende Anerkennung erfahren. Eine ganze Reihe von ihnen war dies jedoch nicht mehr vergönnt, sie waren in den Gefängnissen umgekommen oder standrechtlich erschossen worden.

Heute wird die Erinnerung an den „Warschauer Aufstand“ in ganz Polen hoch gehalten. Jedes Jahr schrillen zum Gedenken in Warschau am 1. August um 17 Uhr die Sirenen. Die Menschen pilgern dann zum Friedhof „POWALZKI“, wo die Gefallenen der AK  ihre letzte Ruhestätte gefunden haben und 105 Birkenkreuze für die Toten des Bataillons „Zoska“ aufgestellt wurden.
Nach der Wende wurde ein monumentales Denkmal aufgestellt und ein eigenes Museum eröffnet das dem „Warschauer Aufstand“ gedenkt.

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944 W_a_6510

Zur weitergehenden Information biete ich meine Publikation „Pfadfinder im polnischen Untergrund
1939-1945-1956“ an. (Zweisprachig: Deutsch-Englisch) Zum Sonderpreis von 12,00 € (inkl. Porto).Zu bestellen unter: gottfried.steinmann@t-online.de
Nach oben Nach unten
 

Pfadfinderdienste im Warschauer Aufstand 1944

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Briefmarken - Forum  :: Motive :: Organisationen-
Tauschen oder Kaufen